Einzelhandel

Leerstände in der Bochumer Innenstadt häufen sich

Nur noch bis Anfang 2020 verkauft Voswinkel Schuhe in der Innenstadt. Dann gibt das Unternehmen den Standort auf.

Nur noch bis Anfang 2020 verkauft Voswinkel Schuhe in der Innenstadt. Dann gibt das Unternehmen den Standort auf.

Foto: Andreas Rorowski

Bochum.  Leerstände in der City – auch in Bochum ist das ein Problem. Derzeit häufen sich die Geschäftsaufgaben. Ist die Stadt gewappnet?

Und wieder eine Geschäftsaufgabe in der Innenstadt. Das Schuhhaus Voswinkel schließt Ende Januar 2020 seine Filiale an der Kortumstraße. Es ist nicht die einzige Veränderung in der City.

Bochums Einzelhandel bekommt allmählich den Wandel im Kaufverhalten der Konsumenten zu spüren. Nachdem im Sommer schon der Modepark Röther seine 6500 m2 große Filiale im Bochumer Fenster geschlossen hat, gibt nun das traditionsreiche Schuhhaus Voswinkel auf, das auf eine lange Geschichte in Bochum zurückblicken kann („Schuhhaus spielt einst in der 1. Liga“). „Es ist richtig, wir verlassen die Kortumstraße“, bestätigt Heinz Werner Döring, Verkaufsprokurist der Klauser-Gruppe. Voswinkel gehört seit geraumer Zeit zu Klauser, das wiederum wie auch andere Marken mittlerweile Teil der Langenfelder Ara-Holding ist.

Geschäfte im Ruhrpark laufen gut

Ob Voswinkel Bochum ganz verlässt, nachdem schon im vergangenen Jahr die Filiale im Ruhrpark aufgegeben wurde, oder aber an anderer Stelle weitermacht, darüber schweigt sich der Prokurist noch aus. „Es sind nicht alle Gespräche mit den Mitarbeitern geführt worden.“ Allerdings lässt er durchblicken, dass die Umsatzzahlen offenbar zuletzt nicht mehr den Erwartungen entsprachen. „Wir bleiben ja mit Böhmer im Ruhrpark in Bochum. Dort sind wir sehr zufrieden.“

Mit Preisnachlässen soll nun der Warenbestand so weit wie möglich reduziert werden. 20 Prozent werden derzeit bei dem „Totalräumungsverkauf“ gewährt, wie die großen rot-weißen Plakate in den Schaufenstern verheißen.

Weitere Geschäfte geschlossen

Es sind nicht die einzigen großflächigen Hinweise bei der Suche nach Nachmietern. Im Kortumkarree macht Eigentümer Häusser-Bau darauf aufmerksam, dass nach dem Auszug des G-Star RAW-Store ein Ladenlokal in der Hausnummer 25 frei steht. Und an der Kortumstraße 32 hat das Möbelhaus „Wohnen+Ideen“ seine bevorstehende Geschäftsaufgabe ausgeflaggt. Eineinhalb Jahre nach ihrem 25-jährigen Geschäftsjubiläum wollen sich die Inhaber künftig mehr der Planung von Wohnraum widmen. Ihr Ladenlokal geben sie auf.

Damit wächst der Leerstand, den mittlerweile auch die Bochum Wirtschaftsentwicklung (WEG) auf dem Schirm hat – nicht zuletzt wohl vor dem Hintergrund eines wachsenden Flächenangebots. Im Viktoria-Karree sollen bis Ende 2022 insgesamt 15.000 m2 neue Ladenfläche entstehen. „Wir versuchen den Leerstand aktiv anzugehen“, so Flächenvermarkter Rouven Beeck von der WEG unlängst gegenüber dieser Zeitung.

Einzelhandelsflächen werden schrumpfen

Aus Sicht von Michael Mauer ist diese Entwicklung nicht überraschend. Der Eigentümer mehrerer Immobilien spricht von einem „natürlichen Anpassungsprozess“, der „unaufhaltsam“ sei. „Bis 2030 wird sich die Einzelhandelsfläche in der Innenstadt um 30 Prozent verringern“, so seine Prognose. Bochum attestiert er dabei gegenüber vielen anderen Städten in NRW, aber gerade auch im Ruhrgebiet, noch eine gute Ausgangsposition. Mit den Überlegungen zur Umgestaltung der Innenstadt hin zu einem vielfältigen Wohn-, Handels- und Erlebnisraum sei es auf dem richtigen Weg.

Derweil gibt es aber auch in der klassischen Vermarktung eine Erfolgsmeldung. Die Hüholdt Vermögensverwaltung steht kurz vor der Vollvermietung des Gewerbe- und Bürokomplexes an der Huestraße 30. Vor allem die Handelsflächen im Erdgeschoss hatten längere Zeit leer gestanden.

Reisebüro zieht eine Straße weiter

Nachdem vor einigen Monaten der Apple-Händler Gravis in das in den 1950er Jahren im Auftrag der Bank für Gemeinschaft errichtete Gebäude eingezogen ist, folgt demnächst nach aufwendigen Umbauarbeiten das City-Reisebüro. Es zieht von der Harmoniestraße ein paar Häuser weiter. „Wir wollten die Zahl unserer Arbeitsplätze auf zwölf erhöhen und dafür sind die Räume an der Huestraße besser geeignet“, so Oliver Schaeffer, Geschäftsführer des größten Reisebüros in Bochum mit 20 Reisenberatern. Zumal der Vermieter nach der Entkernung des Gebäudes alle Voraussetzungen für moderne Arbeitsplätze geschaffen habe. Im November werde das neue Reisecenter eröffnet, die Filiale an der Harmoniestraße werde außerdem noch für einige Monate geöffnet sein.

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