Tarifstreit

Schauspielhaus Bochum wird zur Kasse gebeten

Das Schauspielhaus macht Ferien, der Finanzdruck bleibt.

Das Schauspielhaus macht Ferien, der Finanzdruck bleibt.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Im Streit um die Nachzahlung von Sonderzuschlägen obsiegen die Mitarbeiter in drei Instanzen vor Gericht. Es geht um fast 700 000 Euro.

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Auf das Schauspielhaus kommen erhebliche Mehrkosten zu: Gestern entschied das Bundesarbeitsgericht Erfurt, dass das Theater seinen Mitarbeitern zu Unrecht zurück gehaltene Zulagen seit 2015 nachzahlen muss. Wie hoch die Summe ist, wird jetzt berechnet. Sie könnte sich auf bis zu 700 000 Euro belaufen.

Urteil fiel in letzter Instanz

Das Urteil, das in letzter Instanz gesprochen wurde, ist ein Erfolg für die Mitarbeiter, die die Anpassung der sogenannten „örtlichen Theaterbetriebszulage“ an die allgemeinen Tarifsteigerungen eingefordert hatten. Das Theater hatte sie seit 2005 nicht ausgezahlt: ein Versäumnis, wie sich jetzt zeigt. Besagter Ortszuschlag war bereits 1941 vereinbart worden, um „Dienste zu ungünstigen Zeiten“ abzugelten.

Ein Entgelt für Abend-, Wochenend- und Feiertagsarbeit gibt es auch heute noch, solche Sonderzuschläge sind inzwischen Teil des Tarifvertrags Öffentlicher Dienst. Der war 2005 bundesweit für alle Bühnenbetriebe neu verhandelt worden, dabei war vor Ort vergessen worden, die Bochumer Besonderheit einzurechnen. Denn tatsächlich ist die aus der 1941er Sondervereinbarung begründete „Dynamisierung“ der Zuschläge höher als der effektive Erlös aus dem aktuellen TVÖD. Zwei Mitarbeiter klagten dagegen.

Über 7000 Euro brutto pro Mitarbeiter

Nach Schätzungen der Gewerkschaft belaufen sich die Nachzahlungen auf über 7000 Euro brutto pro betroffenen Mitarbeiter. Diese kommen nicht aus dem künstlerischen, sondern vor allem aus dem handwerklichen Bereich des Theaters. Verdi spricht von „unter 100 Mitarbeitern“, die Stadt will zur gesamten Causa gar nichts sagen – vorerst. „Wir warten die Zustellung des Urteils ab und werden dann alles Erforderliche in die Wege leiten“, so Stadtsprecher Peter van Dyk.

Für den Fall der Fälle hatte das Schauspielhaus zuletzt bereits 685 000 Euro zurückgestellt. Eine erhebliche Summe, die auf die angestrebte Etatsanierung durchschlägt. Dabei hat die kaufmännische Leitung noch „Glück“ gehabt, denn die Beträge 2005 bis 2014 sind wegen Verjährung bereits verfallen. Die Nachzahlung wäre sonst noch um ein Vielfaches höher.

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