Museum unter Tage

Kinder werden in der Situation Kunst zu Freiluftmalern

Ella und Soli (v.l.) lassen mit ein paar Farbtupfern bunte Landschaften auf dem Papier entstehen.

Ella und Soli (v.l.) lassen mit ein paar Farbtupfern bunte Landschaften auf dem Papier entstehen.

Foto: Gero Helm

Wie Impressionisten ließen sich Teilnehmer des Ferienworkshops zum Malen im Schlosspark Weitmar nieder – mit erstaunlichen Ergebnissen.

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Man darf sich also vorstellen, dass Claude Monet durch seinen Garten im französischen Giverny ging, er sich dann an einem Teich niederließ, um seine berühmten Seerosen zu malen. Von der Freiluftmalerei lassen sich sechs Kinder zwischen sieben und zehn Jahren inspirieren. In der Reihe „Kinder sprechen über Kunst“ in den Räumen des Museums unter Tage fordern die Kunsthistorikerinnen Shanice Lessmann (26) und Glenda Mense (34) die Kinder auf, genauer hinzuschauen.

„Was sieht man auf den Bildern?“, fragen sie zu Beginn in der Dauerausstellung „Weltsichten“. „Bäume“, „Wasser“, „Steine“, „Berge“, „Landschaften“, antworten Diana, Alva, Nike, Moritz, Ella und Solveig. Wie unterschiedlich eine Landschaft wirken und gemalt werden kann, erfahren die Kinder anhand von Werken der Maler: Gustave Courbet, Cuno Amiet und Pierre Bonnard. Das Suchspiel mit Detailkarten eines bestimmten Motivs lockt die Kinder an Bilder, die sie zuvor nur aus großem Abstand betrachtet haben.

Suche nach versteckten Details

Ein Detail finden sie in der Bergansicht von Gustav Courbet, Paysage du Doubs (1866). „Ich glaube, das Schwarze soll Wasser sein“, vermutet Moritz. Alva sieht „Rehe“. Nike vermutet später, das Bild sei vielleicht getupft. Es sind wenige Farben, die das Bild etwas düster wirken lassen. Nicht jeder pflichtet den Kursleiterinnen bei, die es als „gruselig“ einschätzen. „Ich finde es eigentlich schön, wenn ich mir vorstelle, da entlang zu gehen und den Himmel sehen zu können“, sagt Moritz. Gruselig? „Eigentlich nicht“, findet der Siebenjährige.

Bei den farbenfroheren Gemälden von Amiet und Bonnard wird das Tupfen und Streichen als Technik des Farbauftrags noch deutlicher. Es braucht eine Weile, bis das Dampfschiff in dem dunklen See erkennbar wird und wie es eine schwarzgraue Rauchwolke über sich herzieht. Das Kunstwerk von Bonnard offenbart erst spät eine Ebene hinter der Wolke, wo der Himmel in zarten Farben erscheint.

Sonnenuntergang und Trauerweide

Der Abschluss des Workshops „Aus Farbtupfen entstehen lichtdurchflutete Landschaften“ ist die Stunde der Muse am Teich des Schlossparks. Die Kinder sitzen nun am Uferhang und lassen den Ausblick auf ihren Bildern erscheinen. Alvas Trauerweide, die dem Teich auch in Wirklichkeit etwas melancholisch-majestätisches gibt, erscheint vor einem roten Himmel. Der Sonnenuntergang ist noch eine Weile hin, aber die Siebenjährige hat ihn sich dazu gedacht. Solveig verziert den Himmel über dem Teich mit bunten Farbtupfern, die an Strandkörbe erinnern oder eine Blumenwiese, die es hier im Schlosspark so auch nicht gibt. „Kreativ sein – weck dein Inneres“, sagt die Zehnjährige und beschreibt damit, was hier allen Kindern gelingt.

Die Freiluftmaler im Schlosspark greifen sogar die Techniken der impressionistischen Landschaftsmaler auf. Manches Gemälde, das an diesem Nachmittag entsteht, könnte sich in Öl gemalt und gerahmt durchaus unter die Ausstellung im Museum unter Tage schummeln.

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