Gründungstag der DDR

Keine Proteste bei Feier des „DDR-Kabinetts“ in Bochum

Andreas Maluga, 1. Vorsitzender des Vereins „DDR-Kabinett Bochum“, vor dem St.-Pius-Begegnungszentrum in Wattenscheid. Dort fand die Veranstaltung statt.

Andreas Maluga, 1. Vorsitzender des Vereins „DDR-Kabinett Bochum“, vor dem St.-Pius-Begegnungszentrum in Wattenscheid. Dort fand die Veranstaltung statt.

Foto: Gero Helm

Bochum.   100 Teilnehmer erinnern in Bochum an den 69. Jahrestag der Gründung der DDR. Proteste dagegen gibt es nicht. Veranstalter kritisiert Vorberichte.

Diesmal blieb der öffentliche Protest aus. Außer den knapp 100 Teilnehmern fand am Sonntagmorgen kein anderer Mensch den Weg zur Feier des „DDR-Kabinetts Bochum“ zum 69. Jahrestag der Gründung der DDR.

Vor drei Jahren hatten 20 Mitglieder der Grünen Jugend und der FDP gegen sie demonstriert. Die vergangenen beiden Jahre war es ruhig. Auch diesmal fand die Veranstaltung ohne Gegenstimme statt, wie geplant im Begegnungszentrum St. Pius in Wattenscheid.

Veranstalter kritisiert Berichterstattung

Andreas Maluga begrüßte die Teilnehmer. Der Chef des Wattenscheider DDR-Museums hatte sie erneut organisiert. Vehement kritisierte er die Vorberichterstattung der WAZ. Er habe nie verheimlicht, dass es sich um eine Veranstaltung des DDR-Kabinetts handeln würde. „Das ging aus meiner Anmeldung und der Rechnungsanschrift hervor.“ Der Sozialdienst der Katholischen Frauen und Männer, der Eigentümer des Begegnungszentrums, habe auch nie daran gedacht, die Veranstaltung abzusagen.

Auf WAZ-Anfrage hatte es in der vergangenen Woche keine offizielle Äußerung des Sozialverbandes gegeben. Richtig erbost war und ist Maluga aber darüber, wie „falsch“ über die Veranstaltung und das DDR-Kabinett berichtet werde. „Hier findet keine Verherrlichung des DDR-Regimes statt.“

DDR gehört zur deutschen Geschichte

Ursula Pinski sagte das gleiche. Sie hatte in der DDR bei der Polizei gearbeitet, war 1989 zwei Tage vor dem Fall der Mauer geflüchtet. Sie lebt seitdem in Bochum und nahm erneut an der Feier teil. „Wenn bei dieser Veranstaltung das Unrecht, das es in der DDR gegeben hat, verherrlicht würde, wäre ich die erste, die den Saal verlässt. Hier schwingen keine alten SED-Kader große Reden. Ich habe heftigste Repressionen in der DDR erlebt. Deswegen aber werde ich die DDR nicht komplett verdammen.“

Die DDR gehöre nun mal zur Deutschen Geschichte. Die regelmäßige Erinnerung an die Gründung sei daher auch nichts, was zu kritisieren sei. „Uns geht es um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema DDR.“

Nächstes Treffen Anfang 2019

Die sei zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen des DDR-Kabinetts möglich sagt Maluga. „Anfang nächsten Jahres findet wieder eine statt.“ Da könne jeder vorbeikommen und mit ihm diskutieren. „Gerne auch kontrovers.“

Am Sonntag wäre das aus einem bestimmten Grund nicht möglich gewesen. Maluga: „Für die Nutzung des Raumes im Begegnungszentrum gibt es klare Vorgaben des Ordnungsamtes. Mehr als 100 Menschen durften da Sonntag nicht rein. Deshalb war die Veranstaltung auch nicht-öffentlich.“

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