Fleisch

Verbraucher kaufen wieder mehr beim Metzger und im Hofladen

Gut zu tun haben Verkäuferin Susanne Bieczorek-Centiny und die gesamte Belegschaft der Fleischerei Dasenbrock.

Gut zu tun haben Verkäuferin Susanne Bieczorek-Centiny und die gesamte Belegschaft der Fleischerei Dasenbrock.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Bochum.  Es gibt nur noch wenige Metzgereien in Bochum. In Zeiten von Corona ist die Nachfrage bei ihnen und in den Hofläden aber deutlich gestiegen.

Manchmal reibt sich Horst Dasenbrock verwundert die Augen. „Seit dem Ausbruch von Corona ist die Nachfrage bei uns gewachsen“, sagt der Metzger aus Bochum-Wattenscheid. Und in einigen seiner Läden brumme es ganz besonders. Er ist nicht der einzige, der mehr Fleisch und Wurst verkauft.

Auch im Hofladen von Landwirt Guido Schulte-Schüren aus Stiepel schauen mehr Kunden herein. „Gerade in den ersten Wochen von Corona haben die Leute die Nähe zum Direktvermarkter und zum Hofladen gesucht“, erinnert er sich. „Das hat vielleicht auch etwas damit zu tun, dass sie bei uns nicht direkt in Kontakt mit Menschen kommen müssen. Unser Hofautomat ist 24 Stunden rund um die Uhr zugänglich.“ Allmählich lasse die Nachfrage aber auch schon wieder nach.

Kein Zusammenhang mit Vorfällen bei Tönnies

Nicht so bei der Fleischerei Dasenbrock. „Ich traue mich kaum es zu sagen. Aber wir sind Corona-Gewinner“, sagt Inhaber Horst Dasenbrock. Gerade in einigen Läden wie am Wattenscheider Hellweg und an den Marktständen sei die Nachfrage besonders groß. Das allerdings habe nichts mit den hundertfachen Infektionen in der Schlachterei Tönnies in Gütersloh zu tun. „Die Leute sind schon vorher verstärkt wieder in die Metzgereien gekommen.“ Auch Guido Schulte-Schüren sieht keinen Zusammenhang zwischen den Vorfällen und der erhöhten Nachfrage beim Bauer um die Ecke.

Fakt sei: Die Kunden fragen mehr noch als früher nach der Herkunft des Fleisches. Die Rinder bei Bauer Schulte-Schüren stammen aus eigener Haltung. Verkauft werde allerdings nur im Herbst und Winter auf Bestellung. Jetzt beginne wieder die Zeit der Vorbestellungen. „Im März haben wir nachträglich noch einige Rinder schlachten lassen und verkauft. Damals haben wir Überstunden gemacht“, so der Landwirt.

Rindfleisch wird in Bochum geschlachtet

Geschlachtet werden seine Rinder im Schlachthof Bochum, zerlegt aber werden sie in Stiepel. „Mein Bruder Mike ist Metzger, außerdem haben wir die nötigen Räume.“ Und wenn das Fleisch nicht in den Handel ginge, könnte sie sogar selbst schlachten.

Auch Horst Dasenbrock bezieht Rindfleisch, das in Bochum geschlachtet wird. „Ansonsten kommt unser Fleisch vom Eichenhof“ – einer Erzeugergemeinschaft von 400 Landwirten aus dem Osnabrücker Land. „Wir verwenden ausschließlich Färsen- und Schweinefleisch aus artgerechter Haltung von regionalen Bauernhöfen und Produzenten“, heißt es auf der Internet-Seite des Wattenscheider Metzgers.

Mehr Menschen kochen zu Hause

Mehr Betrieb in seinen Läden hieß in den vergangenen Wochen allerdings auch: mehr Aufregung. „Der momentane Zustand ist für alle anstrengend“, sagt er – und meint damit die Menschen dies- und jenseits der Wursttheke.

Wie lange das Nachfrage-Hoch noch herrschen wird, dazu wagt niemand eine Prognose. Momentan gebe es in den Metzgereien noch einen „verstärkten Zulauf“, so Uwe Absch, Geschäftsführer der Fleischer-Innung. Er führt die gewachsene Nachfrage auch darauf zurück, „dass mehr Leute zu Hause sind und selbst kochen“.

Unterstützung regionaler Ware ist oft ein Lippenbekenntnis

Der Fleisch- und Wurstpreis spiele am Ende natürlich auch eine Rolle. „Mit Discountern können wir uns nicht vergleichen. Die hauen rein. Aber an der Wursttheke bei Rewe bezahlen sie das gleiche wie bei unseren Metzgern“, so Absch. Er weiß von den Beteuerungen der Kundschaft, für gute Waren aus der Region im Zweifelsfall auch mehr zu bezahlen. Aber: „Zu 99 Prozent ist das Wunschdenken und nur zu ein Prozent Realität.“

Deshalb ist die Hoffnung, dass die gewachsene Nachfrage beim Fleischer und beim Direktvermarkter dauerhaft so bleibt, auch nicht sehr groß. Der Trend geht in die andere Richtung: Von den vor kurzem noch 13 Metzgern in der Fleischer-Innung Bochum hat einer Ende Juni aufgegeben: Latoska in Höntrop. Und am Samstag (18.) schließt die Metzgerei Müller in Wattenscheid für immer – aus Personalmangel, wie es heißt. Bleiben elf Mitglieder. „Es ist keine Pflicht in der Innung vertreten zu sein. Aber viel mehr Metzgereien als diese elf gibt es in Bochum auch nicht.“ Bochum hat vor einiger Zeit bereits mit der Innung im Ennepe-Kreis fusioniert, um noch eine gewisse Größe vorweisen zu können.

Früher gab es mehr als 200 Metzgereien

Zum Vergleich: „Als ich 1996 in der Innung anfing, da hatten wir in Bochum noch 58 Innungsmetzgereien“, so der Innungs-Geschäftsführer. Und früher – bevor die Supermärkte aufkamen – seien es mal mehr als 200 gewesen. Aber das ist lange her.

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