Uhrmacher

Hier ticken die Uhren jetzt anders

Willi J. Köhler steht im Eingangsbereich seines Geschäfts. Im Hintergrund ist die offene Werkstatt gut zu erkennen.

Willi J. Köhler steht im Eingangsbereich seines Geschäfts. Im Hintergrund ist die offene Werkstatt gut zu erkennen.

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Linden.   Uhrmachermeister Willi J. Köhler aus Linden geht neue Wege und hat seine Werkstatt in den Verkaufsraum verlagert. Ein Konzept, das bei den Kunden ankommt. Sie können an der Hattinger Straße 795 nun live miterleben, wie eine Uhr repariert wird.

Was tun Geschäftsleute, wenn der Verkauf zurückgeht? Eingreifen, etwas verändern, modernisieren. Etwas geändert hat auch Willi J. Köhler in seinem Geschäft „Juwelier Köhler Optik“. Dafür begab er sich allerdings zurück zu den Wurzeln des Familienbetriebes und besann sich auf das, was schon sein Uropa gemacht hat: Uhren reparieren.

Wie er dies tut, kann nun jeder Kunde genauestens beobachten. Denn Willi J. Köhler verlagerte seine Werkstatt kurzerhand von hinten nach vorne in den Verkaufsraum. „Die Leute sollen sehen könne, wie wir Uhren reparieren“, sagt Köhler. Und diese Möglichkeit nehmen sie gerne wahr. Dem Meister bei der Arbeit über die Schulter schauen – wo gibt es das schon? „Sätze wie ,Mann, sowas habe ich ja noch nie gesehen’ bekommen wir oft zu hören“, freut sich Köhler.

Für Helga Köhler, die den Betrieb zum 1. Juli an ihren Sohn übertragen hat und noch immer im Hintergrund tätig ist, war es schon ein großer Schritt hin zur „gläsernen Uhrmacher-Werkstatt“, wie sie zugibt. „Ich habe ja zuvor 56 Jahre lang anders gearbeitet.“ Außerdem findet die 77-Jährige, dass es in ihrem Geschäft vorher eigentlich viel interessantere Dinge gab: Schmuck und Uhren halt. Nun dreht sich alles um Reparaturen. An der Hattinger Straße 795 ticken die Uhren jetzt anders.

Von Anfang an vom neuen Konzept überzeugt

Willi J. Köhler war von Anfang an überzeugt, dass das neue Konzept (Motto: neues Leben für alte Uhren) aufgeht. „Es war ja eine Basis an Reparaturwünschen vorhanden“, sagt der 52-Jährige. Außerdem sei der Wettbewerb immer schwieriger geworden: „Fernsehen, Internet, Trödel – überall werden inzwischen Uhren und Schmuck angeboten. Es ist schwer, gegen diese Konkurrenz anzukommen.“

Schmuck gibt es bei Köhler nicht mehr; repariert wird er hingegen schon. Künftig verstärkt dafür auch ein Goldschmied das Team des Familienunternehmens. Kerngeschäft bleiben allerdings die Uhren. Ob klein oder groß, ob alt oder neu. Es gibt kaum eine Uhr, die Willi J. Köhler und seine Mitarbeiter nicht wieder ans Laufen und Ticken kriegen. „Dabei kommt mir sehr zugute, dass mein Vater sehr darauf bedacht war, alte Ersatzteile zu sammeln“, erzählt Köhler, der sich selbst hauptsächlich um Taschen- und Armbanduhren. Mit 19 Jahren hat er angefangen, seinen Vorfahren nachzueifern. Die ruhige Hand für die filigrane Arbeit, sagt er, käme im Laufe der Zeit von ganz alleine. „Aber am Anfang habe ich schon ein bisschen gezittert“, schmunzelt er.

Willi J. Köhler selbst trägt übrigens keine Uhr. „Warum auch?“, fragt er. „Hier gibt es doch genug.“

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