Handwerk

Lukas Kehnen (30) ist der einzige Geigenbauer in Bochum

Lukas Kehnen hat sich bewusst Bochum als Standort ausgesucht.

Lukas Kehnen hat sich bewusst Bochum als Standort ausgesucht.

Foto: Patrick Pollmeier

Bochum.   Geigenbauer Lukas Kehnen lässt sich in der Christstraße nieder, Musikforum und Musikschule haben ihn gelockt. Auch Restauration ist sein Metier.

Ob Lehrer, Ingenieur, oder „irgendwas mit Medien“ – Berufswünsche gibt es bei jungen Menschen viele. Geigenbauer indes gehört selten dazu. Nicht so bei Lukas Kehnen. Der gebürtige Mindener erkannte schon früh, wo seine Bestimmung liegt. Nun macht er sich an der Christstraße selbstständig.

Die Leidenschaft begann, als Kehnen das Geigenspiel erlernte: „Als ich mir das erste mal eine Geige ausgesucht habe, sind wir auch zu einem Geigenbauer gegangen“, so der 30-Jährige. Als faszinierend beschreibt er noch heute dieses Erlebnis. Es folgte ein Betriebspraktikum bei einem Geigenbauer: „Mich interessierte vor allem die filigrane handwerkliche Arbeit“, erzählt Kehnen.

150 bis 200 Stunden für eine Geige

Zwischen 150 und 200 Stunden braucht er für den Bau einer neuen Geige. Jede ist ein Unikat: Durch diverse Feinheiten, wie die Art der Wölbung, lässt sich der Klang beeinflussen. „Ein bisschen Überraschung bleibt also immer.“ Der Unterbau des Instruments besteht aus Ahorn, die Oberfläche aus Fichte. Aus dem Rohholz entsteht dann Schritt für Schritt das fertige Produkt.Als Geigenbauer ist der 30-Jährige auch Experte für andere Streichinstrumente, bis hin zum Kontrabass.

Seine Ausbildung absolvierte Lukas Kehnen an der Instrumentenbauschule in bayrischen Mittenwald. Es folgten fünf Gesellenjahre beim Geigenbauer Matthias Weiken in Detmold. Und nun, nachdem der Nachwuchshandwerker 2017 seinen Meister gemacht hat, steht die Selbstständigkeit an.

In Bochum gibt es keinen Geigenbauer

An zwei Fragen machte er die Suche nach einer neuen Bleibe fest: Wo besteht noch Bedarf und wo kann er sich vorstellen zu wohnen? Bochum war da die optimale Kombination von beidem: „In Bochum gibt es keinen Geigenbauer.“ Die Konkurrenz ist nur in den Nachbarstädten Dortmund und Essen angesiedelt.

Und auch die Stadt im Herzen des Reviers hat es ihm angetan: „Das Ruhrgebiet finde ich spannend. Die Menschen hier sind von einem ganz anderen Schlag. Ich schätze die Ehrlichkeit.“

An Bochum im Speziellen gefällt dem Handwerksmeister die Größe und die vielen Grünflächen. Außerdem sieht er hier jede Menge Bedarf für sein Metier. Durch Musikforum, eine große Musikschule und diverse Amateurorchester (wie beispielsweise das Universitätsorchester) sind gute Voraussetzungen gegeben.

Reparaturen und Restaurationen

Dementsprechend breit will der Geigenbauer sich aufstellen. Reparaturen und Restaurationen werden in Zukunft wohl einen großen Teil seines Geschäfts ausmachen. Auch nicht eigens gebaute, aber etwas aufgebesserte Geigen wird man bei ihm finden. „Bei gekauften Geigen tausche ich mitunter den Stimmstock und den Steg aus. Das verbessert den Klang deutlich“, erzählt er. Wer tatsächlich eine eigens gebaute Geige erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Schnell 10 000 Euro kostet ein solches Werk.

Als Künstler sieht er sich indes weniger, mehr als Handwerker: „Natürlich nimmt man oft die Geigen der Großen, wie die von Stradivari, als Modell und orientiert sich daran“, so Kehnen. Ein paar Eigenheiten hätten die jede Geige jedoch trotz allem immer.

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