"Uns fehlte es an nichts"

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Uli Auffermann schrieb ein Buch über seinen Jahrgang: "Kindheit in Bochum"Aufgewachsen in den 60er und 70er Jahren: Eine (fast) heile Welt

Es sind die so genannten geburtenstarken Jahrgänge, deren Erinnerungen Uli Auffermann (48) mit seinem Buch "Unsere Kindheit in Bochum" herauskitzeln will. Denn "um die 40" sollten Leser schon sein, um sich wiederzufinden in dem Bändchen "Aufgewachsen in den 60er & 70er Jahren".

Es ist ein sehr persönliches Buch geworden, das der Bochumer Extremsportler und Bergsteiger da verfasst hat, in dem Gleichaltrige dennoch viel Bekanntes entdecken können. Auffermann beschreibt die Wohn- und Lebensverhältnisse seiner Zechensiedlung in Werne, erzählt von Schulen, von Tante-Emma-Läden, vom Sommer im Freibad und vom Spielen auf der Straße.

Es ist ein sehr positiver Rückblick geworden voller liebevoller Details ("uns fehlte es an nichts", "wir waren ausgeglichen"). Die Innenstadt etwa bot noch eine Ladenvielfalt auf, die Sehnsucht auf eine Reise in die Welt des Einkaufs machte. Natürlich dürfen auch hier die Äffchen der "Bimbo-Box" bei Kortum nicht fehlen oder die berühmte Holzrutsche im Schuhhaus Lötte. Die Welt war eine heile damals, man kam noch für 50 Pfennig ins Kino in die Vormittags-Kindervorstellung, und sonntags an der Ruhr, das war wie Urlaub. Wie es sich für einen Bochumer Jungen gehört, entdeckte der heranwachsende Uli die Liebe zum VfL: Der Gang ins Stadion am Wochenende war jedesmal der Höhepunkt: "In unsere Jugend fiel der Aufstieg des VfL in die Bundesliga (Sommer 1971), ein ganz neues Gefühl für die eigene Stadt".

Es war die Zeit der langen Haare, als auch Uli Auffermann begann, sich "aufzubrezeln", natürlich für die Mädels ("Hosen Müller in der Innenstadt war die erste Adresse für die angesagten Jeansmarken"). Feten wurden immer wichtiger, denn die Suche nach einer Freundin nahm einen beachtlichen Raum ein. "Wir suchten unser Glück im ,Eistreff'."

War es erst einmal gefunden, erweiterten sich die Vergnügungskreise: Man begann auszugehen. Ins "Big Aple" in Langendreer, den "Club 67" in Gerthe, ins Spektrum am Nordring, ins Rotthaus oder Oblomow. Damals organisierte das Jugendamt Pop-Festivals in der Ruhrlandhalle mit Slade und Suzie Quadro.

Jedes Thema ist garniert mit Fotos, die aus verschiedenen Archiven stammen und dazu verleiten, die eigenen Fotoalben mal wieder aufzublättern. Auffermann hat für sein fünftes Buch unzählige Zeitzeugen befragt, denn nicht alles entstammt eigenen Erinnerungen. All diese Interviews, so betonte er gegenüber der WAZ, haben ihn eingenommen für die Ruhris: "ich bin seither begeistert von den Menschen hier, ihrer Offenheit, ihrer ehrlichen, direkten Art."

Uli Auffermann:

Unsere Kindheit in Bochum, Wartberg-Verlag

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