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Neue Vonovia-Zentrale in Bochum wird richtig schick

In Abschnitte sind die Etagen unterteilt. Projektleiter Andreas Hecker erklärt die künftige Aufteilung.

In Abschnitte sind die Etagen unterteilt. Projektleiter Andreas Hecker erklärt die künftige Aufteilung.

Foto: Olaf Ziegler

Bochum.   Der Innenausbau der neuen Vonovia-Zentrale geht zügig voran. Unternehmen setzt auf ein neues Bürokonzept – und auf eine schicke Ausstattung.

Es ist nicht das größte Gebäude in der Stadt und trotz eines dreistelligen Millionen-Betrags für die Baukosten vermutlich auch nicht das teuerste. Einen Platz im imaginären Bochumer Buch der Rekorde dürfte die künftige Vonovia-Verwaltung aber trotzdem sicher haben. Keine andere Büroimmobilie dieser Größe ist so schnell gewachsen wie diese.

Nur 15 Monate nach der Grundsteinlegung steht das sechsgeschossige, H-förmigen Gebäude an der Universitätsstraße mit einer Bürogeschossfläche von 30 000 Quadratmetern und Platz für bis zu 1000 Beschäftigte. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren.

Vonovia kann Zeitplan wohl einhalten und im Mai einziehen

„An manchen Tagen haben wir hier mehrere hundert Handwerker“, sagt Projektleiter Andreas Hecker. Es sieht so aus, also sollte Europas größtes Wohnungsunternehmen seinen „ambitionierten Zeitplan“ (Hecker) einhalten können und im Mai den neuen Unternehmenssitz beziehen können.

„Dabei haben wir zwei Monate durch die archäologischen Untersuchungen verloren“, so Hecker. Beim Bodenaushub waren Reste einer 4000 Jahre alten Siedlung entdeckt worden, die Archäologen aus Köln mit Hilfe von Studenten der Ruhr-Uni genau unter die Lupe genommen haben. Das hat Zeit gekostet – und den Bauherren auch Geld, von einer Million Euro spricht der Projektleiter.

Für gewöhnlich in Gummistiefeln unterwegs

Für gewöhnlich hat er immer seine Gummistiefel parat. Aber weil seine Gäste auch nur in Straßenschuhen unterwegs sind, verzichtet der Projektleiter beim Gang über „seine“ Baustelle auf die praktische Schutzkleidung. Vorbei an Containern und Palettenstapeln geht es mit spitzen Füßen zwischen Pfützen und Matschinseln zum Eingang des Gebäudes.

Drinnen sieht es an einigen Stellen zwar so aus wie in der Fernsehserie „Zuhause im Glück“. Aber anders als „Fernseh-Architekt“ John Kosmalla und seine Crew warten auf Hecker und die vielköpfige Handwerkerschar keine bösen Überraschungen mehr. Abschnitt für Abschnitt, Etage für Etage absolvieren die Kolonnen.

Längst liegen die Fliesen in den Treppenhäusern, sind die Bodenbeläge auf etlichen Etagen verlegt und die Fernheizung angeschlossen. Zu tun gibt es aber noch reichlich. Strippen hängen von der Decke, es gibt Abschnitte mit blankem Estrich, Anstriche fehlen und überhaupt jede Menge elektrischer und sanitärer Installationen.

Ganz neue Bürowelt

Derweil steht die Bestellung der Möbel bevor. Die gesamte Zentrale wird neu ausgestattet. Und das nicht nur, weil das Mobiliar dem neuesten Stand von Büroorganisation und ergonomischen Anforderungen gerecht werden soll. Bei Vonovoia schaffen sie gleich eine ganz neue Bürowelt.

Statt wie bisher kleiner Räume gibt es offene Flächen über die gesamten Etagen hinweg. „Da hat es schon einige Bedenken im Vorfeld gegeben“, räumt Unternehmenssprecherin Nina Henckel ein. Die Belegschaft hatte befürchtet, es würden Großraumbüros alter Schule eingerichtet: laut und ohne Privatsphäre.

Geschlossene und offene Räume auf jeder Ebene

„Aber das wollen wir eben nicht“, sagt Andreas Hecker. Auf jeder Etage werde es geschlossene und offene Bereiche, Kommunikationszonen und Rückzugsflächen geben. Dafür sei der renommierte Hamburger Innenarchitekt Stephen Williams verpflichtet worden. Hecker:

„Wir wollen zwar eine funktionale Zentrale schaffen, aber unsere Mitarbeiter sollen sich darin auch wohlfühlen. Wir meinen das stärkt die Leistungsfähigkeit.“ Der Riese, noch dazu einer aus der eher konservativen Wohnungsbranche, versucht sich an Merkmalen, die typisch sind für Start-ups und moderne Konzerne wie Apple und Google.

Möbelschau in der alten Zentrale

Wie es künftig in ihren Büros aussehen wird, davon können sich die Vonovia-Mitarbeiter schon einen Eindruck verschaffen. Im Lichthof der alten Zentrale an der Philipp-
straße ist ein Teil des Mobiliars ausgestellt. Und das beeindruckt, wie das Sofa, auf dem zwei Gesprächspartner – zugleich abgeschottet von störenden Geräuschen und doch sichtbar für alle anderen – sich gegenübersitzen. Außen hat Vonovia seinen Sitz vornehmlich nach funktionalen Gesichtspunkten konzipiert. Innen dagegen darf es schon etwas schicker sein.

 
Über 1500 Tonnen Stahl verbaut 

Durch eine große Fensterfront auf die Wasserstraße blicken die Mitarbeiter künftig in ihrer Mittagspause. Die großzügige Kantine, zu der zwei breite Treppen aus dem Eingangsbereich führen, bietet Platz für 600 Personen.

Eigentlich soll sie nicht nur Kantine, sondern vielmehr ein Casino sein, in dem die Beschäftigten am Nachmittag oder am späten Abend und am Wochenende auch Snacks einnehmen können. Auch öffentliche Veranstaltungen soll es künftig am Vonovia-Sitz geben. Zu diesem Zweck ist auch eine Bühne vorgesehen.

Nahezu fertig gestellt sind bereits die 500 Parkplätze und die Zufahrt von der Universitätsstraße. Die weiteren Arbeiten im Außenbereich sollen bis zum Einzug im Mai erledigt werden.

1000 Fensterelemente in den Außenwänden

Beeindruckend sind die Zahlen, die mit dem Neubau verbunden sind: 1000 Fensterelemente sind in den mehr als 500 vorgefertigten Außenwänden verbaut. Jedes Außenwandelement wiegt 5,9 Tonnen. 2,8 Kilometer Rohre wurden in und um das Gebäude verlegt, dazu 160 Kilometer Strom- und Datenkabel. 1000 Tonnen Stahl wurden für den Ortbeton im Untergeschoss verwendet. 466 Tonnen Stahl, etwa 80 Tonnen pro Etage, stecken in dem Gebäude.

Bevor überhaupt gebaut werden konnte, musste eine Menge Erde bewegt werden. 30 000 Kubikmeter Boden wurden nach Angaben des Unternehmens ausgehoben und abtransportiert. Dafür wurden 25 000 Kubikmeter Recyclingmaterial als Unterbau und außerdem noch 5000 Kubikmeter Verfüllung eingebaut.

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