Talkreihe

Nobelpreisträgerin Herta Müller erzählt von der Diktatur

Herta Müller (links) und Norbert Lammert in den Kammerspielen.

Herta Müller (links) und Norbert Lammert in den Kammerspielen.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Die Reihe „Ein Gast. Eine Stunde“ mit Norbert Lammert geht in den Bochumer Kammerspielen weiter. An einem Kollegen lässt Müller kein gutes Haar.

Die schöne kleine Talkreihe „Ein Gast. Eine Stunde“ des ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert ist um einen Glanzpunkt reicher. In regelmäßigen Abständen lädt der beliebte CDU-Politiker seit dieser Spielzeit illustre Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik am Sonntagvormittag zum Plauderstündchen in die Kammerspiele ein, und das Interesse ist enorm.

Nach der Premiere mit Wolf Biermann im Dezember ist auch die zweite Matinee mit Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller ausverkauft. Und das hat gewiss mehrere Gründe: Zum einen ist es natürlich der klingende Name des Ehrengasts. Zum anderen ist es der gut vorbereitete und im Gespräch angenehm zurückhaltende Gastgeber. Und der dritte Grund liegt in der wohltuenden Kürze: Lammert verspricht allen, „zum Mittagessen wieder zu Hause zu sein“ – und hält sein Wort. Nach einer Stunde ist Schluss, da schaut der Gastgeber ziemlich genau auf die Uhr.

Denkwürdige Rede 2017

Für viele unvergesslich bleibt Herta Müllers Auftritt 2017 bei der Ruhrtriennale, als sie in einer denkwürdigen Rede von ihrer Kindheit in einem Dorf in Rumänien bis zu schlimmen Schikanen durch die rumänische Geheimpolizei berichtete. Müllers bewegtes Leben nimmt auch während des Gesprächs in den Kammerspielen einigen Raum ein. In wohl gewählten und prägnanten Worten erzählt sie vom „deprimierenden Alltag und dem amputierten Leben in der Diktatur“ – und von den fast schon grellbunten Erfahrungen nach ihrer Ausreise 1987 in der Bundesrepublik: „Das Straßenbild, die vielen Farben, das Verhalten der Leute, die Werbung: Es war buchstäblich alles anders“, sagt sie. „Mir taten richtig die Augen weh.“

Immer wieder gelingt es Lammert, der Autorin persönliche Sichtweisen auf den Literaturbetrieb abzuringen. So lässt sie kein gutes Haar an ihrem Autorenkollegen Takis Würger und seinem mächtig in der Kritik stehenden Roman „Stella“. „Der Autor ist noch jung und scheint schnell einen Bestseller landen zu wollen“, meint sie. Wann sie selber einen neuen Roman veröffentlichen will, fragt Lammert und erntet dafür aber nur ein mildes Lächeln. Ihr eigener Bestseller „Atemschaukel“ ist bald zehn Jahre alt, als nächstes plant Müller die Veröffentlichung eines Lyrikbandes.

Am 14. April ist Claus Peymann zu Gast bei „Ein Gast. Eine Stunde“. Am 23. Juni folgt Wolfgang Clement

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