Ausländische Pflegebedürftige

Studenten besuchen fremdsprachige Menschen in Pflegeheimen

Yvonne Behrens und Milena Röhr sprechen mit zwei Bewohnern des Marienstiftes. Studierende besuchen im Rahmen eines Projektes russische und polnische Muttersprachler.

Yvonne Behrens und Milena Röhr sprechen mit zwei Bewohnern des Marienstiftes. Studierende besuchen im Rahmen eines Projektes russische und polnische Muttersprachler.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Projekt „Unvergessen“ bringt Studenten und polnisch- und russischsprachige Bewohner von Pflegeheimen zusammen. Es zeigt Wege aus der Einsamkeit.

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Die Muttersprache hat für uns immer einen besonderen Stellenwert. Mit ihr fühlen wir uns meist geborgen und heimisch. Diese Gefühle wird wohl jeder kennen, der nach einem längeren Urlaub nach Hause kommt. Das gilt noch mal mehr für Menschen mit Migrationshintergrund. Im Gegensatz zu Urlaubsrückkehrern ist ihr Leben geprägt vom täglichen Wechsel zwischen den Sprachwelten. Was passiert aber, wenn Zugewanderte dement werden und das erlernte Deutsch verloren geht? Welche Probleme kommen dann auf sie zu, und wie kann man ihnen helfen?

Diesen Fragen widmet sich das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Projektseminar „Unvergessen“ an der Ruhr-Universität. Ins Leben gerufen hat das Projekt die Studienrätin des Seminars für Slavistik, Dr. Katrin Karl. „Migranten in Pflegeheimen sind in großer Not, wenn sie dement werden“, sagt Karl. Sie könnten nicht richtig mit den Pflegekräften kommunizieren, da diese sie schlichtweg nicht verstünden.

Wie Muttersprache wirken kann

In der aktuellen Phase des Projektes besuchen Studenten mit Polnisch- und Russischkenntnissen Bewohner von Pflegeheimen. Auf die Besuche haben sie sich zuvor in der Theorie vorbereitet. Ziel ist es herauszufinden, ob und wie Muttersprache auf die Bewohner wirkt. Langfristig soll die Forschung dazu beitragen, eine Betreuungsgrundlage zu erarbeiten.

Unterstützt wird das Projekt von Dr. André Posenau, Professor für Interaktion und interprofessionelle Kommunikation in Pflege- und Gesundheitsfachberufen an der Hochschule für Gesundheit. „Wir hoffen auf Erkenntnisse für unseren Pflege-Studiengang. Es gibt sehr viele Betroffene, unsere Studenten haben aber eher selten einen solchen kulturellen Hintergrund“.

In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Davon sind etwa zwei Millionen polnischer Herkunft und rund 2,8 Millionen kommen aus Russland, Kasachstan und der Ukraine. „Der Bedarf ist definitiv da“, so Dr. Katrin Karl. Auch seitens der Pflegeheime sei man zum absoluten Großteil auf offene Ohren und oft auf Dankbarkeit gestoßen – so auch im St. Marienstift.

Weitere Sprachen sind möglich

„Das Projekt hat uns sofort angesprochen“, sagt die Pflegedienstleiterin des Marienstifts, Melina Röhr. Sie selbst kommt aus Italien und habe oft erfahren können, was die Muttersprache bewegen kann. „Es kann zu regelrechten Erweckungserlebnissen kommen“, so Röhr. Bisher würde sich das Projekt sehr gut entwickeln.

Seit rund zwei Monaten kommen zwei Studenten in das Pflegeheim auf der Humboldtstraße. Dort besuchen sie russisch- und polnischsprachige Bewohnerinnen und Bewohner. Die Studentin Yvonne Behrens trifft hier zwei ältere Männer, die polnisch sprechen. „Dieses Projekt bringt sehr viel. Man entwickelt ein größeres Verständnis für Alter und Krankheit“, sagt Yvonne Behrens. Zu den Bewohnern habe sie ein Vertrauensverhältnis entwickelt und möchte sie auch nach dem Projekt weiter besuchen kommen.

Weitere Projekte könnten folgen

Nach rund einem halben Jahr, in der Endphase des Projektes, sollen die gesammelten Erkenntnisse wissenschaftlich ausgewertet werden. „Wir hoffen, dass auf dieses Pilotprojekt weitere folgen werden“, so Projektleiterin Karl. Für die Zukunft erwägt sie außerdem auch weitere Sprachen einzubeziehen. Blickt man auf die Bevölkerungsstatistik, so kann man davon ausgehen, dass es auch dahingehend einen Bedarf geben muss.

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