Protest

Protestler kündigen zivilen Ungehorsam in Bochum an

Gegen die Ansiedlung der Firma Ecosoil protestieren die Initiative „Gegen den Mülltourismus“ und der Verein „Wir sind Merklinde“ auf der Kirchharpener Straße.

Gegen die Ansiedlung der Firma Ecosoil protestieren die Initiative „Gegen den Mülltourismus“ und der Verein „Wir sind Merklinde“ auf der Kirchharpener Straße.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum-Gerthe.  Drei Bürgerinitiativen protestieren gegen die Ansiedlung der Firma Ecosoil im Bochumer Norden. Demonstriert wird auch gegen „Gerthe-West“.

Zwei Bürgerinitiativen, ein Bürgerverein, mit verschiedenen Interessen – doch sie alle eint eine Forderung: Der Stadtteil im Bochumer Norden darf nicht noch weiter belastet werden. Und so kommen am Freitag zwei Protestzüge am Gerther Marktplatz zusammen. Die Initiative „Gegen den Mülltourismus im Bochumer Norden“ und der Bürgerverein „Wir sind Merklinde“ starten den Sternmarsch am Friedhof. Sie wehren sich gegen die Ansiedlung der Firma Ecosoil. Die Initiative „Gerthe-West – so nicht!“ zieht ab Castroper Hellweg gegen das geplante Neubaugebiet „Gerthe-West“ zu Felde.

Unfairer Umgang mit dem Bochumer Norden

„Mit dem Bochumer Norden gehen Politik und Verwaltung nicht fair um“, findet Gerhard Henke von „Gerthe-West – so nicht!“. Die Wohnbebauung mit dem Zuzug vieler Menschen beeinträchtige die Bürger ebenso wie eine Firma, bei der 300 Lkw-Fahrten pro Tag zu erwarten seien. „Deshalb wehren wir uns gemeinsam mit den anderen Protestlern gegen die Pläne.“ Man zeige sich solidarisch, weil die erhöhte Verkehrsbelastung auf der Kirchharpener Straße alle anginge.

Sabine Schöning von der Initiative ergänzt: „Wenn man sich umguckt: Die Entscheidungen für den Bochumer Norden sind schrecklich.“ Es werde nichts in die Gerther Innenstadt investiert, nichts in die Sanierung des Marktplatzes, nichts in die Verödung der Fußgängerzone. „Wir erwarten mehr Engagement für den Bochumer Norden.“

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Helgard Althoff von der Initiative „Gegen den Mülltourismus“ sagt: „Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe, indem wir für einen besseren Stadtteil protestieren.“ Das Gelände, wo sich Ecosoil ansiedeln will, liege im regionalen Grünzug, eingebettet in Wohnbebauung, und grenze an zwei Landschaftsschutzgebiete. „Wir sind gar nicht gegen das Unternehmen – doch es gibt sicher bessere Standorte.“

Althoff sieht große Chancen, dass sich die Protestler durchsetzen könnten: Die Politik in Merklinde und in Castrop-Rauxel sei dagegen, SPD und Grüne im Bezirk Nord ebenso. Für den Standort Gerther Straße böten sich andere Betriebe an, die weniger Dreck und Verkehr verursachten.

Die Gertherin Christiane Winkelmann hat sich dem Protestzug angeschlossen, weil sie findet: „Gerthe ist nur noch ein Schrottplatz“, und damit zielt sie nicht nur ab auf die am Mittwoch ausgebrannte Pkw-Aufbereitung.

Mit 300 Lkw pro Tag wäre Merklinde nicht mehr lebenswert

Der Bürgerverein „Wir sind Merklinde“ hatte sich gegründet, weil in seinem Stadtteil die Infrastruktur weggebrochen war. Willi Müller: „Es fehlten Geschäfte, Schulen, Merklinde rangierte sozial weit unten.“ Dann wurde ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) beschlossen, um den Stadtteil zu verbessern. „Das aber würde die Ansiedlung dieser Firma direkt an der Stadtgrenze wieder zunichtemachen. Mit täglich 300 Lkw-Touren wäre Merklinde nicht mehr lebenswert. „Wir müssen uns gegenseitig unterstützen“, sagt Müller und meint die übrigen Demonstranten.

Er meint, der Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) sollte gemeinsam mit Ecosoil, die aus Riemke umsiedeln will, ein anderes Grundstück suchen, an der Bochumer Eisenhütte sehe er ein geeignetes. Er weiß auch zu berichten, dass der Castroper Bürgermeister der Firma bereits ein Grundstück in Privatbesitz angeboten habe. „Da müsste sich Ecosoil mal bewegen.“ Müller und seine Merklinder Mitstreiter geben sich kämpferisch. „Wir werden keine Ruhe geben, es gibt ja noch den bürgerlichen Ungehorsam, der Klageweg ist auch noch offen.“

Etwa die Hälfte der erwarteten Teilnehmer

Rolf Schallert ist direkt Betroffener. Er wohnt im Nachbarort an der Gerther Straße, wo sich Ecosoil auf dem ehemaligen Gelände der Firma Phillipine niederlassen will. „Da fahren schon die Remondis-Wagen vorbei. Wenn dann noch diese Laster dazukommen – nicht auszuhalten.“

Die erwarteten 300 Teilnehmer sind nicht gekommen, wohl aber die Hälfte, so schätzt die Polizei. Und als nachmittags die Protestzüge auf dem Marktplatz zusammenkommen, tönt es weithin: „Wir sind laut, damit ihr hört, wie der Lärm das Leben stört.“

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