Bergbau

Künstler gedenken im Bochumer Museum des Endes des Bergbaus

Das „Theaitetos-Trio“ besteht aus vier (!) Musikern, die beim Museumsfest am Sonntag im Kunstmuseum ihre Performance „Ur-ruhr“ aufführten.

Das „Theaitetos-Trio“ besteht aus vier (!) Musikern, die beim Museumsfest am Sonntag im Kunstmuseum ihre Performance „Ur-ruhr“ aufführten.

Foto: Bastian Haumann

Bochum.   Der Klangkünstler Christof Schläger zeigt im Kunstmuseum sein fulminantes Abbauhammerkonzert. Dazu gibt es ein Fest mit Theater und Performances.

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Mit Siebenmeilenstiefeln naht das Ende der Bergbaus im Revier: Die letzte Schicht auf Zeche Prosper-Haniel in Bottrop setzt Ende des Jahres den Schlussakkord für knapp 200 Jahre Steinkohlebergbau, ein kompletter Wirtschaftszweig stellt dann seinen Dienst ein.

Überall im Ruhrgebiet ist dieses einschneidende Ereignis ein Thema, auch die Ruhr-Kunst-Museen beteiligen sich. 17 Häuser in ganz NRW haben mit Ausstellungen und Kunstprojekten des Endes des Bergbaus gleichzeitig gedacht, doch auch diese Phase geht jetzt zu Ende. „Die Ausstellungen in den meisten Häusern schließen heute“, sagt Museumsleiter Hans Günter Golinski am Sonntag im gut besuchten Forum des Kunstmuseums, wo dieser historische Moment mit einem großen Museumsfest begangen wird.

Kunstmuseum bleibt seiner Linie treu

Doch statt zum Abschied das Steiger-Lied anzustimmen, bleibt das Kunstmuseum seiner Linie treu und feiert den Abschied von der Kohle auf künstlerisch wertvolle Weise. Ein letztes Mal führen Golinski und der (nicht verwandte) Künstler Andreas Golinski durch die Rauminstallation „In den Tiefen der Erinnerung“, die seit Anfang Mai für Aufsehen sorgte. Mit Wucht und Schönheit verwandelte Golinski das Obergeschoss in eine Trümmerlandschaft.

Passend dazu zeigt der Herner Klangkünstler Christof Schläger im Forum des Museums sein fulminantes „Abbauhammerkonzert“. Schon seit Jahren begeistert sich Schläger für die Geräusche in Produktionsanlagen und Fertigungshallen. Zum Ende des Bergbaus hat er in zweimonatiger Arbeit eine Komposition entwickelt, die so radikal wie gewitzt mit den Werkzeugen der Bergleute spielt und daraus gewissermaßen eine „Symphonie der Bohrhämmer“ formt.

Drei Bergleute unterstützen das Paar

Presslufthämmer sowie Kesselbleche, Druckluftsirenen und eine Förderkorbglocke stehen im Mittelpunkt des knapp halbstündigen, ohrenbetäubenden Konzerts, das von Schläger am Notebook und seiner Frau Marjon Smit geleitet wird.

Drei Bergleute unterstützen das Paar und betätigen die verschiedenen Geräte exakt aufeinander abgestimmt. So kommt es, dass aus der gewaltigen Lärmkulisse nach kurzer Zeit tatsächlich Rhythmus und eine Art Swing entstehen. „Wir wollen das Gebäude nicht einreißen. Das sind subtile Klänge“, sagt Schläger. Das letzte, wehmütige Knattern des Bohrhammers klingt tatsächlich wie ein leiser Seufzer.

Mit einer Mischung aus Musik, Theater, Performance und Rezitation zeigt das Theaitetos-Trio eine bemerkenswerte Performance rund um die scheinbar alltägliche, aber oft unbekannte Industriewelt. Das Theater Rottstraße 5 zeigt am Abend den szenischen Vortrag „Die im Schatten leben“.

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