Viktoria-Karree

Investor startet Abbruch der alten Gerichtsgebäude in Bochum

Weiße Riesen nennt der Volksmund die hohen ehemaligen Gerichtsgebäude am Westring (rechts). Das Bild zeigt, warum. Noch im Februar sollen die Arbeiten zum Abbruch beginnen, Allerdings erst einmal im Inneren.

Weiße Riesen nennt der Volksmund die hohen ehemaligen Gerichtsgebäude am Westring (rechts). Das Bild zeigt, warum. Noch im Februar sollen die Arbeiten zum Abbruch beginnen, Allerdings erst einmal im Inneren.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Noch im Februar soll der Abbruch der alten Gerichtsgebäude in der Bochumer City starten. Geschäfte, Hotel und Büros sollen Ende 2021 fertig sein.

Die Arbeiten zum Abbruch der ehemaligen Gerichtsgebäude in der Innenstadt sollen noch in diesem Monat beginnen. Das teilten Stadt und Investor auf Anfrage mit. Als Eröffnungstermin für das geplante, 150 Millionen Euro teure Einkaufs- und Verwaltungszentrum Viktoria-Karree nennen die Verantwortlichen Herbst 2021.

Seit über einem Jahr gammelt der riesige, bis zu 16 Stockwerke hohe Gebäudekomplex zwischen Westring und Viktoriastraße vor sich hin. Ringsum sammelt sich Unrat. Graffiti-Sprayer schmieren die Wände voll. Der Eingangsbereich am Westring gibt bei Frost und Eis Obdachlosen Schutz.

Seit Anfang November 2017 sind die Gerichte am Ostring zu Hause. Warum also tut sich nichts an der Immobilie im Herzen der City? Standen doch die politischen Beschlüsse im Rathaus nahezu immer unter Zeitdruck.

Zustimmung des BLB fehlt

„Wir folgen gern dem Wunsch der Stadt und fangen an,“ sagt Harald Ortner, Geschäftsführer des Investors Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB). Es fehle aber noch an einer Abstimmung mit dem (Noch)-Eigentümer Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). Von dort gab es am Freitag keine Stellungnahme.

Die HBB werde zudem, anders als ursprünglich mitgeteilt, auch ohne Baugenehmigung mit dem Abbruch beginnen, sollte der BLB dem „Angebot“ der HBB zustimmen, so Ortner. „Wir haben Vertrauen in die Stadt, dass das, was besprochen worden ist, auch umgesetzt werden kann.“

Asbest muss entfernt werden

Die Gespräche mit der Stadt scheinen weit fortgeschritten. „Der Bauantrag liegt in den letzten Zügen“, sagt Stadtbaurat Markus Bradtke. „Das Ende ist gut absehbar, die Genehmigung wird schnellstmöglich erteilt.“ Noch in dieser Woche will Kai Steindl, technischer Geschäftsführer des Investors, daher auch den Auftrag zum Abbruch erteilen. „Wir haben einen Unternehmer gefunden. Mitte Februar, spätestens Ende des Monats wird die Baustelle eingerichtet.“

Der Abbruch beginnt innen mit dem Ausbau der Schadstoffe. In erster Linie geht es dabei um Asbest. Das gefährliche Material ist, wie es in den 1970er Jahren üblich war, reichhaltig verbaut worden – in Dämmstoffen und als Spachtelmasse für Gipskartonwände. Etage für Etage muss daher unter strengen Sicherheitsauflagen gesäubert werden. „Laien werden in den ersten Monaten gar nicht sehen, dass etwas passiert“, kündigt Steindl an. Frühestens im Sommer beginne der Abbruch der Gebäude. „Bis Ende des Jahres soll die Baugrube ausgehoben sein.“

Die Baugrube wird acht Meter tief

Bis zu acht Meter tief geht es in die Erde, damit Versorgungsleitungen und zwei Ebenen einer Tiefgarage Platz finden. Steindl: „Die Arbeiten in der Grube werden rund ein halbes Jahr dauern. Wenn alles gut geht, sind wir im Sommer 2020 wieder bodengleich.“

Anderthalb Jahre später soll das Viktoria-Karree eröffnen. Geplant sind maximal 15.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, Hotel, Fitnesscenter, Gastronomiebetriebe und auf 15.000 Quadratmetern städtische Büros. Die Stadt garantiert dem Investor als Ankermieter für Büros und Tiefgarage Einnahmen in Höhe von rund 70 Millionen Euro.

WAZ-Leser sind eingeladen

Die Innenstadt wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Nicht nur der Bau des Viktoria-Karrees (siehe Bericht oben) steht an, sondern auch der Umbau des benachbarten Telekomgebäudes zu einem „Haus des Wissens“. Stadtbücherei, Volkshochschule und eine Markthalle sollen dort Platz finden.

Hinzu kommt die Neugestaltung des Rathaus-Umfeldes. Politisch beschlossen ist der Abriss des Bildungs- und Verwaltungs-Zentrums (BVZ) am Gustav-Heinemann-Platz. Die Zukunft anderer Gebäude (Musikschule, Gesundheitsamt) ist ungewiss. Stadtnahe Wohnungen sollen auf den Flächen dort entstehen.

Kritik und Pläne sind das Thema

Das Konzept der Stadt, das die große Mehrheit der Politik befürwortet, scheint schlüssig. Gleichwohl gibt es Kritik. Bürger sorgen sich um den Appolonia-Pfaus-Park und vermissen die Einbindung der Menschen, die in der Innenstadt leben oder diese nutzen.

Beim WAZ-Forum Politik, das die Redaktion in Kooperation mit der Volkshochschule durchführen wird, sollen die Pläne der Stadt und die Sorgen der Bürger Thema sein. Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD), Rainer Midlaszewski vom Bürger-Netzwerk Stadt für alle, Andor Baltz, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bochumer City (Ibo), Barbara Thüer vom Netzwerk Innenstadt NRW und der gebürtige Bochumer Stadtplaner León Díaz-Bone (Barcelona) werden mit WAZ-Redaktionsleiter Thomas Schmitt diskutieren.

Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Die Veranstaltung für politisch interessierte WAZ-Leser findet am Donnerstag, 21. Februar, ab 18 Uhr im Forum der VHS, Gustav-Heinemann-Platz 2-6, statt. Leserfragen sind willkommen, mitreden gewünscht. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter der Rufnummer 0201/804 80 58 aber erforderlich.

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