100 Jahre BoSy

Neun „Generäle“ prägten die Bochumer Symphoniker

Konzert der Bochumer Symphoniker in der Jahrhunderthalle im Juni 1991, Dirigent Eberhard Kloke. Damals war das Industriedenkmal noch nichtrenoviert und sehr zugig. Die Zuhörer wurden schon mal in Decken eingepackt

Konzert der Bochumer Symphoniker in der Jahrhunderthalle im Juni 1991, Dirigent Eberhard Kloke. Damals war das Industriedenkmal noch nichtrenoviert und sehr zugig. Die Zuhörer wurden schon mal in Decken eingepackt

Foto: Stadt Bochum.

Bochum.   Im Gründungsjahr 1919 stand Rudolf Schulz-Dornburg am Pult der Bochumer Symphoniker. Zuletzt waren Eberhard Kloke und Steven Sloane maßgebend.

Die Bochumer Symphoniker werden 100 Jahre alt, die lange Geschichte des städtischen Orchesters wurde entscheidend von ihren musikalischen Leitern geprägt. Neun „Generäle“ schwangen bis dato den Taktstock in Bochum – ausnahmslos Männer.

Am 20. Mai 1919 gab das „Städtische Orchester Bochum” sein erstes öffentliches Konzert. Erster künstlerischer Leiter war der erst 28-jährige Kapellmeister Rudolf Schulz-Dornburg, der dem Ensemble mit einem „modernen“ Programm einen überregionalen Ruf verschaffte; Werke von Neutönern wie Hindemith und Krenek wurden aufgeführt.

Von 1926 bis 1938 leitete Leopold Reichwein das Orchester. Er zollte der zunehmenden Kritik von Presse und Publikum an zeitgenössischen Programmen Tribut und dirigierte überwiegend klassisch-romantische Musik. Sein Nachfolger Klaus Nettsträter führte das Orchester, bis nach den Kriegsschäden 1944 die Konzerttätigkeit eingestellt werden musste. Ab Juni 1945 lief bereits der Neuaufbau des Klangkörpers, den nun Hermann Meißner leitete. Nach dem Ende der NS-Diktatur erklangen „Klassiker der Moderne” wie Bartók und Strawinsky. 1956 erfolgte die Stabübergabe an Franz-Paul Decker. Gastspielreisen, wie 1958 zur Weltausstellung nach Brüssel, verschafften dem Bochumern internationale Anerkennung.

Unter Yvon Baarspul (1964 bis 1970) wurde das Orchester auf 80 Musiker erweitert und erhielt seinen heutigen Namen: Bochumer Symphoniker. Othmar Mága prägte die Zeit der 70er Jahre; damals wurde Schumanns „Rheinische Sinfonie“ auf LP eingespielt. 1982 wurde Gabriel Chmura Generalmusikdirektor, 1988 gefolgt von Eberhard Kloke. Zumal Kloke setzte Akzente, die zukunftsweisend waren. So gab er erste Konzerte in der zugigen, damals noch nicht renovierten Jahrhunderthalle, allerdings wurde sein als avantgardistisch aufgefasstes Programm nicht von allen geschätzt. Damals nahmen die BoSy erstmals auch an internationalen Festivals teil.

Seit 1994 ist der israelisch-amerikanische Dirigent Steven Sloane Generalmusikdirektor. Er ist in der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu Hause, zumal den Werken von Gustav Mahler gilt seine Leidenschaft. Sloane steht für innovative Programme, die den Kontakt zur U-Musik nicht scheuen. Seine Amtszeit ist geprägt von einer Öffnung des Orchesters in die Stadt hinein, vor allem aber ist sein Name mit dem Bau und der Eröffnung des Musikforums im Oktober 2016 verbunden.

Sloane war der Kopf der Bewegung und hat den Bau des Hauses immer wieder mit hohem persönlichen Engagement vorangetrieben. Im Sommer 2021 wird er Bochum verlassen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Oder wird es eine Nachfolgerin? – Man wird sehen!

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