Bauprojekt

Neue Moschee will mittendrin sein – auch gesellschaftlich

Fouad Bourzoufi (von links) Ricarda Fischer, Gernot Schulz, Omniah Abdulazim, Ahmad Aweimer, Ramy Girshally, Hakim Srikhi, Assem Aweimer und Chaled Achlih.

Fouad Bourzoufi (von links) Ricarda Fischer, Gernot Schulz, Omniah Abdulazim, Ahmad Aweimer, Ramy Girshally, Hakim Srikhi, Assem Aweimer und Chaled Achlih.

Foto: Bastian Haumann

Bochum.   Der Islamische Kulturverein will mit der Grünen Moschee Ruhr in Bochum ein innovatives, weltoffenes Projekt umsetzen. Es gibt Unwägbarkeiten.

Eine der ältesten islamischen Gemeinden in der Stadt sucht ein neues Zuhause. Der Moscheebetrieb an der Querenburger Straße ist nach einem Gerichtsurteil aus dem Vorjahr nicht mehr erlaubt, sondern nur noch geduldet. „Deshalb müssen wir handeln“, sagt Rami Girshally, Vorsitzender des 1965 gegründeten Islamischen Kulturvereins (IKV).

Seine Zukunft sieht der Verein nun an der Castroper Straße. Schon im Sommer sollen die Gläubigen zum Freitagsgebet in einem Zelt oder in einer Leichtbauhalle auf dem Gelände der früheren Reiterschaft zwischen JVA und dem Einkaufszentrum „Große Voede“ zusammenkommen. Aber das soll nur eine vorübergehende Lösung sein.

Etwas Innovatives umsetzen

„Uns schwebt ein ganzes Quartier mit verschiedenen Angeboten vor: mit Moschee, Wohnungen, Veranstaltungsräumen, Bücherei, Läden – ein gesellschaftliches Zentrum“, sagt Gernot Schulz. Der Architekt, Professor und Dekan des Fachbereichs Architektur an der Hochschule Bochum, ist begeistert von der Vision des IKV und von dessen Offenheit. Und auch in der Projektgruppe des IKV, der Ärzte und Ingenieure, Akademiker und Selbstständige – Männer und Frauen – angehören, herrscht Euphorie.

„Wir freuen uns auf das Projekt. Und wir wollen uns nicht in einem Hinterhof verstecken, sondern transparent sein“, so Sprecher Assem Aweimer. Sie wollen keine 08/15-Moschee bauen, sondern „etwas Innovatives umsetzen“.

Die Moschee wäre mittendrin – räumlich und gesellschaftlich

Der IKV habe die einzige „deutsche Moschee“ in der Stadt, ergänzt Vorsitzender Rami Girshally. Transparenz und Integrationswillen würden sich unter anderem in der zeitgenössischen Architektur der künftigen Moschee ausdrücken. Architekt Schulz kann sich dabei unter anderem Anleihen bei der alten Industriehallen-Architektur vorstellen. „Schließlich sind wir hier im Ruhrgebiet.“ Geprägt sein werde das Gebäude auch von der Vorgabe, ökologisch und nachhaltig zu bauen. Lehm und Holz, aber auch Recyclingstoffe würden daher zu den Materialien gehören.

Das von der Stadt ausgeguckte Gelände an der Castroper Straße sei aus seiner Sicht durchaus geeignet, um die Vorstellungen der Gemeinde umzusetzen, so Schulz. Es soll durchlässig sein und biete die Möglichkeit, eine Verbindung zu schaffen zwischen dem Blumenfriedhof und den Gärten im Osten der Castroper Straße. Die Moschee wäre Teil einer Adresse, zu der auch das VfL-Stadion, die Sternwarte und die Synagoge gehören. Mittendrin sozusagen – räumlich und gesellschaftlich.

Die Finanzierung steht noch nicht

Noch hat das Projekt Unwägbarkeiten. Der Stadt, die den Umzug der Moschee befördert und sich auch einen dauerhaften Umzug des gesamten IKV-Standorts zur Castroper Straße vorstellen kann, gehört nur ein Teil, wenn auch der größte, des fünf bis sechs Hektar großen Geländes der früheren Reiterschaft. Gespräche mit den anderen Eigentümern müssen noch geführt werden.

Auch die Finanzierung steht noch nicht. „Wir arbeiten an dem Businessplan“, sagt der für die Finanzen des Projekts zuständige Hakim Srikhi. Getragen werden solle es von Spenden, aber auch von Investoren. Der IKV hofft dabei auch überregional Interessenten zu finden. Er hat dem Projekt den Namen „Grüne Moschee Ruhr“ gegeben, weil es getragen wird von ökologischen Leitbildern. Auch das mache es einzigartig und interessant über das Ruhrgebiet hinaus, so IKV-Sprecher Assem Aweimer.

„Wir möchten etwas bauen, das Bochum würdig ist“

In fünf Jahren, so die Hoffnung, könnte der Kern des neuen Quartiers stehen – die Moschee plus einige weitere Gebäude. Dabei geht es für Ahmed Aweimer, der sich seit 25 Jahren um den interkulturellen Dialog in Bochum und weit über die Stadt hinaus bemüht, „nicht darum, irgendetwas zu bauen. Wir möchten etwas bauen, das Bochum würdig ist.“

>> Mangel an Moscheen und islamischen Gebetsräumen

  • Zwölf Moscheen gibt es momentan in der Stadt. Sie haben insgesamt eine Kapazität von etwa 2500 Plätzen.
  • „Das bedeutet, dass maximal für zehn Prozent der Muslime ein Gebetsplatz zur Verfügung steht“, heißt es beim IKV. Er spricht von einem „substanziellen Mangel an Moscheen und islamischen Gebetsräumen“.
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