Schauspiel

Zwei freie Bühnen bitten zum Premierenwochenende in Bochum

Blutrünstig geht es (mal wieder) im Theater Rottstraße zu. Für jeden Despoten – im Bild Schauspieler Tim-Fabian Hoffmann – ist der Weg zur Macht mit Leichen gepflastert.

Blutrünstig geht es (mal wieder) im Theater Rottstraße zu. Für jeden Despoten – im Bild Schauspieler Tim-Fabian Hoffmann – ist der Weg zur Macht mit Leichen gepflastert.

Foto: RS 5

Bochum.   Das Theater Rottstraße und das Zeitmaul-Theater warten mit Neuinszenierungen auf. In den Stücken geht um Machtverlust und Künstliche Intelligenz.

Im Schauspielhaus und im Prinz-Regent-Theater läuft zurzeit außer den Vorbereitungen auf kommende Taten: nichts. Gut, dass es für Theaterliebhaber noch weitere Bühnen gibt, die den Besuch lohnen. Die Rede ist vom Theater Rottstraße 5 und vom Zeitmaul-Theater am Imbuschplatz. Beide Off-Bühnen warten am Wochenende mit Premieren auf.

In der Rottstraße gibt’s „Richard/Edward II. – die Entmachteten“, eine Überführung zweier Stoffe aus dem tiefsten 16. Jahrhundert in die Jetztzeit. Seit je nahmen die Dramen „Richard II.“ von William Shakespeare und „Edward II.“ von Christoper Marlowe eine politische Rolle ein: So wurde etwa das Shakespeare-Opus als Propaganda für einen Komplott gegen Königin Elisabeth I. aufgeführt.

Thronsaal und Folterkammer

Wankelmut, Intoleranz, Unehrlichkeit, Verantwortungslosigkeit und Profillosigkeit, die beiden Titelfiguren zugeschrieben werden, sind halt keine Erfindungen der Gegenwartspolitik, sondern hatten sowohl zu Lebzeiten der beiden Könige, als auch zu Lebzeiten der Dramatiker einen Platz auf der politischen Bühne.

Die Text-Neufassung stammt von Tim-Fabian Hoffmann, Theatergängern aus der Rottstraße, aber auch aus dem Schauspielhaus („Co-Starring“) bekannt. Hoffmann, der als Regie führender Solo-Darsteller zu erleben sein wird, schafft aus den alten Stücken eine neue zusammenhängende, in sich geschlossene Erzählung; es geht um den Aufstieg, die Entmachtung, die Denunziation und Hinrichtung beider Fürsten. Der Fokus liegt auf den Mechanismen, die zu Macht und Machtverlust führen. Als Kulisse dient eine karge Landschaft aus Stahlrohren und Plastikplanen: Die Bühne ist Thronsaal, Schlachtfeld, Lazarett, Kerker und Folterkammer zugleich.

Künstliche Intelligenz vor dem Fernseher

Das Zeitmaul-Theater hat sich nach vielen Umzügen innerhalb Bochums inzwischen am Imbuschplatz als Uraufführungstheater für zeitgenössisches Schauspiel etabliert. Am Freitag steht dort mit „Vom Suchen und Warten“ eine Inszenierung an, die Theaterleiter Witek Danielczok auf der Basis eines selbstverfassten Stückes auf die Bühne bringt.

Es geht um Künstliche Intelligenz, und wie „der Mensch“ auf die von Computern gesetzten, auch emotionalen Herausforderungen reagieren kann – oder eben auch nicht. In diesem Fall heißt die Künstliche Intelligenz MIRA, die zu Hause vorm Fenster sitzt, um aus allem, was sie „sieht“, zu lernen. Jeden Abend kommt ein Mann ins Zimmer und tut etwas in MIRAs Rücken.

Beckett lässt grüßen

Was er tut? Im Grunde immer das Gleiche: Er redet gelangweilt, sarkastisch, euphorisch oder belehrend. Er greift MIRA mit Worten an. Doch dann lässt er von ihr ab und sucht nach anderer Beschäftigung. Dass der Mensch warten und suchen kann, ist selbstverständlich; dafür ist er gemacht. Aber trifft das auch auf einen Computer zu? Was wird MIRA tun, wenn der Mann sich schlafen legt? In, wie er sagt, „theatralischer Schönheit“ geht Danielczok dieser Frage nach. Und ja, Samuel Beckett dürfte als Geist des absurden Theaters wohl auch anwesend sein.

Mit Matthias Hecht und Harald Schulte, Video: Björn Nienhuys.

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