Drogenberatung

Neue Herausforderungen für Bochumer Drogenberatung

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Foto: Helge Hoffmann / funkegrafik nrw

Bochum.  Die Bochumer Drogenberatungsstelle Krisenhilfe sieht sich vor neuen Herausforderungen. So hat der Konsum von Kokain stark zugenommen.

Mit Sorge beobachtet die Bochumer Drogenberatungsstelle Krisenhilfe aktuelle Entwicklungen. An den Folgen ihres Drogenkonsums starben im vergangenen Jahr in Bochum 14 Männer und Frauen. Die Polizeistatistik verzeichnet sogar zwei Todesfälle mehr und sieht damit einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Immer mehr Abhängige weisen zusätzlich schwere psychische Erkrankungen auf, was die Krisenhilfe-Mitarbeiter vor extreme Herausforderungen stelle.

Im jetzt vorliegenden Jahresbericht der Krisenhilfe heißt es zu dieser aktuellen Entwicklung wörtlich: „Aufgrund dieser Zunahme steigt neben der Belastung im Umgang mit den Nutzern und Nutzerinnen unserer Angebote auch das Risiko von Bedrohungen und Tätlichkeiten gegenüber den Mitarbeitern.“ Dies habe bereits zu einer steigenden Anzahl von Notrufeinsätzen der Polizei geführt. Gleichzeitig würden die Betroffenen immer älter und wiesen häufig ganz unterschiedliche Begleiterkrankungen auf.

Bedenkliche Entwicklung beim Kokain

Silvia Wilske, Fachliche Leiterin der Krisenhilfe, sieht bedenkliche Entwicklungen. Auffällig ist der extreme Anstieg des Konsums von Kokain. Allein im Drogenkonsumraum der Krisenhilfe wurden 2549 Konsumvorgänge registriert, was einen Anstieg um 37,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet (1618 Vorgänge). Die Polizeizahlen bestätigen diese Tendenz. Im Jahr 2018 wurde 86 Verfahren wegen Besitzes oder Handel mit Kokain eröffnet, im Jahr davor waren es 58 Fälle dieser Art.

Dies sei nach Einschätzung der Krisenhilfe unter anderem darauf zurückzuführen, dass Kokain auf dem Schwarzmarkt zunehmend günstiger ist als Heroin. Die Nutzer sind also nicht neue Abhängige, sondern zum Teil seit vielen Jahren heroinabhängig. Sie konsumieren dann zusätzlich Kokain.

Änderungen bei der Methadonvergabe

Als weiteres Thema wird für die Krisenhilfe der Umgang mit sogenannten Substituierten wichtiger. Seit vielen Jahren erhalten langjährige Drogenabhängige bei bestimmten Voraussetzungen Methadon als Präparat. Es nimmt die Entzugserscheinungen, löst jedoch keinen Rausch aus. Derzeit erhalten bei der Krisenhilfe 80 Personen dieses Medikament. Insgesamt gibt es in Bochum rund 600 Männer und Frauen, die dieses Mittel unter ärztlicher Aufsicht einnehmen. Einige der Arztpraxen werden allerdings in Kürze ihre Betreuung einstellen. „Wir als Krisenhilfe sind uns unserer Verantwortung für diese Menschen bewusst“, macht Silvia Wilske deutlich. Es werde nach einer Lösung gesucht. Dies gelte auch für die Räumlichkeiten, denn seit Jahren sucht die Drogenberatung einen neuen zentralen Standort, da das Haus an der Viktoriastraße aus verschiedenen Gründen nicht mehr optimal sei.

Ausdrücklich positiv erwähnt die Beratungsstelle den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, deren Vater oder Mutter oder beide Elternteile drogenabhängig sind. Hier hat sich mittlerweile eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt etabliert. Derzeit wird sich um 55 Kinder und Jugendliche gekümmert. Sehr häufig gelinge es, dass die Kinder in ihren Familien bleiben können. Voraussetzung sei, dass es einen stabilen Ansprechpartner gebe.

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