Ehemaliges Opel-Werk

Onlinehändler Babymarkt.de zieht ins Bochumer Opel-Werk

Die ehemalige Opel-Verwaltung in Bochum-Laer, das O-Werk, wird zur Zeit saniert. 2020 werden dort die Ruhr-Universität und die Zentrale des Online-Händlers Babymarkt.de als Hauptmieter einziehen.

Die ehemalige Opel-Verwaltung in Bochum-Laer, das O-Werk, wird zur Zeit saniert. 2020 werden dort die Ruhr-Universität und die Zentrale des Online-Händlers Babymarkt.de als Hauptmieter einziehen.

Foto: André Hirtz

Bochum.   Der Online-Shop Babymarkt.de zieht mit zunächst 270 Mitarbeitern in das Bochumer O-Werk. Das soll nun sogar durch zwei Gebäude erweitert werden.

Nach der Ruhr-Universität steht nun auch der zweite große Mieter im früheren Opel-Verwaltungsgebäude in Bochum-Laer, dem O-Werk, fest. Die Babymarkt.de GmbH, nach eigenen Aussagen Europas größter Online-Shop im Bereich Baby- und Kinderausstattung, wird Mitte 2020 zunächst mit 270 seiner 500 Mitarbeiter von Dortmund nach Bochum umziehen. Damit ist das denkmalgeschützte Gebäude, das als Zeitzeuge für den Wandel von der Industrie- zur Wissensregion steht, vollvermietet.

Landmarken reserviert sich weitere Flächen

Derzeit lässt der Eigentümer Landmarken AG aus Aachen das Gebäude umfassend sanieren. Dazu müssen erst einmal sämtliche Etagen entkernt und von Asbest befreit werden. 7000 Quadratmeter Büroflächen auf den oberen drei Etagen mietet die Tengelmann-Tochter in dem denkmalgeschützten Gebäude, das die Landmarken AG im vergangenen Jahr von der Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive übernommen hat. Die Ruhr-Uni hat 5500 Quadratmeter gemietet.

Weil das Interesse an dem Innovation Campus, zu dem Landmarken das alte Verwaltungsgebäude umbauen will, besonders groß ist, soll das Konzept nun sogar ausgeweitet werden. „Wir hatten so viele Mietinteressenten, dass wir bereits weitere Grundstücke reserviert haben“, sagt Nadine Krotscheck, Projektleiterin der Landmarken AG. Ihr Unternehmen habe sich bereits Flächen in dem Industrie- und Gewerbegebiet Mark 51/7 mit einer Gesamtgröße von etwa 20.000 Quadratmetern unmittelbar nördlich und westlich des denkmalgeschützten O-Werks gesichert.

Zwei weitere Gebäude sind geplant

Denkbar seien dort zukunftsorientierte Büroneubauten mit Mietflächen ab 1000 Quadratmeter aufwärts, die als O-Werk II und III entwickelt und nach Mieterwünschen gestaltet werden können. Insgesamt könnten so bis zu 40.000 Quadratmeter Mietfläche für die Wirtschaft der Region entstehen. Konkrete Studien zur Bebauung dieser Erweiterungsflächen habe Landmarken bereits in Auftrag gegeben. Eine Fertigstellung könne ab 2020 möglich sein. Die ehemalige Opel-Verwaltung wird somit zum O-Werk I.

„Unser neues Zuhause sollte zu uns als Unternehmen passen. Kein seelenloser, austauschbarer Neubau an x-beliebiger Stelle“, sagt Bastian Siebers, Vorsitzender der Babymarkt-Geschäftsführung, zur Standortentscheidung. „Wir haben ein Gebäude gesucht, das Geschichte und digitale Innovation miteinander vereint. Ein Gebäude, welches unsere regionalen Wurzeln und Weltoffenheit zusammenbringt. Mit diesem Schritt eröffnen wir das nächste Kapitel für das O-Werk, für unser Unternehmen und vielleicht sogar für die Metropole Ruhr.“

