Stadterneuerung

Möbellager Hein de Groot in Bochum wird platt gemacht

Die Abrissarbeiten sind in vollem Gange. Große Teile des Gebäudes sind nur noch Schutt.

Die Abrissarbeiten sind in vollem Gange. Große Teile des Gebäudes sind nur noch Schutt.

Foto: Gero Helm

Innenstadt.  An der Kronenstraße in Bochum ist der Abriss des Möbellagers Hein de Groot in vollem Gange. Fast 20 Jahre war hier das Stadtarchiv untergebracht.

An der Kronenstraße kracht es mächtig: Das ehemalige Möbellager von Hein de Groot wird abgerissen, es nimmt einen Großteil der Straßenfront zur Oskar-Hoffmann-Straße hin ein. Der Grünweg hinter dem Haus ist gesperrt, und Parkplätze fallen auch weg. Die Bagger knabbern Tag für Tag mehr von dem massiven Gebäude ab, das viele Bochumer nicht nur mit dem Kauf von Einrichtungsgegenständen, sondern auch mit der Geschichte ihrer Stadt verbinden: Bis 2007 logierte hier das Stadtarchiv.

Möbelhandel seit 1927

Die Geschichte des Zweckbaus, die jetzt in Trümmer fällt, begann in den Wirtschaftswunder-Jahren. 1955 war das Möbellager als Neubau eines im Krieg zerstörten Vorgängergebäudes von der 1927 gegründeten Bochumer Firma Hein de Groot errichtet worden. Der seinerzeit stadt- und ruhrgebietsweit bekannte Möbelhändler war unter anderem mit großen Ausstellungsräumen im ehemaligen Hansa-Haus mitten in der Stadt (heute: Drehscheibe) vertreten.

Das Gebäude Kronenstraße 45 diente seinerzeit als modernes Zentrallager für sämtliche de-Groot-Filialen und umfasste auch die Polsterei. Sie war trotz einer dem Umfang nach fabrikmäßigen Kapazität noch ein echter Handwerksbetrieb. Dazu musste eine großer Lagerbestand vorgehalten werden: „Zeitweilig lagerten hier 3000 Gestelle, 700 Ochsenhäute und 25 Kilometer Bezugsstoffe in verschiedensten Farben, Dessins und Materialien“, heißt es in einer zum 50. Firmenjubiläum 1977 erschienenen Broschüre.

Mitte der 70er Jahre segelte der Familienbetrieb noch auf Expansionskurs, im Harpener Feld wurde eine großzügige Zentrale errichtet, das Gebäude Kronenstraße nach und nach aufgegeben. 1985 ging die Geschichte von Möbel Hein de Groot nach fast 60 Geschäftsjahren aber zu Ende.

Der Klotz an der Kronenstraße wurde danach von verschiedenen Mietern belegt, so vom Stadtsportbund und vom „Coolibri“-Verlag, der hier über Jahre seine Redaktionsräume hatte. Ein wichtiger Mieter war die Stadt, die ab 1984 das zuvor an der Arndtstraße heimische stadtgeschichtliche Institut und das Stadtarchiv unterbrachte. Seither hat sich der Begriff „altes Stadtarchiv“ für das de-Groot-Haus am Südrand der Innenstadt eingebürgert – was auch daran lag, dass hier fast 20 Jahre lang verschiedene stadthistorische Ausstellungen gezeigt wurden, die zum Teil starke überregionale Beachtung fanden.

Man denke an die große Schau „Hakenkreuz über Bochum“ aus Anlass des 50. Jahrestags der NS-„Machtergreifung“ oder an die Präsentation „Ein Deutscher am Zarenhof“ über den aus Bochum stammenden Diplomaten Heinrich Graf Ostermann, der in Russland Karriere machte. 2001 wurden zahlreiche Originalgegenstände aus der Zeit des Hoch-Barocks in den Räumen an der Kronenstraße gezeigt.

2007 zog das Stadtarchiv ins Aral-Haus zur Wittener Straße 47 um, die stadtgeschichtlichen Dokumente kamen mit. Ein Großteil des Fundus verblieb zunächst an der Kronenstraße. Heute ist er in einem Außenlager in Harpen deponiert.

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