Ruhrgebiet-Kampagne

Stadt der Städte: Neuer Ruhrgebiets-Slogan ist so neu nicht

Stolz sind Roland Mitschke (r., Vorsitzender des RVR-Wirtschaftsausschusses, RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel und Rasmus Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsmetropole Ruhr, auf die neue Kampagne.

Stolz sind Roland Mitschke (r., Vorsitzender des RVR-Wirtschaftsausschusses, RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel und Rasmus Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsmetropole Ruhr, auf die neue Kampagne.

Foto: Roland Weihrauch/dpa

Bochum.  Die neue Kampagne für das Ruhrgebiet wird getragen vom Slogan „Stadt der Städte“. Und der hat einen kleinen Haken: Er ist nicht ganz neu.

Mit der neuen, 10 Millionen Euro schweren Image-Kampagne „Stadt der Städte,“ scheint der Regionalverband Ruhr (RVR) auf dem richtigen Weg zu sein. Auch aus Bochum kommen positive Reaktionen dazu, so von den hier ansässigen Arbeitgeberverbänden Ruhr/Westfalen, von der städtischen Wirtschaftsentwicklung und auch vom Vorsitzenden des RVR-Wirtschaftsausschusses, dem Bochumer Roland Mitschke (CDU).

Die Kampagne hat indes auch einen Haken. Ihr zentraler Slogan „Stadt der Städte“ war bereits in den 1990er Jahren Teil einer WAZ-Zeitschriftenkampagne („die Stadt der Städte“), die Urheberschaft dafür nimmt die ehrenamtliche und bürgerliche Initiative Ruhrstadt für sich in Anspruch. Ein alter Hut also.

„Öffentliche Gelder aus dem Fenster geschmissen“

„Wir hätten den Slogan dem Regionalverband gerne kostenlos zur Nutzung zur Verfügung gestellt“, sagt Martin Poettgen, Bochumer und Mitinitiator der Initiative Ruhrstadt. „Aber wir werden nicht gefragt, nicht gehört, nur die Ideen werden gerne übernommen.“

Seit Jahren werde die Initiative von öffentlichen Institutionen belächelt, Angebote für eine Zusammenarbeit im Vorfeld der Kulturhauptstadt 2010 seien nicht einmal beantwortet worden. „Und dann werden öffentliche Gelder aus dem Fenster herausgeschmissen. Das ist peinlich.“

Den Vorwurf, abgekupfert zu haben, weist Thomas Siepmann von der Essener Agentur TAS, zurück. „Ich habe ein reines Gewissen.“ Ein Kreativer aus der Agentur habe den Slogan erdacht, beim Abgleich im Online-Kampagnenfinder sei er nicht aufgetaucht. Erst viel später habe er, Siepmann, entdeckt, dass der Slogan bereits einmal verwendet wurde. „Hätten wir das gewusst, hätten wir ihn nicht präsentiert.“

Slogan und Kampagne sind nicht in Frage gestellt

Aus Sicht von Roland Mitschke, der als Jury-Mitglied mit über die Vergabe der Kampagne an eine Hamburger und die Essener Agentur TAS entschieden hat, ist die Gleichheit indes kein Grund zur Aufregung. „Ich kann meinen alten Freunden von der Initiative Ruhrstadt nur empfehlen, sie sollten sich freuen, dass das, was sie sich vor 20 Jahren ausgedacht haben, jetzt aufgegriffen wurde.“

Die rechtliche Seite könne er nicht beurteilen. Aber: „Das stellt den Slogan und die gesamte Kampagne nicht in Frage.“ Ohnehin sei der Slogan „Stadt der Städte“ nur Teil der gesamten Kampagne.

Ähnlich sieht es Ralf Meyer, Geschäftsführer der Bochum Wirtschaftsentwicklung und Mitglied der Lenkungsgruppe für die Kampagne. Kritische Reaktionen hätten zudem den Vorteil, dass über die Kampagne länger diskutiert werde und sie im Gespräche bleibe. Ihre Stärke sei u.a., dass lokale und regionale Interessen verzahnt würden.

So werde Bochum z.B. mit seinem Alleinstellungsmerkmal IT-Sicherheit werben, jede Stadt könne ihre Stärken herausstreichen. Am Ende würden von der gemeinsamen Strategie die 52 Kommunen und die Region gleichermaßen profitieren.

Positives Signal aus der Wirtschaft

Aus den Reihen der Unternehmen werden derweil ebenfalls positive Signale gesendet. Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen mit Sitz in Bochum, begrüßt die neue Kampagne: „Der neue Name wird der Region gerecht – denn Auswärtige merken tatsächlich nicht, wie die einzelnen Städte miteinander verschmelzen.“

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