Wirtschaft

Vonovia weiht neue Unternehmenszentrale in Bochum ein

Einweihung der neuen Vonovia-Zentrale am Donnerstag.

Einweihung der neuen Vonovia-Zentrale am Donnerstag.

Foto: Socrates Tassos

Bochum.   Bei der Einweihung der neuen Vonovia-Zentrale kamen 400 geladene Gäste nach Bochum. Auch Ministerpräsident Armin Laschet gehörte dazu.

Die neue Vonovia-Zentrale ist am Donnerstag festlich eingeweiht worden. An der Bochumer Universitätsstraße steht nun die neue Zentrale des DAX-Konzerns.

Anlässlich der Eröffnung sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU): „ Das Unternehmen Vonovia übernimmt Verantwortung indem es baut.“ Zuvor hatte Rolf Buch, Vorsitzender des Vorstands bei Vonovia, sich in seiner Eröffnungsrede gefreut: „Heute sind wir hier, um den Einzug der Vonovia Familie in ein neues Haus zu feiern. Wir sind hier, um Neues zu beginnen und Vergangenes abzuschließen.“

Rund 400 Gäste waren geladen

In der alten Zentrale in der Philippstraße habe das Unternehmen erfolgreiche, aber auch schwierige Phasen durchlebt. Mit dem Börsengang im Jahr 2013, den Veränderungen in der Strategie des Unternehmens und auch mit der Namensänderung in Vonovia sei ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen worden.

„Unsere moderne, geräumige Zentrale macht nun sichtbar, dass wir nicht verharren, sondern uns immer weiter entwickeln“, so Buch vor den rund 400 geladenen Gästen.

Ministerpräsident nahm sich Zeit für Besuch

„Die Landesregierung setzt sich ein, die richtigen Rahmenbedingungen für mehr bezahlbare Wohnungen in Nordrhein-Westfalen zu schaffen: Zum Beispiel mit der Abschaffung überflüssiger Vorschriften, um Bauen zu erleichtern, mit dem Moratorium für die Bauordnung oder unserem Wohnraumförderungsprogramm, um der Knappheit auf dem Wohnungsmarkt entgegen zu treten.

Mit der Überarbeitung des Landesentwicklungsplans wollen wir zudem dafür sorgen, dass es mehr Bauland in Nordrhein-Westfalen gibt“, so Ministerpräsident Armin Laschet.

Eine Entscheidung, die Bochum Mut macht

Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) ging in seinem kurzen Grußwort kurz auf die Hintergründe ein. Rolf Buch hatte sich brav für die rasche Erteilung der Baugenehmigung bedankt, die in nur einem Tag ergangen sei. Eiskirch – immerhin Vertreter der „schnellsten Stadt Deutschlands“, wie jedoch darauf hin, dass es für die Erarbeitung des Bebauungsplanes schon rund acht Monate Arbeit gebraucht hätte. Aber auch dies sei enorm schnell gegangen.

Die Erteilung der Baugenehmigung hätte dann jedoch tatsächlich nur einen Tag benötigt. Eiskirch freute sich und sagte: „Die Entscheidung von Vonovia hat uns hier in Bochum viel Mut gemacht. Die Stadt freut sich für und mit Vonovia.“

Betriebsrat: Zu wenig Mitarbeiterparkplätze

Am Rande der Veranstaltung äußerste sich auch der Vonovia-Betriebsratsvorsitzende Manfred Nordwig. Er vertritt die Interessen der rund 1000 Mitarbeiter, die jetzt in der neuen Zentrale arbeiten. Es habe vor dem Umzug doch große Sorgen gegeben, dass „die neuen Arbeitswelten“, vulgo Großraumbüros, Probleme mit sich brächten. „Das hat sich so nicht bestätigt“, sagte Nordwig und bestätigte damit, was der Vorstandsvorsitzende Buch später ausführen sollte. Es sei ein Gebäude mit vielen Begegnungsmöglichkeiten entstanden. Wo Kommunikation ein zentrales Element sei.

Allerdings merkte Nordwig kritisch an, dass für eben die 1000 Mitarbeiter lediglich 500 Parkplätze auf dem großen Gelände direkt vor der neuen Zentrale geschaffen worden seien. Etliche Mitarbeiter hätten große Mühe, morgens eine Stelle zu finden, um ihr Fahrzeug abzustellen. Noch könne ein provisorischer Schotterplatz an der alten Zentrale, gut 100 Meter entfernt, genutzt würden. Aber dies gelte nur noch bis zum Ende des Jahres. Nordwig wünscht sich, dass das Unternehme hier noch zusätzlichen Parkraum schafft.

Auseinandersetzung mit Modernisierung

Seit Jahren setzen sich Mietervereine kritisch mit der Spirale „Modernisierung bringt Mieterhöhung, bringt mehr Rendite“ auseinander. Am Donnerstag nutzten die Organisationen die festliche Eröffnung der neuen Vonovia-Zentrale, für ein kräftiges Statement. „Wir fordern schlicht die Abschaffung des Paragrafen 559 im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Der erlaubt bisher die Erhöhung der jährlichen Miete nach einer Renovierung um maximal 11 Prozent“, macht Aichard Hoffmann, Sprecher des Mietervereins Bochum, deutlich.

Kritik von Mieterverbänden

Mit etwa 7000 eigenen Wohnungen ist der Vonovia-Konzern in Bochum mittlerweile der zweitgrößte Vermieter von privatem Wohnraum in der Stadt. Lediglich die quasi-städtische VBW bietet mit rund 12 000 eigenen und dazu noch circa 3 000 von ihr verwalteten Wohnungen auf mehr. Auf den weiteren Plätzen folgen in Bochum etliche Wohnungsgenossenschaften, die in dieser Stadt traditionell stark vertreten sind.

Jetzt haben die verschiedenen deutschen Mieterinteressensvertretungen bei der Vonovia einen offenen Brief an den Vorstand des mächtigen Wohnungskonzerns geschrieben. „Gemeinsam wenden wir uns gegen die starken Mieterhöhungen, die Vonovia bundesweit mit Hilfe von Modernisierungen durchzusetzen versucht. Wir werfen der Vonovia detailliert vor, sich auf Kosten der Mieter und Mieterinnen und unter Verletzung ihrer Rechte zu bereichern.“

Rolf Buch nimmt offenen Brief entgegen

Unter den Protestierenden, die sich vor der Zentrale aufgestellt hatten und mit Transparenten ihre Kritik äußern, war auch eine 46-jährige Frau, die seit 14 Jahren in eine Bochumer Altbauwohnung von Vonovia lebe, gemeinsam mit ihrem 14-jährigen Sohn. Sie kritisierte: „Seit eineinhalb Jahren reagiert Vonovia nicht auf meine Beschwerden. Konkret ginge es in ihrem Fall um nicht korrekt abgerechnete Betriebskosten, Zähler, die ihr zugeschlagen worden seien und ihr aber gar nicht gehörten, so jedenfalls nach Darstellung der 46-Jährigen.

Rolf Buch ließ es sich nicht nehmen, vor dem Festakt kurz zu den Interessensvertretern vor die Tür zu kommen. Er begrüßte die Vertreter der Mieterverbände, betonte aber, sich inhaltlich nicht äußern zu wollen. Er nahm jedoch den Offenen Brief entgegen. Dort ging es um Renovierungsmaßnahmen, die automatisch horrende Mietererhöhungen nach sich zögen. „Viele Nachbarinnen und Nachbarn können aber Erhöhungen, die oft zwischen 40 bis 40 Prozent der alten Grundmieten betragen, nicht bezahlen“, so heißt es in dem Schreiben.

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