Musicals

Warum im Bochumer Starlight Express von Krise keine Rede ist

Seit 31 Jahren strahlt der Starlight Express in Bochum. Die Produzenten berichten von einer nach wie vor hohen Auslastung.

Seit 31 Jahren strahlt der Starlight Express in Bochum. Die Produzenten berichten von einer nach wie vor hohen Auslastung.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Musical-Landschaft im Revier bröckelt. Der Starlight Express indes läuft und läuft und läuft. Von Krise ist im Bochumer Theater keine Rede.

Er läuft und läuft und läuft: Der Starlight Express strahlt seit mehr als 31 Jahren über Bochum. „Ein Wunder“, staunen Branchenkenner – vor allem seit in dieser Woche bekannt wurde, dass zwei Musical-Theater im Revier geschlossen werden.

Der Abgesang ist besiegelt: Der Hamburger Musicalbetreiber Stage Entertainment zieht sich aus dem Ruhrgebiet zurück. Der Spielbetrieb im Centro Oberhausen wird beendet, das Colosseum-Theater in Essen wird verkauft.

Die Besucherzahlen seien für einen rentablen Betrieb nicht ausreichend. Als nicht subventioniertes Privattheater konkurriere man im Ruhrgebiet mit einer der dichtesten Kultur- und Theaterlandschaften Deutschlands, heißt es bei der Stage-Gruppe. Derweil herrscht auch am Theater am Marientor in Duisburg Drama: Die Betriebsgesellschaft ist pleite, der Start des Musicals „Wallace“ ungewiss. Gerade mal 2000 Karten seien bislang für die 100 geplanten Shows verkauft worden.

410.000 Besucher werden bis Jahresende erwartet

Im Bochumer Starlight-Theater mag man man die jüngsten Entwicklungen bei der Konkurrenz nicht kommentieren. Das Sternen-Musical sei vom jüngsten Abwärtssog in der Heile-Welt-Branche aber keinesfalls erfasst, wird am Stadionring betont. Im Gegenteil: „Seit unserem Jubiläum zum 30-jährigen Bestehen 2018 haben wir stark wachsende Zuschauerzahlen zu vermelden. Das heißt: Unsere Entscheidung, die Show noch einmal zu überarbeiten und künstlerisch und technisch auf den neuesten Stand zu bringen, hat sich als richtig erwiesen“, erklärt Sprecherin Friederike Gerwe.

Mit mindestens 410.000 Besuchern bis zum Jahresende rechnet die Mehr-BB Entertainment GmbH, die neben dem Starlight-Theater auch den Admiralspalast in Berlin, den Musical-Dome in Köln, das Capitol-Theater in Düsseldorf und das Mehr-Theater in Hamburg (ab Frühjahr 2020 mit Harry Potter) betreibt.

Produzenten betonen Identifikation mit der Stadt

„In Bochum sind wir außerordentlich zufrieden“, sagt Friederike Gerwe. Im Frühjahr wurde die 17-Millionen-Besucher-Marke durchbrochen.

Längst gilt der Starlight Express als weltweit erfolgreichstes Musical an einem Standort. Warum die Rollschuh-Produktion ein derartiger Dauerläufer ist? Von der „Einzigartigkeit der Bühnenkonstruktion“ schwärmen die Macher, von der Rasanz der Rennen der Lokomotiven und von einer Show, die alle Generationen erreiche: auch deutlich mehr Männer als bei Musicals üblich. „Hinzu kommt die hohe Identifikation der Stadt“, bekräftigt Friederike Gerwe: „Von den Stadtwerken über das Stadtmarketing bis zum Oberbürgermeister werden wir immer wunderbar unterstützt.“

Gleichwohl bleibt Starlight ein Phänomen. Das, so wünscht man sich in Bochum, möge noch viele Jahre so bleiben. Denn das städtische Theater mit seinen sieben Shows pro Woche (in den Ferien acht) ist ein wichtiger Arbeitgeber. Zwar wurde zum 30. Geburtstag 2018 gespart – dank elektronisch gesteuerter Verfolgerspots braucht es nur noch einen statt sechs Beleuchter; die Starlight-Band schrumpfte von neun auf sieben Musiker. Über 300 Mitarbeiter vor und (meist) hinter den Kulissen sind es aber immer noch, die den Sternenhimmel anknipsen. So auch am Donnerstag zur Vorstellung Nummer 12.157.

60 Millionen Jahresumsatz für Bochum

Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist das Singspiel obendrein. 60 Millionen Euro Jahresumsatz beschert der Starlight Express der Stadt. Davon profitieren neben Handel und Gastronomie insbesondere die Hotels. Die meisten Gäste verbinden den Musicalbesuch mit mindestens einer Übernachtung.

Der Trend geht zu Zwei- oder Drei-Tages-Touren. Dabei steuern die Musical-Touristen gern auch das Planetarium, das Bergbaumuseum, das Bermudadreieck oder den Tierpark an.

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