Initiative Botopia

„Raum 9“ – ein neuer Ort für Bochumer „Stadtverbesserer“

Alexandra Jaik von der Initiative Botopia im Gespräch mit Gästen bei der Eröffnung des Ladenlokals „Raum 9“.

Alexandra Jaik von der Initiative Botopia im Gespräch mit Gästen bei der Eröffnung des Ladenlokals „Raum 9“.

Foto: Stefan Arend

Mitte.   Initiative Botopia hat an der Griesenbruchstraße ihr Ladenlokal „Raum 9“ eröffnet. Ein Treffpunkt mit Lesecafé, Nähwerkstatt und Leihladen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Noch schmiert sie eifrig Brötchen. Belegt mit Käsescheiben und Hofgemüse. Alexandra Jaik erwartet die ersten Gäste, die gleich zur Eröffnung des Ladenlokals der Initiative Botopia kommen werden. Es heißt „Raum 9“ und befindet sich an der Griesenbruchstraße 9, zwischen der Kneipe Kartenhaus und dem Penny-Markt.

Alexandra Jaik, Gründungsmitglied der 2016 gegründeten Initiative Botopia, hat mit ihrem Verein ein günstiges Quartier gefunden, denn Geld wird Botopia nicht verdienen. „Der Vermieter ist uns sehr entgegen gekommen“, sagt die 29-Jährige. Das Geld für die Miete ist zum Teil durch Crowd-Funding zusammengekommen.

Angebote vom Leihladen bis zum Lesecafé

Der „Raum 9“ ist in etwa mit dem „Wohnzimmer“ auf der Alsenstraße vergleichbar, ein offener Ort für alle. An der Fensterscheibe hängt ein Plakat, auf dem das Selbstverständnis des Hauses geschrieben steht: „Hier entsteht ein Raum für . . . Deine Idee – Dein Ding – Was Du willst – Dein Quartier.“

Dieser Raum beherbergt ein Lesecafé, eine Nähwerkstatt und einen Leihladen. Ausgeliehen und verliehen werden Dinge, die man braucht, aber eben nicht ständig benötigt, darunter Camping- und Küchen-Utensilien. An einem Schrank hängt ein Wunschzettel. Leute suchen eine Lichtorgel, eine Flex, einen Dremel.

Vielleicht noch wichtiger aber ist: Botopia will mit dem „Raum 9“ einen Ort des Dialogs schaffen, eine Plattform für Austausch und Engagement. „Wir haben gemerkt, dass es in Bochum einen Mangel an öffentlichem Raum für soziale, ökologische, politische und kulturelle Projekte und Initiativen gibt“, so Alexandra Jaik.

Alternative Infrastruktur wächst

Jetzt legt DJ Indiana George Platten auf, Schallplatten aus Vinyl. Es knistert. Buddy Holly singt „Everyday“, ein Tränendrücker, der auch nach über 60 Jahren noch unter die Haut geht. Immer mehr Besucher kommen, um die neuen Nachbarn zu begrüßen, einige bringen Verpflegung mit: Salate, Dips, Kuchen, Muffins. Viele kennen sich. Draußen sind Tische und Bänke aufgestellt, die Sonne scheint, es ist ein schöner Tag.

Und es ist nicht zu übersehen: Der Griesenbruch wächst, bekommt eine alternative Infrastruktur. Ein paar Meter weiter, die Rottstraße rauf, finden sich das Atelier Automatiques und das Bistro Neuland, dann die umtriebige Theatertruppe von der Rottstraße 5, am Springerplatz das Café Treibsand – und für den Gaumen die Osteria al Vecchio Torchio.

In Botopia wirken rund 15 Leute mit, allesamt entgeltlos engagiert für einen „Beitrag zu einer lebenswerteren Stadt“, wie es auf der Internetseite des noch nicht gemeinnützigen Vereins steht. Das klingt nach Weltverbesserern, ein Begriff, der komischerweise zumeist abfällig verwendet wird. Und ja, Botopia versteht sich als Utopie für Bochum: „Wir sind Stadtverbesserer“, konkretisiert Jaik lächelnd. Hatten wir noch nicht. Nehmen wir.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben