Hellen-Veranstaltung

Proteste in Bochumer Gemeinde: Kardinal muss ausweichen

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (hier ein Archivbild) ist am Mittwoch zu Gast in Bochum. Die Veranstaltung muss allerdings von der St.-Elisabeth-Kirche in die Alte Lohnhalle Wattenscheid verlegt werden.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (hier ein Archivbild) ist am Mittwoch zu Gast in Bochum. Die Veranstaltung muss allerdings von der St.-Elisabeth-Kirche in die Alte Lohnhalle Wattenscheid verlegt werden.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Bochum.  Nach Protesten in einer katholischen Gemeinde in Bochum wird ein Gesprächsabend mit Kardinal Müller verlegt. Auch Fürstin Gloria ist zu Gast.

Erneut gibt es Ärger um eine Veranstaltung von Sascha Hellen. Ein Diskussionsabend mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Gloria von Thurn und Taxis muss in dieser Woche von der St.-Elisabeth-Kirche in Gerthe in die Alte Lohnhalle in Wattenscheid verlegt werden. Grund: In der katholischen Kirchengemeinde waren Proteste laut geworden.

„Fragen zur Weltkirche und den gegenwärtigen Herausforderungen“ will der Bochumer Promi-Vermittler Hellen im Rahmen seiner Reihe „Herausforderung Zukunft“ beleuchten. Dafür wollte er am Mittwoch (6.) die St.-Elisabeth-Kirche an der Hiltroper Landwehr nutzen. Eine Zusage des Pastors habe vorgelegen, versichert Hellen. Tatsächlich kündigte die Pfarrgemeinde die Veranstaltung offiziell an. Karten zum Preis von 15 Euro seien an den Abendkasse und online erhältlich, heißt es in einer Pressemitteilung vom 15. Oktober.

Kardinal war oberster Sittenwächter der Kirche

Nach WAZ-Informationen übten der Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat in Gerthe massive Kritik an der Bereitstellung der Kirche. Strikt abgelehnt wird der „unangemessene“ Eintritt, der in einem Gotteshaus allenfalls bei musikalischen Darbietungen verlangt werden dürfe.

Ziel der Kritik ist aber wohl auch Kurienkardinal Müller. Der ehemalige Bischof von Regensburg war bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche: eine Zentralbehörde, die die Einhaltung der Glaubens- und Sittenlehre überwacht. Nach fünf Jahren an der Spitze verlängerte Papst Franziskus Müllers Amtszeit nicht. Der 71-Jährige gilt als Hardliner und ist gerade in reformoffenen Kirchenkreisen umstritten. So wendet sich Müller kategorisch gegen alle Bestrebungen, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen. In einem Spiegel-Interview sagte er zudem: „Kein Mensch wird gottgewollt als Homosexueller geboren.“

Katholikenrat begrüßt Absage

„Die konservativen Äußerungen des Kardinals entsprechen ganz sicher nicht der Denke der Mehrheit unseres Gremiums“, sagt Lothar Gräfingholt, Vorsitzender des Bochumer Katholikenrates. Auch mit Blick auf die jüngste Initiative von katholischen Frauen, die Zugang zu allen kirchlichen Ämtern fordern („Maria 2.0“), habe der Katholikenrat anfangs überlegt, eine Mahnwache vor der St.-Elisabeth-Kirche zu unterstützen. Die sei hinfällig geworden, nachdem die Gerther Kirchengemeinde die Zusage zurückgezogen habe. „Wir begrüßen diese Absage“, so Gräfingholt auf WAZ-Anfrage. Dabei, betont er, sei es nicht um die Person von Sascha Hellen gegangen, der kürzlich wegen Betruges verurteilt worden war.

In der St.-Elisabeth-Gemeinde, in der Kardinal Müller am Sonntag noch ein Hochamt hielt, bleiben die Tore am Mittwoch für Hellen uns seine Gäste verschlossen. Geöffnet werden sie in der Alten Lohnhalle an der Lyrenstraße in Wattenscheid, in die Hellen kurzfristig ausweicht. Um 19 Uhr beginnt der Gesprächsabend mit dem Kardinal sowie Gloria von Thurn und Taxis (59): auch sie eine schillernde und nicht unumstrittene Figur der Zeitgeschichte. Unvergessen ihr Urteil über Afrikaner: „Da sterben die Leute an Aids, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“

Tickets gibt es unter der Hotline 0651/97 90 777. Die Karten für die St.-Elisabeth-Kirche behalten ihre Gültigkeit, teilt das Büro Hellen mit.

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