Kirche

Kirchen geben sich trotz Sinkflug der Mitgliederzahlen gelassen

In Bochums Kirchen besuchen immer weniger Gläubige Gottesdienste, feiern Taufen oder heiraten. Eine Ausnahme: Das Zisterzienserkloster in Stiepel. Hierhin zieht es Menschen aus einem weiten Umkreis.

In Bochums Kirchen besuchen immer weniger Gläubige Gottesdienste, feiern Taufen oder heiraten. Eine Ausnahme: Das Zisterzienserkloster in Stiepel. Hierhin zieht es Menschen aus einem weiten Umkreis.

Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto

Bochum.  Die Zahl der Mitglieder der katholischen und evangelischen Gemeinden in Bochum fällt seit Jahren. Dass 2015 weniger Menschen austraten als noch im Vorjahr, gibt den Kirchenobere Hoffnung.

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Über drei Jahre ist es inzwischen her, dass der Größenwahn des Bischofs von Limburg aufflog. Seit der Aufdeckung des letzten Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche sind einige Jahre vergangen. Und aktuell wird Prozess geführt über die Körperverletzung autistischer Schutzbefohlener in einer evangelischen Einrichtung. Vorfälle, die die Menschen weiterhin aus einer der Landeskirchen austreten lassen. Auch in Bochum.

Das Bistum Essen, zu dem auch die katholischen Kirchen in Bochum gehören, gab jetzt seine Jahresbilanz für 2015 heraus. Das Ergebnis: Auch hier gibt es immer weniger Katholiken und damit weniger Trauungen, Taufen und kirchliche Bestattungen. Letzteres obwohl die Zahlen aufgrund des demografischen Wandels viel höher liegen müssten. Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums, begründet das mit einer zunehmend „säkularisierten und pluraler werdenden Welt“.

53 Eintritte gegen 611 Austritte bei der katholischen Kirche

Von 113.657 gemeldeten Katholiken besuchten 2015 durchschnittlich 9795, also nur neun Prozent, Gottesdienste in einer der 41 Kirchen. 56 Eintritten stehen 611 Austritte gegenüber. Und nur 1076 aller verstorbenen Katholiken ließen sich kirchlich bestatten. Ein Ausreißer unter allen Gemeinden ist die St.-Marien-Gemeinde in Stiepel, zu der das Zisterzienserkloster gehört. Hier liegt die Gottesdienstbeteiligung bei knapp 14 Prozent, 79 Taufen und 37 Trauungen und 303 Bestattungen fanden 2015 hier statt.

Zwar ist die Zahl der Austritte gegenüber 2014 etwas gesunken, liegt aber über dem Durchschnitt des Gesamtbistums. „Auch in den Vereinen gehen die Mitgliederzahlen zurück“, sagt Stadtdechant Michael Kemper. „Aber trotz sinkender Zahlen gibt es in Bochum ein starkes Bewusstsein in den Gemeinden und einen guten Stamm an Ehrenamtlichen, die sehr engagiert ihren Dienst tun.“ Er mache sich zwar durchaus einige Sorgen um die Zukunft der Kirche, Angst habe er aber keine.

Sinkende Mitgliederzahlen haben Auswirkungen auf Kirchen

Auch Gerald Hagmann, Superintendent der evangelischen Kirche in Bochum gibt sich zuversichtlich: „Wir werden zwar kleiner, aber die Zahl derjenigen, die sich engagiert, steigt. Wir haben ein sehr buntes und lebendiges Gemeindeleben. In Bochum werden die Gotteshäuser nicht immer leerer“, behauptet er.

Tatsächlich gehörten im vergangenen Jahr mit 90.795 Mitgliedern insgesamt 1898 weniger der Kirche an. Davon waren 817 Austritte (also mehr als bei den Katholiken mit 611), der Rest sind Sterbefälle.

Drastische Auswirkungen haben die sinkenden Zahlen auf die Nutzung der Versammlungsorte: Immer mehr Kirchen im Stadtgebiet bleiben ungenutzt. Bei den Protestanten ist es derzeit lediglich eine (die Martini Kirche in der Essener Straße in Eppendorf), bei den Katholiken stehen drei Kirchen ungenutzt, vier sind vermietet und sechs katholische Kirchen wurden in den vergangenen Jahren verkauft. „Leerstehende Kirchen können auch eine Chance dafür sein, dass die Menschen nachdenklich werden“, sagt Stadtdechant Michael Kemper. Die größte Herausforderung für die kommenden Jahre sieht er darin, Kontakt zu Menschen zu bekommen, die in den Kirchen nicht auftauchen. „Wir müssen uns die Frage stellen“, sagt er, „wie es gelingen kann, Kirche nicht nur dort stattfinden zu lassen, wo das Gebäude steht, sondern in den Stadtteilen.“

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