INTEGRATION

Mütter mit Babys lernen beim Treff von Donum Vitae Deutsch

Amira Ismail (43, links) und Fayza Smail (33) mit Tochter Marie (5 Monate) und Sohn Salam (2) beim Kurs für ausländische (syrische) Frauen.

Amira Ismail (43, links) und Fayza Smail (33) mit Tochter Marie (5 Monate) und Sohn Salam (2) beim Kurs für ausländische (syrische) Frauen.

Foto: Svenja Hanusch

Bochum.   Die Beratungsstelle Donum Vitae lädt zugewanderte Frauen zum interkulturellen Austausch ein. Eine Syrerin ermuntert sie zum Deutschsprechen.

In der Familienbildungsstätte an der Zechenstraße hat Fayza Smail einen Ort gefunden, der sie nicht isoliert, weil sie noch kein gutes Deutsch spricht. Die 33-Jährige besucht mit Tochter Marie den Interkulturellen Treff für Mütter mit ihren Babys der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae.

Zuwendung wirkt wie warmer Regen

Für die Irakerin ist vieles neu in Deutschland. „Ich hatte Sorge, wie ich zur Geburt von Marie ins Krankenhaus komme. Meine Mutter ist nicht da. Eine Betreuerin hat mir geholfen“, berichtet die 33-Jährige, die mit ihrem Mann fünf Kinder hat. Sie sei froh, hierherkommen zu können. Ihr sei es nicht gut gegangen nach der Geburt ihrer Tochter. Die freundliche Zuwendung der Syrerin Amira Ismail, die arabisch und kurdisch spricht, wirke wie ein warmer Regen.

„Uns ist irgendwann mal aufgefallen, dass Zugewanderte mit Sprachbarrieren schlecht in die Kurse integriert werden können. Es fehlt jemand, der übersetzt. Wir haben sehr viele Klienten mit Zuwanderungshintergrund. Zusammen mit Amira Ismail haben wir den Interkulturellen Mütter-Baby-Treff im Februar als Frühe-Hilfen-Angebot mit der Familienbildungsstätte installiert“, schildert Iris Rüsberg-Steinke von Donum Vitae, die den Treff mitleitet.

Es sind Frauen, die zwischen den Kulturen leben. Was nicht heißt, dass es sich nur um Frauen handelt, die kaum Deutsch sprechen und aus fernen Ländern stammen. Auch zwei junge Mütter mit deutschen Wurzeln besuchen mit ihren Babys das wöchentliche Treffen. Die Schwestern leben mit Männern zusammen, die aus Ägypten und dem Libanon stammen – auch sie fühlen sich wohl in der interkulturellen Atmosphäre.

Deutsche Babylieder

Hauptsächlich geht es dennoch um Mütter wie Hibaak Osman. Die 22-Jährige aus Somalia ist seit drei Jahren in Deutschland. Sie schaut offen und sehr freundlich, doch die deutsche Sprache gehört noch nicht selbstverständlich zu ihr.

„Meiner Meinung nach müssen Mütter und Väter die Sprache lernen. Ich unterstütze die Frauen hier, Deutsch zu sprechen, auch mit Fehlern. Ich selbst spreche mit vielen Fehlern“, sagt Amira Ismail, die in ihrer Heimat als Rechtsanwältin tätig war.

Wie in anderen Baby-Mütter-Kursen steht am Anfang und Ende des Treffens ein deutsches Lied für die Babys. Noch singen die Frauen aus dem Irak und aus Somalia nur sehr leise mit.

Das interkulturelle Treffen für Mütter mit ihren Babys ist Teil des Programms Elternstart NRW. Die Teilnahme montags von 10 bis 11.30 Uhr ist kostenlos und findet statt im Untergeschoss der Familienbildungsstätte der Stadt Bochum, Zechenstraße 10.

Ergänzend findet am gleichen Ort und zur gleichen Zeit im Nebenraum ein offener interkultureller Schwangerentreff statt, in dem eine syrische Hebamme beratend zur Seite steht.

Interkultureller Treff für Schwangere

Angela Rocholl von der Hochschule für Gesundheit, Iris Rüsberg-Steinke von der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae und die städtische Familienbildungsstätte haben einen offenen, interkulturellen Schwangerentreff ins Leben gerufen. Vier syrische Hebammen helfen als Übersetzerinnen und Beraterinnen.

Bitte beschreiben Sie die Idee des Schwangerentreffs.

Angela Rocholl: Das Projekt ist entstanden aus einer Lehrreihe für die vier syrischen Hebammen, die wir in Bochum gefunden haben. Man hat in der Praxis gemerkt, dass Frauen mit Migrationshintergrund und Sprachbarriere oft Schwierigkeiten haben, einen Zugang zum Gesundheitsangebot zu finden und ihre Rechte in der Schwangerschaft zu nutzen.

Sie wissen oft nicht, welche Angebote sie wahrnehmen können und welche Leistungen ihnen zustehen. Der Treff ist kein Ersatz für eine Schwangerenversorgung, sondern es geht um strukturelle Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt. Es geht um Fragen wie: Ich verstehe den Mutterpass nicht, wie bekomme ich eine Hebamme, welche Krankenhäuser gibt es in Bochum?

Rückbildungsgymnastik gehört dazu

Wie wird das Angebot angenommen?

Wir hatten in der Anfangsphase seit Juni im Durchschnitt zwei Frauen in jeder Sitzung. Es gibt verschiedene Schwierigkeiten: Oft gehen die Frauen nicht gerne alleine irgendwohin und besonders nicht zu Dingen, die sie nicht kennen.

Dann sind viele Frauen in den Sprachkursen. Es gibt keine Vereinbarung mit den Jobcentern, dass für solche Termine Zeit bleiben kann. Ich denke, es dauert noch etwas, bevor es zum Selbstläufer wird.

Wie hängen das Angebot für Schwangere und der Treff für Mütter mit Babys zusammen?

Wir beantworten natürlich auch Fragen der Frauen, die bereits ein Baby haben, weil wir nach dem Kurs mit den anderen aus dem Mütter-Baby-Kurs zusammensitzen. Das letzte Mal haben wir zum Beispiel Rückbildungsgymnastik gemacht. Eine Frau, die die Sprache nicht versteht, kann einen solchen Rückbildungskurs sonst kaum mitmachen.

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