Nach dem Wahlerfolg

Jetzt geht es bei Bochums Grünen um die richtige Strategie

Ein Bild mit Symbolkraft. Bei der Wahlparty am Sonntag, waren die jüngsten Grünen mit dabei. Wer weiß es schon, ob da schon eine künftiger Oberbürgermeister anwesend war.

Ein Bild mit Symbolkraft. Bei der Wahlparty am Sonntag, waren die jüngsten Grünen mit dabei. Wer weiß es schon, ob da schon eine künftiger Oberbürgermeister anwesend war.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Bochum  Die Grünen beraten nach dem Wahlsieg die richtige Strategie. Mit der Kommunalwahl rückt auch die Frage nach einem OB-Kandidaten in den Fokus.

. Mit Grün ist zu rechnen in Bochum. Denn wer sich Fotos von jubelnden Politikern nach Wahlsiegen häufiger betrachtet, kann recht schnell eine Siegerpose von bloßer Pose trennen und bierseligen Jubel von echtem Jubel . „Abends im Ratskeller da haben wir gefeiert und schon Pläne geschmiedet“, verrät Kreisgeschäftsführer Oliver Buschmann. Feiern konnten die Grünen in Bochum in letzter Zeit häufiger, doch den Abend des 26. Mai dürften sie nicht so schnell vergessen. Vor allem deshalb: Die bierseligen Phantasien der Nacht scheinen selbst am Montag – bei nüchternem Lichte betrachtet – durchaus mit Realität behaftet zu sein.

Die Situation der Umweltpartei ließ sich bislang grob in drei Phasen aufteilen. Die der Gründung Anfang er 1980er Jahre und Findung mit Personen wie Jörg Drinnhausen oder Wolfgang Cordes, dann als zweite Phase die Zeit der frischen Koalition der Zusammenarbeit mit der von vielen Grünen meist als übermächtig empfundenen SPD. Die anfängliche Dynamik der Grünen in dieser Koalition hat, drittens, nach Meinung von vielen Beobachtern zuletzt deutlich nachgelassen und wurde zäher, ja bleiern. Jetzt dieser historische Erfolg.

Kampfeslust am Tag eins nach der Wahl

Es stellt sich nun die Frage, wie denn die Grünen umgehen mit einem Wahlergebnis, das in gleich drei Kommunalwahlbezirken mit Ergebnissen von deutlich über 30 Prozent auftrumpfen kann (Innenstadt Nord/Schmechtingwiese 33,69 Prozent, Ehrenfeld 36,83 Prozent, und Innenstadt-Südost 35,59 Prozent). Eine in ihrem Kerngebiet gedemütigte SPD. Das ist eine Situation, die, so Parteisprecher Hans Bischoff am Wahlabend fast schon bescheiden konstatierte, „erst einmal verdaut werden muss“.

Schon am Morgen danach hatten sie offenbar schon ganz gut verdaut. Denn in einer quasi-offiziellen Verlautbarung via Internet klang Bischoff schon ganz anders: „Diese Wahl sehen wir als Ansporn für die Kommunalwahlen nächstes Jahr. Jetzt werden wir erst einmal unser Ergebnis analysieren und noch stärker daran arbeiten, Bochum noch sozialer und ökologischer zu machen. Denn der Kampf gegen den Klimawandel muss jetzt intensiver geführt werden!“ Jetzt wird gefordert.

Wahlnachlese mit vielen Optionen

Denn am Montagabend (27.) sitzen sie schon wieder zusammen. Fraktion und Kreisvorstand steckten die Köpfe zusammen, um nicht nur den Kampf gegen den Klimawandel mit ordentlich Rückenwind aufzunehmen, sondern vor allem, um das Rathaus. Eingeweihte sagen, dass es vor der Wahl etwa 50/50 gestanden habe, was die Aufstellung eines eigenen OB-Kandidaten anlangt. Jetzt wird neu gemischt. „Diese Wahl hat gezeigt, was für ein Potenzial die Grünen in Bochum haben.“ Dreimal bisher haben es die Grünen in Bochum mit einem eigenen Kandidaten für dieses Amt versucht. Zum ersten Mal 1999 erreichte Wolfgang Cordes gut 7 Prozent der Stimmen, fünf Jahre später waren es immerhin 9,3 Prozent. Nach einem Aussetzer traten die Grünen 2015 mit Monika Engel an, die immerhin 8,57 Prozent der Stimmen erreichte. Und nun?

In den Jahren kletterte auch die Zahl der Mitglieder deutlich. 2016 waren es rund 260, heute haben die Grünen knapp 400 Mitglieder. Vor allem viele junge Menschen entschließen sich zum Mittun.

Viele Grüne sehen nun die Chance gekommen, für den Griff nach den Sternen. Die Kommunalwahl im September 2020, sie könnte die Zeitenwende bedeuten.

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