Religion

Neuer Pastor Gunnar Bremer setzt auf Vielfalt in Bochum

Gunnar Bremer, neuer Pastor der Immanuelskirche,

Gunnar Bremer, neuer Pastor der Immanuelskirche,

Foto: Thomas Gödde

Mitte.   Noch ist er ganz frisch in Bochum und doch schon voll dabei: Seit November hat die Immanuelskirche an der Hermannshöhe mit Gunnar Bremer einen neuen Pastor. Und was für einen: Energie und Tatendrang strahlt der 52-Jährige aus. Im Interview redet er darüber, was er in der Gemeinde anpacken möchte und wieso es ihn ins Ruhrgebiet zog.

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Noch ist er ganz frisch in Bochum und doch schon voll dabei: Seit November hat die Immanuelskirche an der Hermannshöhe mit Gunnar Bremer einen neuen Pastor. Und was für einen: Energie und Tatendrang strahlt der 52-Jährige aus. Im Interview redet er darüber, was er in der Gemeinde anpacken möchte und wieso es ihn ins Ruhrgebiet zog.

Herr Bremer, wo waren Sie beruflich unterwegs, bevor Sie nach Bochum kamen?

Ich war in Kassel in einer Baptistengemeinde tätig. Danach war ich 16 Jahre für den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden überregional unterwegs. Zum Beispiel habe ich das Gemeinde-Jugendwerk in Baden-Württemberg geleitet und war im Dienstbereich Mission angestellt. Dabei habe ich verschiedene Gemeinden beraten, wie sie ihre Relevanz in der Gesellschaft wieder stärken können. Irgendwann geht es bei Gemeinden nur noch um den Selbsterhalt. Ich war damit beauftragt, Kirchen zu helfen, daraus auszubrechen. Das habe ich sehr gerne gemacht.

Wie sind Sie dann zur Baptistengemeinde in Bochum gekommen?

Ich wurde gefragt, ob ich hier Pastor werden will. Die Gemeinde kam also auf mich zu.

Sie sagten, Ihre vorherige Anstellung mochten Sie sehr. War die Entscheidung zur Gemeindeleitung eine schwierige?

Nein. Ich war davor immer ein Überflieger, nie wirklich in einer Gemeinde vor Ort. Und ich habe Lust bekommen, das wieder zu sein, mich für eine einzige Gemeinde zu engagieren.

Kannten Sie die Immanuelskirche hier in Bochum?

Ja, ich war allerdings nur mal anderthalb Tage als Berater hier. Wir haben damals parallel zur „Körperwelten“-Ausstellung nebenan eine „Lebenswelten“-Ausstellung gemacht. Daran war ich beteiligt.

War die Stadt Bochum für Sie ein Kulturschock?

Nein, ich bin in Wuppertal geboren. Ich mochte es in Süddeutschland, aber eigentlich wollte ich wieder wohin, wo es schnoddriger ist. Wir haben uns darauf gefreut, nach NRW zurückzukehren, und auf den Pott sowieso.

Wie ist denn ihr erster Eindruck von der Stadt?

Ich bin froh, schon beim VfL gewesen zu sein. Ich habe das Spiel gegen Union Berlin gesehen. Die Atmosphäre im Stadion war richtig gut. Und ich habe die Currywurst in Süddeutschland richtig vermisst. Die war für mich einer der Gründe, zurückzukommen.

Haben Sie sich in der Gemeinde schon eingelebt?

Man braucht immer ein bis zwei Jahre, bis man ankommt. Ich arbeite hauptsächlich mit ehrenamtlichen Leuten, die muss ich erst einmal richtig kennen lernen. Aber der erste Eindruck war positiv.

Welche Aufgaben würden Sie demnächst gerne anpacken?

Ich würde gerne mit der Gemeinde im Stadtteil ein Player werden. Die Innenstadt-Position ist großartig. Ich möchte ein Angebot schaffen, auf das die Menschen im Viertel zurückgreifen können, möchte die Menschen kennen, die hier wohnen. Wir könnten hier zum Beispiel ein Straßenfest feiern. Und Ende April holen wir zum 50. Todestag von Martin Luther King eine Ausstellung von Berlin in die Gemeinde. Dazu laden wir auch Schulen ein.

Ist der Mitgliederschwund bei Ihnen ein Thema?

Wir haben hier einen leichten Rückgang an Mitgliederzahlen. Aber ich halte gar nichts von Panikmache. Wenn wir gute Angebote haben, werden wir die Kirche vorwärts bringen. Wir haben nichts davon, uns zu verstellen, damit mehr Leute kommen. Wir müssen echt bleiben.

Was ist Ihnen wichtig?

Ich bin ein großer Fan von ökumenischer Arbeit. Vielfalt ist bereichernd. Ich denke, Menschen mit Glauben sollten eher in der Lage sein, Fremdheit zu überwinden. Das gilt auch in Bezug auf Flüchtlinge. Wir Christen sollten in der Lage sein, Barrieren zu überwinden, ohne anderen unsere Kultur überstülpen zu müssen. Ich sehe für die Kirche eher eine Flüchtlingschance als eine Flüchtlingskrise.

Gottesdienste früher im Privathaushalt

Die Geschichte der Bochumer Baptistengemeinde begann bereits 1851. Damals fand der Gottesdienst noch in einem Privathaushalt statt.

Viele Jahre bewegter Geschichte später findet der Gottesdienst jetzt in der 2011 sanierten Immanuelskirche an der Hermannshöhe 21 statt. Die Gemeinde hat derzeit rund 320 Mitglieder. Im Schnitt besuchen 150 Menschen den Gottesdienst.

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