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Wie Claus Sprick Asterix-Comics ins Ruhrdeutsch übersetzte

Auf zwei Bildschirmen macht Claus Sprick seine Übersetzungen.

Foto: Ingo Otto

Auf zwei Bildschirmen macht Claus Sprick seine Übersetzungen. Foto: Ingo Otto

Bochum.  Claus Sprick hat vor 20 Jahren den Asterix-Comic „Ärger um Asterix“ ins Ruhrpott-Deutsch übersetzt. Damals war er Richter am Bundesgerichtshof.

„Ich habe euch nicht gerufen!“ – Über diesen Ausruf von Majestix, dem gallischen Häuptling, grübelte Claus Sprick an einem Montagmorgen vor 20 Jahren im Zug nach Karlsruhe. Der damalige Richter am Bundesgerichtshof war auf dem Weg zur Arbeit. „Wie soll man das denn ins Ruhrdeutsche übersetzen?“ Denn vollständig ist unser Dialekt im Revier nicht. Nicht für jedes Wort gibt es ein Pendant, eine Mundart-Variante.

Die aber wollte Claus Sprick finden, nicht nur für den Ausruf Majestix’, auch für zahlreiche andere Sprechblasen-Texte von Asterix und Obelix. In der WAZ hatte der heute 71-Jährige den Aufruf gelesen: Der Comicband „Streit um Asterix“ sollte ins Ruhrdeutsche übersetzt werden, die besten Entwürfe wurden gesucht. Als er das Dilemma um Majestix gelöst hatte – er stellte den Satzbau um und ließ den Häuptling sagen: „Habbich auch nur einen von euch Komma hier gesacht?“ – war dem Richter und leidenschaftlichen Übersetzer klar, seinen Entwurf einzureichen.

Lob von Herbert Knebel

Gemeinsam mit dem Duisburger Reinhard Stratenwerth bekam Claus Sprick den Zuschlag. „Sie schreiben genauso, wie im Pott gesprochen wird“, lobte Jurymitglied Herbert Knebel.

Und so begannen die beiden Ruhrgebietsurgesteine mit der Arbeit: Jeder schrieb eine Variante, gemeinsam entstand dann eine dritte, noch bessere. „Wir schaukelten uns in der Kreativität hoch“, erinnert sich der Bochumer. Er sitzt an seinem immensen Schreibtisch in einer Altbauwohnung in Grumme, zwei Bildschirme vor sich, Bücher über Bücher um sich.

Aus Kleinbonum wird Kleinbochum

Damals wurde aus dem Römerlager Kleinbonum der Ort Kleinbochum, erzählt der 71-Jährige, die Handlung wurde ins Revier verlegt. Nur an die Zeichnungen, da durften Sprick und Stratenwerth nicht ran. Als die beiden auf den Schutzschilden der römischen Soldaten die Embleme römischer Provinzen durch die Wappen hiesiger Fußballvereine ersetzen wollten, lehnte Albert Uderzo, einer der beiden Autoren des Originals, das ab.

Claus Sprick, in Essen aufgewachsen und verwurzelt, hat schon 1984 das Ruhrgebietswörterbuch „Hömma!“ geschrieben. Obwohl er auf Wunsch seines Vaters, der ebenfalls Jurist war, die Richterlaufbahn eingeschlagen hat, blieben Sprachen und das Übersetzen immer sein zweites Standbein. „Tagsüber war ich Bundesrichter und bei Vollmond Übersetzer“, sagt er schmunzelnd. Für verrückt hielten ihn seine Kollegen, als er sich damals an den Asterix-Comic machte, zu profan und wenig intellektuell sei dieser Lesestoff.

Weiter als Übersetzer tätig

Dabei bleibt die Mundart für Claus Sprick ein Faszinosum. „Wenn man unserem Dialekt nachspürt, kann man eine Fülle und einen Schatz entdecken, das ist unglaublich.“ Und heute? Übersetzt er Urteile des Europäischen Gerichtshofs. Aber auch französische und englische Literatur überträgt er weiterhin in die deutsche Sprache, wenngleich das finanziell wesentlich weniger rentabel sei.

Aus der Mundartübersetzung aber hat er sich zurückgezogen: „Sie müssen sich in dem Milieu des Dialektes bewegen, der Jugend zuhören, am Kiosk rumlungern. Sprache ändert sich ständig. Aus dem Geschäft bin ich raus."

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