Sanierung

Sanierung der Schulen in Bochum ist eine Ewigkeitsaufgabe

Schulleiter Marcel Schnürer (r.) von der Liselotte-Rauner-Schule, zeigt Schuldezernent Dietmar Dieckmann einen Werkraum seiner Schule.

Schulleiter Marcel Schnürer (r.) von der Liselotte-Rauner-Schule, zeigt Schuldezernent Dietmar Dieckmann einen Werkraum seiner Schule.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Der Sanierungsstau an Bochumer Schulen ist heftig. Dabei investiert die Stadt Millionen von Euro. Der Schuldezernent will das Dilemma erklären.

Die Begrüßungsmusik an der Heinrich-Böll-Gesamtschule kommt von den Bohrhämmern. Arbeiter arbeiten mit ihnen im Ostflügel. Die Schule wird saniert. Komplett. Im laufenden Betrieb. „Das ist eine Operation am offenen Herzen“, sagt Siegurd Beaupain, der stellvertretende Schulleiter, und dass er sich bisweilen eher als Bauleiter denn als Schulleiter fühlt.

Bei den Zentralen Diensten haben sie nur Lob für ihn. Er habe immer alles möglich gemacht, wenn es galt, Räume frei zu ziehen, damit Arbeiten fortgeführt werden konnten. „Daran sieht man“, sagt Schuldezernent Dietmar Dieckmann, „wie wichtig es ist, dass Schulen, Zentrale Dienste und Schulverwaltung zusammenarbeiten.“ Schulsanierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Um die damit verbundenen Schwierigkeiten zu verdeutlichen, hat Dieckmann die WAZ zu einer Rundfahrt zu drei Bochumer Schulen eingeladen.

Stadt betreut 100 Schulgebäude

„Zu einer, die nahezu komplett saniert ist“, sagt Christiane Frisch von der Schulverwaltung. „Zu einer, an der schon einiges passiert ist, gerade aber noch intensiv gearbeitet wird. Und zu einer, bei der es gerade erst die Idee zu einer Sanierung gibt.“ Start ist also an der Liselotte-Rauner-Schule in Wattenscheid, dann geht es zur Heinrich-Böll-Gesamtschule in Riemke, schließlich zur Paul-Dohrmann-Förderschule in Hofstede.

Bei der Rundfahrt wird klar: Schulsanierung ist auch eine Ewigkeitsaufgabe. Ein Dauerthema bei Schülern, Eltern, Lehrern, Verwaltung und Politik ist es ohnehin. Um mehr als 100 Schulgebäude muss sich die Stadt kümmern. Sind wir an der einen Stelle fertig, fangen wir an einer anderen Stelle wieder an, heißt es dann dazu. Die Sanierungsliste für die Schulen sei lang, werde zudem schnell „inaktuell“ und jede Schule der Stadt tauche da irgendwie auf.

125 Millionen Euro kommen aus Förderprogrammen

Die Stadt hat in den vergangenen acht Jahren 265 Millionen Euro für die Sanierung von Schulen ausgegeben, heißt es aber auch aus dem Rathaus. Dazu kommen 125 Millionen aus diversen Förderprogrammen. Zehn Millionen Euro steuere die Stadt außerdem jedes Jahr für den Brandschutz an Schulen aus. Das ist viel Geld. Dennoch kann die Stadt den Sanierungsstau an Schulen nicht auflösen. Zumal es gerade richtig schwierig ist, Baufirmen zu bekommen. „Der Markt ist überhitzt“, sagt Dieckmann.

An der Liselotte-Rauner-Schule ist vieles geschafft. „Die Schule ist zu 98 Prozent fertig“, sagt Dieckmann. „Sie ist sogar zu 99 Prozent fertig“, sagt Schulleiter Marcel Schnürer lächelnd bei der Begrüßung. Die beiden einigen sich dann auf „ganz vieles ist fertig“. 13 Millionen Euro wurden vor zehn Jahren in die Sanierung des Altbaus und einen Neubau investiert. Die Schule hat neue Naturwissenschaftliche Räume bekommen. „In dieser Atmosphäre lässt sich gut arbeiten“, sagt Schnürer. Er nutzt die Gelegenheit und wirbt für die Schulform Hauptschule.

„In dieser Atmosphäre müssen wir arbeiten“, sagt dann später Martin Breuer, Leiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule. Baustellengeräusche begleiten den Schulalltag seit 2014 und wohl noch bis mindestens Mitte 2020. „Wenn man sieht, was es wird, ist es toll“, sagt Breuer. So haben sie es auch den Eltern der Schüler der neuen fünften Klassen jüngst bei der Anmeldung verkauft. „Wir haben es gedreht“, sagt Martin Breuer. „Wir haben gesagt, die Schule wird fertig für ihr Kind.“ Die Anmeldezahlen stimmen.

Schulgebäude unter Denkmalschutz

Von fertig sind sie an der Paul-Dohrmann-Schule von allen Bochumer Schulen wohl am weitesten entfernt. Sie ist in einem ehemaligen Volksschulgebäude an der Hiltroper Straße untergebracht. Das Gebäude ist von 1916, steht unter Denkmalschutz. Es hat Märchenfiguren auf dem Dach, einen Turm mit Uhr, Holzfenster, eine richtig alte Turnhalle, ein nicht mehr nutzbares Lehrschwimmbecken. „Hier läuft gerade erst alles an“, sagt Frisch. „Das geht los mit Gutachtern, mit Gesprächen zwischen Zentralen Diensten und der Schule.“ Da ist noch lange nicht klar, wie viele Millionen Euro die Sanierung kosten wird, wann sie beginnt, geschweige denn, wann sie abgeschlossen ist. Möglich, dass Dieckmann dann bereits im Ruhestand ist. Schuldezernenten kommen und gehen. Die Sanierungsbedarfe an Schulen werden bleiben.

>>> Woher das Spanische Haus seinen Namen hat

Auch an der Heinrich-Böll-Gesamtschule gibt es einen Schulerweiterungsbau. Der hat nun einen Namen: Spanisches Haus. Siegurd Beaupain, der stellvertretende Schulleiter, hatte die Idee.

Hintergrund ist, dass die Gebäude von einer spanischen Firma gebaut wurden. Während des Baus ging die Firma pleite.

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