Medizintechnik

Millionen für eine „spektakuläre Idee“ einer Bochumer Firma

Maschinenbauerin Catrin Bannewitz gehört zu dem  vielköpfigen Team, das an der Entwicklung der besonderen Implantat-Beschichtung arbeitet. 

Maschinenbauerin Catrin Bannewitz gehört zu dem vielköpfigen Team, das an der Entwicklung der besonderen Implantat-Beschichtung arbeitet. 

Foto: Phenox

Bochum.   Phenox und Partner werden mit 2,1 Millionen Euro gefördert. Sie entwickeln die natürliche Gefäßwand imitierende Beschichtungen für Implantate.

Die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft soll eines der neuen Markenzeichen Bochums werden. Was mittelfristig sichtbar werden könnte auf der ehemaligen Opel-Fläche Mark 51/7 durch die Ansiedlung von Forschung und Firmen, die sich gegenseitig befruchten, ist in Ansätzen an anderen Stellen schon erkennbar. Das jüngste Beispiel: Der Medizintechnikhersteller Phenox erhält für sein Projekt „AntiThromb“ 2,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Das Geld kommt aus dem Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“, mit dem kleine und mittlere Unternehmen in regionalen Netzwerken gestärkt werden sollen.

Gemeinsam mit Partnern, darunter der Lehrstuhl für Werkstofftechnik der Ruhr-Uni und das Knappschaftskrankenhaus Bochum, will die im Technologiequartier in Querenburg beheimatete Phenox GmbH die natürliche Gefäßwand imitierende Beschichtungen für Implantate zur Behandlung von Hirn-Aneurysmen entwickeln und produzieren. Dadurch ließe sich die bislang lebenslange Einnahme von Medikamenten, die die Bildung eines Thrombus verhindern, deutlich reduzieren.

Vielversprechende Alternative

„Bei Patienten, bei denen die Medikation nicht anschlägt oder aus anderen klinischen Erwägungen heraus nicht empfehlenswert ist, könnten entsprechend beschichtete Implantate eine vielversprechende Alternative darstellen“, sagt Phenox-Geschäftsführer Hermann Monstadt. „Wir sind noch in einem frühen Stadium. Aber die Idee ist spektakulär“, so der 59-jährige Bochumer. Das Projekt habe „unglaubliches Potenzial“. Daher konzentriere sich die Firma derzeit mit seinen Investitionen vor allem darauf. Fünf bis sechs Millionen Euro würden mittelfristig aus eigenen Mitteln in das Projekt gesteckt.

Bis zur Marktreife, sollte sie gelingen, vergehen noch vier bis fünf Jahre. Auch weil die neue EU-Verordnung MPR die Zulassungshürde für Medizintechnikfirmen habe wachsen lassen, so Mohnstadt. Aber er ist optimistisch, dass sein Team die Hürden meistern werde.

Zweistellige Wachstumsraten

Längst hat der gelernte Maschinenbauer Experten aus anderen Fachrichtungen – Biologen, Werkstoffexperten, Chemiker und Elektrotechniker – um sich geschart, um komplexe Anforderungen für die Entwicklung neuer oder die Fortentwicklung bekannter Produkte zu bewältigen. Dazu gehört etwa das Wissen des Projektpartners und Bochumer Start-up-Unternehmens Femtos, das mehrheitlich mittlerweile zu Phentox und zu Monstadt gehört. Femtos versteht sich darauf, mit speziellen Lasern präzise und filigrane Werkstücke herzustellen.

Die Ansammlung von Wissen und Können dokumentiert sich auch an der Unternehmensentwicklung. Zweistellige Wachstumsraten beim Umsatz und eine Belegschaft, die von 6 (2007) auf derzeit 170 gestiegen ist und weiter zunimmt sowie Firmengründungen in Irland und den USA, sind Beleg für die Phenox-Erfolgsgeschichte. Eineinhalb Jahre nach Bezug des Firmenanbaus an der Lise-Meitner-Allee gibt es schon Pläne für die nächste Erweiterung. Vorerst hat Phenox die Entwicklung unterschiedlicher Beschichtungsmethoden in das nahegelegene Biomedizin-Zentrum verlagert. Auch dort sollen zusätzliche Flächen angemietet werden.

„Auf Grund der sehr guten Entwicklung unserer Produkte rechnen wir auch in den nächsten Jahren mit steigenden Umsätzen und positiven Ergebnissen“, heißt es im jüngsten Geschäftsbericht. Hermann Monstadt hält selbst einen Börsengang für möglich. „In drei bis fünf Jahren ist der nicht ausgeschlossen.“

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