Stadtforschung

Neue Hinweise auf altes jüdisches Bochumer Bankhaus Schüler

Diese Aufnahme aus dem in die USA mitgenommenen Familienalbum entstand 1904 anlässlich der Hochzeit von Paul Schüler.

Diese Aufnahme aus dem in die USA mitgenommenen Familienalbum entstand 1904 anlässlich der Hochzeit von Paul Schüler.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Einst gehörte die Familie Schüler zum Bochumer Großbürgertum. Historiker kann nun die leidvolle Geschichte der Bankiersfamilie vervollständigen.

Für Dr. Hubert Schneider ist das Internet immer mal wieder ein Segen. Der 76-jährige Historiker, der sich in Bochum durch seine akribische und einfühlsame Forschung zum jüdischen Leben in dieser Stadt und zur Verfolgung der Juden in der Nazi-Zeit im Besonderen einen Namen gemacht hat, ist durch einen Zufall auf neue Hinweise gestoßen, die mehr Licht werfen auf das ehemals prosperierende jüdische Bochumer Bankhaus Hermann Schüler. Mit einer Mail aus New York, geschickt von einer Carol Schuler, begann dieses Kapitel.

Suche nach Informationen zur Familie

Im Oktober 2016 wandte sich Carol Schuler an Schneider, weil sie im Internet nach Informationen ihrer Vorfahren, eben Nachfahren von Hermann Schüler, gesucht hatte. Carol Schuler ließ über eine New Yorker Buchhandlung Schneiders Buch „Die ‘Entjudung’ des Wohnraums – ‘Judenhäuser’ in Bochum“ kommen. Da sie in Berlin Kunstgeschichte studiert hat, spricht sie Deutsch. „Seitdem haben wir Dutzende Mails hin und her geschickt, für mich als Historiker ist das ein Highlight“, sagt Schneider.

Carol Schuler ist die Enkelin von Paul Schüler, der die Bank seines Vaters Hermann zuletzt führte. Den Konkurs des Bankhauses erlebte er noch in der Weltwirtschaftskrise mit. Er baute später einen Seifenhandel auf und seine Frau Clothilde, geb. Lazard, verkaufte Handarbeiten und Kochrezepte.

Gästebuchseite zeigt Picasso-Gemälde

Das Ehepaar hatte eine weit über die Stadt strahlende Kunstsammlung mit über 200 Gemälde aus der klassischen Moderne, darunter auch mindestens zwei Picassos. Eines dieser Bilder tauchte im Rahmen des Kontaktes zwischen Hubert Schneider und Carol Schuler aus der Vergangenheit wieder auf. (Die Bilder mussten im Konkurs verkauft werden oder wurden von den Nazis beschlagnahmt.)

Carol Schuler schickte eine Seite aus dem Gästebuch ihres Großvaters. Ein Gast hatte am 14. Mai 1926 die Szene eines Empfangs im Bochumer Hause Schüler ins Buch gezeichnet. Und siehe da, an der Wand hängt genau der Picasso, der heute in der National Galery in Washington hängt.

Ein Familienalbum, das ihr Vater, Fritz (Friedrich Theodor Schüler, der 1939 in die USA flüchtete), der jüngste Sohn des letzten Bankiers Paul, bei seiner Flucht mitnahm, birgt einen Schatz mit etlichen Fotos, die die Welt einer großbürgerlichen Familie zu Beginn des Jahrhunderts auferstehen lassen. „Für mich ergeben sich zahlreiche neue Ansätze zum Verständnis des Lebens hier aber auch in der Emigration in den USA“, so Schneider.

Der Historiker ist nun fest entschlossen, diese Geschichte in einem neuen Buch zu veröffentlichen, da etliche Details bislang unbekannt sind.

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