Aktion für die Natur

Schüler rupfen Springkraut zum Schutz der Artenvielfalt

Tim Bracke und Nico Heiduck, Schüler der Carolinenschule, beteiligten sich an der Aktion, indisches Springkraut herauszureißen.

Tim Bracke und Nico Heiduck, Schüler der Carolinenschule, beteiligten sich an der Aktion, indisches Springkraut herauszureißen.

Foto: Joachim Hänisch

Bochum.   Der Arbeitskreis Umweltschutz zieht zum Erhalt der heimischen Pflanzenwelt mit Jugendlichen ins Lottental. Dabei geht es auch um Insekten.

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In vollem Saft stehen die Pflanzen im Lottental. Sogar Seerosen blühen auf einem Teich unterhalb des Botanischen Gartens. „Ich habe einen Schmetterling gefunden“, ruft Tim, der gerade eine Pflanze herausrupft, die dieser Harmonie schaden kann. Darüber sind sich viele Naturschützer einig. Ingo Franke vom Arbeitskreis Umweltschutz machte sich mit 40 Siebtklässlern der Carolinenschule auf den Weg, um zu retten, was zu retten ist.

Gebietsfremde Pflanzen

Das einjährige Drüsige oder auch Indische Springkraut gehört zu den so genannten gebietsfremden Pflanzen (invasive Neophyten). Es wurde vor etwa 150 Jahren aus der Himalaya-Region in die europäische Natur eingeschleppt. „Wir machen diese Aktionen seit circa 2002 und das Springkraut verschwindet so langsam, muss aber kontrolliert und vereinzelt noch entfernt werden“, so Franke.

Neophyten wie das Springkraut, die Herkulesstauden oder auch die oft auf Waldlichtungen imponierenden violetten Lupinen verdrängen heimische Arten. Das ist nicht nur ein Problem der Pflanzen. „Das Interessante ist, dass das Springkraut zwar Nektar für Insekten liefert, aber nicht für deren Larven und Raupen. Sie ernähren sich an heimischen Pflanzen und teilweise sogar nur an einer Art“, informiert der Umweltschützer. So fräßen beispielsweise die Raupen der Schmetterlinge Admiral und Tagpfauenauge hier ausschließlich an einer Brennnessel.

Die Artenvielfalt der Insekten und damit auch der Schmetterlinge in Deutschland ist hochgradig bedroht. Eine niederschmetternde Studie auf Grundlage jahrzehntelanger Beobachtung von Insektensammlern des Entomologischen Vereins Krefeld hat das vor einiger Zeit deutlich gezeigt. Vor wenigen Tagen hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit das „Aktionsprogramm für Insektenschutz“ verabschiedet.

Die Insekten sind als Bestäuber auch unserer Nutzpflanzen unverzichtbar. Sicher ist so ein Springkraut ist nur ein Teil dieses riesigen ökologischen Problems. Dennoch setzt der Einsatz von Ingo Franke des Arbeitskreises Umweltschutz und den Schülern der Carolinenschule da an, wo es am meisten nottut: in der Praxis.

Aktivität an der Luft

Während manche jugendlichen Teilnehmer der Aktion nichts abgewinnen können und fast unbewegt auf ihr Smartphone starren, schlagen sich andere beherzt in die Büsche. „Umweltschutz ist schon ein Thema für mich, auch wenn ich nicht total darauf fokussiert bin“, sagt Nico (12). Eine Aktivität an der Luft im Wald – das gefällt auch Tim.

In seinen Augen ist das Hauptproblem der Umwelt allerdings nicht das Springkraut, sondern „vor allem Plastikmüll“, sagt der Zwölfjährige. Dann erwähnt er auch noch die vielen Abgase der Industrienationen. Umso klarer wird an dieser Stelle, dass bei konkreten Aktionen – wie hier im Lottental – der Umweltschutz bereits beginnen kann.

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