Obdachlosigkeit

Neubau: Obdachlose kommen bald im neuen Fliednerhaus unter

Fürs Presse-Foto packen (v.li.) Sebastian Keppe, Norbert Riffel (VBW-Geschäftsführer), Sozialdezernentin Britta Anger und Jens Fritsch von der Diakonie bei den Umzugsarbeitern mit an.

Fürs Presse-Foto packen (v.li.) Sebastian Keppe, Norbert Riffel (VBW-Geschäftsführer), Sozialdezernentin Britta Anger und Jens Fritsch von der Diakonie bei den Umzugsarbeitern mit an.

Foto: Sebastian Sternemann

Bochum.   Im neuen Fliednerhaus in Bochum kommen Obdachlosenunterkunft, Suppenküche und die medizinische Hilfe unter. Die Einrichtung ist extra robust.

Ein Arbeiter schleppt die schwere Holzleiter in das Zweibettzimmer im Männertrakt des neuen Fliednerhauses am Stadionring. Ein anderer kontrolliert nochmal die Fenster. Es sind die letzten Handgriffe in dem 950-Quadratmeter-Neubau, der ab kommender Woche von der Diakonie als Obdachlosenunterkunft genutzt wird. Im Erdgeschoss ziehen die Suppenküche und die medizinische Hilfe für Obdachlose ein.

Die Stadt will mit dem Neubau die Obdachlosenhilfe an einem Ort bündeln. Dass das Straßenmagazin „Bodo“ und der organisierte Tagesaufenthalt mit Beratung am Stadionring keinen Platz fanden, hatte jedoch für Kritik gesorgt. Man fühle sich „ignoriert“, hieß es damals von Bodo.

Barrierefreie Zimmer und behindertengerechtes Bad

Kurz vor der Eröffnung riechen die hell gestrichenen Räume im dreigeschossigen Haus noch nach frischer Farbe. Bis zu 60 Menschen sollen in den Zimmern übernachten können – streng getrennt zwischen Männern und Frauen.

Auch barrierefreie Zimmer und ein behindertengerechtes Bad gibt es in dem Haus mit Aufzug. Direkt gegenüber vom Neubau wartet die alte Obdachlosenunterkunft auf den Abriss. Das Haus mit dem bröckelnden Putz ist baufällig und voller Schimmel.

Sobald der Neubau endgültig bezogen ist, sollen die Abrissarbeiten beginnen. Das alte Haus macht dann einer eingezäunten Grünfläche Platz. Grundstückeigentümer und Bauherr des neuen Fliednerhauses ist die Vereinigte Bochumer Wohnungsgesellschaft (VBW). Geschäftsführer Norbert Riffel: „In sechs Monaten haben wir den Neubau hochgezogen. Das war ein Höllenritt.“

Vorerst keine Kameraüberwachung geplant

Und noch ist der nicht vorbei. In der künftigen Suppenküche im Erdgeschoss stapelt sich das Geschirr aus dem alten Standort an der Stühmeyerstraße noch in Kisten. Dieter Schulz (76) von der Suppenküche hat mit dem Aus- und Umräumen alle Hände voll zu tun. 120 Menschen sollen künftig vormittags an den Tischen zu Mittag essen. Dreimal in der Woche kommt ein ehrenamtlicher Arzt, von dem sich Bedürftige – im professionell ausgestatteten Raum – behandeln lassen können.

Wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung am Samstag gilt es jedoch noch, kleine Probleme zu beheben. Die Fenster sollten sich aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht komplett öffnen lassen. In einer Zwischentür im Flur fehlt eine Glasscheibe – auch das ist ein Sicherheitsproblem. Überhaupt ist im neuen Fliednerhaus vorgesorgt.

Die gefliesten, extra stabilen Duschen sollen vor Vandalismus schützen. Kameras zur Überwachung gibt es vorerst nicht. „Wir haben uns gemeinsam dagegen entschieden“, sagt Diakonie-Vorstand Jens Fritsch . „Sollte das Haus aber von unseren Klienten beschädigt werden, werden wir das neu überlegen.“

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