IT-Sicherheit

Nachwuchsforscher wollen die digitale Welt sicherer machen

Immer wieder versuchen Angreifer, Computer lahm zu legen oder an wichtige Informationen zu kommen.

Foto: Monika Skolimowska

Immer wieder versuchen Angreifer, Computer lahm zu legen oder an wichtige Informationen zu kommen. Foto: Monika Skolimowska

Bochum.  Dr. Malte Elson ist der Chef einer Nachwuchsforschergruppe an der RUB. Sie will herausfinden wie Menschen ticken, die Computer angreifen.

Malte Elson würde gut auf das Raumschiff Enterprise passen. Die begibt sich in ferner Zukunft dahin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Malte Elson arbeitet am Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Ruhr-Uni. Er ist der Chef einer Nachwuchsforschergruppe. Im Januar wird sie ihre Arbeit aufnehmen. Sie will digitale Systeme sicherer machen. Das Land fördert diese Forschung für fünf Jahre mit mehr als 800 000 Euro.

Die Nachwuchsforscher gehen aber die Arbeit von einer anderen Seite an. Sie wollen wissen, was in den Köpfen der Angreifer, der Hacker, vorgeht. Damit leisten sie Pionierarbeit. „Das ist ein völlig neuer Bereich“, sagt Elson. „Da gibt es noch keine Vorarbeit. Und entsprechend wissen wir auch nicht, was am Ende dabei herauskommt.“

Perfekte Sicherheit gibt es nicht

Im weitesten Sinn also wollen Elson und seine Mitstreiter Computer und Computerprogramme weniger angreifbar machen. Wobei Elson sich darüber im Klaren ist, „dass es keine perfekte Sicherheit gibt. Aber es gibt so etwas wie ein funktionelle Sicherheit. Man könnte zum Beispiel alle fünf Jahre das System komplett austauschen.“

Was Kreditinstitute durchaus schon machen, in dem sie alle fünf Jahre die Bankkarten der Kunden tauschen. In den Karten ist dann neue Elektronik.

Sichere Passwörter auswählen

Elsons Forschung „Usable Security“, nutzbare Sicherheit, zielt darauf ab, Sicherheitsmechanismen besser nutzbar zu machen und Menschen zum Beispiel dazu zu bringen, sichere Passwörter zu wählen. „Es ist eigentlich auch leicht, sich ein schweres und dadurch sichereres Passwort zuzulegen“, sagt Elson.

„Aber das macht halt nicht jeder.“ Dadurch entstehen Probleme. Oder wie es Elson sagt: „Ein System, das sicher ist, außer es ist in den Händen von Nutzern, ist nicht sicher.“ Die Forscher wollen herausfinden, wie Angreifer die Hardware manipulieren. Dadurch wollen sie das System weniger anfällig machen.

Freiheitliche Prinzipien schützen

„Tagtäglich nutzen wir Technologien und Systeme, die hochsensible Nutzerdaten speichern“, sagt Elson. „Kompromittierte Systeme sind eine Bedrohung für die Bevölkerung einschließlich ihrer gewählten Regierungen.“ Möglich wäre es Angreifern zum Beispiel, Wahlen zu manipulieren.

Aber auch Regierungen könnten Bürger oder demokratische Institutionen wie Parteien überwachen. „Wenn wir die Sicherheit digitaler Technologien erhöhen“, sagt Elson, „schützen wir freiheitliche Prinzipien und gesellschaftliche Werte von Demokratien.“

Analyse von Verhaltensweisen

Die Nachwuchsforschergruppe knüpft an psychologische Forschung aus der nutzbaren Sicherheit an und will sie um die Analyse von Verhaltensweisen von Angreifern auf Hardware-Chips erweitern. „Dabei wollen wir gezielt Maßnahmen auf Basis psychologischer Nutzer- und Angreifermodelle entwickeln, die in Zukunft Angriffe erschweren sollen“, sagt Elson. Er weiß indes auch, dass das nicht leicht ist. „Wir wissen ja nicht, was die Angreifer wollen. Und Kontakt mit ihnen aufnehmen, können wir nicht so einfach. Sie stehen ja immer mit einem Bein im Knast.“

Er wird daher in Lehrveranstaltungen zur IT-Sicherheit an der Ruhr-Uni gehen und dort Untersuchungen durchführen.

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