Leihen

Vom Werkzeug bis zum Toaster: In Bochum kann man das leihen

Die „Bibliothek der Dinge“ geht an den Start: (v.l.) Bücherei-Leiterin Susanne Grimberg sowie das engagierte Team der „Bib“ mit Sandra Greassidis, Oliver Stengel und Najine Ameli.

Die „Bibliothek der Dinge“ geht an den Start: (v.l.) Bücherei-Leiterin Susanne Grimberg sowie das engagierte Team der „Bib“ mit Sandra Greassidis, Oliver Stengel und Najine Ameli.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Bochum-Langendreer.  In der „Bibliothek der Dinge“ können Alltagsgegenstände geliehen werden. Das nützliche Angebot in der Bücherei Bochum-Langendreer soll wachsen.

Mal Hand aufs Herz: Wie viele wichtige Dinge hat man in seinem Leben schon gekauft, die dann kaum genutzt im Schrank landen? Wie oft sind Akku-Schrauber, Raclette-Grill und Tapeziertisch tatsächlich im Einsatz? Was benutzt man einmal und danach nie wieder?

Praktisch wäre es wohl, wenn man all diese Gegenstände des Alltags einfach leihen könnte, statt sie für teuer Geld anzuschaffen und dann im Keller vor sich hin stauben zu lassen. Genau diesen Ansatz verfolgt die „Bibliothek der Dinge“ (Bib), die am Montag, 2. November, in der Bücherei Bochum-Langendreer öffnet.

Zweiter Standort ist bereits geplant

Vom Römertopf bis zum Mixer, vom Tennisschläger bis zum Toaster: Bislang ist es nur ein Regal, in dem die unterschiedlichsten Sachen zum Leihen bereit liegen, doch das ambitionierte Projekt soll wachsen – sowohl in Langendreer, als auch in Harpen, wo der zweite Standort geplant ist.

Hinter dieser Idee stecken drei junge Leute, die allesamt an der Ruhr-Uni und der Hochschule Bochum arbeiten und ihr Projekt jetzt ehrenamtlich an den Start bringen. Najine Ameli hat zur Einsparung von Ressourcen sogar ihre Promotion geschrieben und mehrere Jahre im Ausland geforscht: etwa in den USA und Kanada, wo so genannte Tool Libraries (also Werkzeugbibliotheken) weitaus verbreiteter sind als hier. „Dort ist es ganz normal, dass Werkzeuge oder Gartengeräte untereinander in Gemeindezentren getauscht werden“, sagt Najine Ameli. „Bei uns ist das weitgehend Neuland. Da kauft lieber jeder für sich allein, statt auch andere daran teilhaben zu lassen, was doch wirklich Unsinn ist.“

Ein Mix aus Geben und Nehmen

So ist die „Bibliothek der Dinge“ ein Mix aus Geben und Nehmen. „Klar sind wir auf Spenden angewiesen, damit die Sammlung weiter wächst“, sagt Sandra Greassidis. „Aber es muss niemand etwas vorbeibringen, um etwas leihen zu können. Damit richten wir uns auch an Familien, die nicht so viel Geld haben, um eigene Skischuhe oder ein eigenes Zelt für den Urlaub zu kaufen.“

Wer Dinge leihen möchte, muss sich zuvor persönlich in der Bibliothek anmelden und seine Daten hinterlegen. Der Büchereiausweis reicht dafür nicht. Ab dann gilt ein Leihzeitraum von sieben Werktagen, nach denen die geliehenen Gegenstände wieder abgegeben werden müssen. Auch eine Verlängerung ist möglich, dies kann online geschehen. „Auch welche Gegenstände zum Leihen gerade bereit liegen, kann online eingesehen werden“, sagt Sandra Greassidis. Die Monatsgebühr beträgt fünf Euro (oder 50 Euro im Jahr), wobei darauf geachtet wird, dass nicht einzelne Nutzer das komplette Regal leerräumen: „Das muss schon transparent sein.“

Junges Team will viel bewegen

Das junge Team, das für die Entwicklung ihrer Idee eine gemeinnützige GmbH unter dem Namen „Phase 4“ gegründet hat, will noch viel bewegen: So ist neben dem zweiten Standort, der Anfang 2021 in einer Halle in Harpen öffnen soll, auch ein Lieferservice geplant. „Gesucht werden immer auch Menschen, die sich mit uns engagieren wollen“, sagt Oliver Stengel. „Wenn das größer wird, schaffen wir das nicht mehr allein.“

Die Bücherei in Langendreer sieht dem neuen Angebot gespannt entgegen. „Unser Sortiment besteht schon längst nicht mehr nur aus Büchern, das weitet sich immer weiter aus“, sagt Leiterin Susanne Grimberg. „Wir freuen uns total über das, was hier passiert.“

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