Logistik bleibt vorerst in Dortmund

Auch die Nähe zum aktuellem Standort in Dortmund, der angesichts des rasanten Wachstums zu klein geworden sei, habe eine Rolle gespielt. Siebers: „Wir bleiben unserer Heimat, dem Ruhrgebiet, treu.“

In Dortmund ist das Unternehmen momentan an zwei Standorten vertreten, die 1,5 Kilometer auseinander liegen. Damit soll bald Schluss sein. Ein Ziel des Umzugs war es, alle Beschäftigten unter einem Dach zu vereinen. Von den 500 Mitarbeitern in Dortmund werden zunächst 270 nach Bochum umziehen. Die Logistik bleibt vorerst am bisherigen Standort. Aber auch dieser Bereich sei derzeit Gegenstand von Überlegungen, heißt es.

Eigentümer freut sich über neuen Mieter

„Mit seiner Agilität und der Fähigkeit zur ständigen Weiterentwicklung passt Babymarkt.de hervorragend in das Konzept unseres Innovation Campus“, sagt Norbert Hermanns, Landmarken-Vorstand und Eigentümer des O-Werks.. Das Unternehmen gehöre zu den innovativsten Wachstumsfirmen Europas und agiere dabei verantwortungsbewusst und nachhaltig.

Ein Jahre lang hatte sich das Unternehmen mit der Standortfrage beschäftigt. „Und am Ende standen zwei Orte zur Auswahl“, so Babymarkt-Geschäftsführer Bastian Salewsky – ein Neubau am Phönixsee in Dortmund und das O-Werk in Bochum. Schließlich habe das spannende Gebäude des früheren Autobauers die Nase vorn gehabt. Fünf Meter hohe Räume, offene Stahlträger und das besondere Flair hätten am Ende des Ausschlag gegeben. „Wir hatten eine Gänsehaut, als wir am Dienstag im Gebäude waren und uns dort über den Fortgang der Arbeiten informiert haben“, so Salewsky.

Loftartige Büroräume sollen geschaffen werden

Die neue-Zentrale werde mit einem Openspace-Konzept entwickelt und soll kreatives Arbeiten im Team ebenso ermöglichen wie Rückzugsräume zur Konzentration schaffen. Großzügig geschnittene, loftartige Büroräume mit Industriecharme sollen einen kontinuierlichen Austausch und kurze Entscheidungswege ermöglichen.

Auch andere Unternehmen in der Region haben sich mittlerweile so ähnlich aufgestellt – so etwa das Wohnungsunternehmen Vonovia in seiner neuen Zentrale an der Universitätsstraße.

500 Millionen Euro Umsatz werden angestrebt

Der Babymarkt wurde 1989 in Dortmund gegründet und hat im vergangenen Jahr mit seinen sechs Filialen und online einen Umsatz von 134,3 Millionen Euro erzielt. Weitere Wachstumschancen sieht das Handelshaus vor allem im Internet. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir unseren Umsatz auf 500 Millionen Euro steigern“, sagt Vorstandsmitglied Salewsky. In vielen Ländern Europas sei der Babymarkt schon vertreten, in einigen davon – so in Frankreich – spiele er bereits eine ebenso wichtige Rolle wie auf dem deutschen Markt.

Durchschnittlich 5000 Pakete werden täglich an die Kunden verschickt. 100.000 unterschiedliche Artikel werden insgesamt angeboten. 2012 hat die Tengelmann-Gruppe 90 Prozent des Unternehmens übernommen, die restlichen zehn Prozent gehören zur ProSieben/Sat1-Gruppe.

Der Online-Händler findet sich in dem O-Werk in einer spannenden Nachbarschaft wieder. Hinter dem Gebäude entsteht derzeit ein DHL-Megapaketzentrum. Davor hat sich der Technikdienstleister Dekra ein Grundstück gesichert. Weitere Investoren auf dem 70 Hektar großen Areal des früheren Opel-Werks sind die Bahnzulieferer Faiveley und das IT-Sicherheitsdienstunternehmen Escrypt. Außerdem entstehen auf dem Gelände zahlreiche universitäre und universitätsnahe Einrichtungen.

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