Inklusives Theater

Inklusives Claudius-Theater wagt sich an Goethes Faust

Erste Probe des inklusiven Claudius-Theaters zum Projekt „Faust 1“. Gut zu sehen: Die Bewegung steht bei der Aufführung im Mittelpunkt.

Erste Probe des inklusiven Claudius-Theaters zum Projekt „Faust 1“. Gut zu sehen: Die Bewegung steht bei der Aufführung im Mittelpunkt.

Foto: Klaus Pollkläsener

Mitte.  Inklusives Ensemble studiert Goethes Meisterwerk ein. Original wird von 100 auf zehn Seiten gekürzt. Bewegung steht auf der Bühne im Vordergrund.

Das inklusive Ensemble Claudius-Theater wagt sich in seiner fünften Produktion an einen der größten deutschen Dichter heran: Im Frühjahr nächsten Jahres feiert Goethes Faust Premiere.

Dabei handelt es sich um eine Adaption des Klassikers. Jens Niemeier, künstlerischer Leiter: „Ich habe das Original von 100 auf zehn Seiten gekürzt. Ich musste ausgehen von der Frage, wie ich mit einer inklusiven Gruppe Faust auf die Bühne bringen kann.“ Ihm schwebt vor allem ein Bewegungstheaterspiel vor. Deshalb hat er sich Carina Langanki, Tanzpädagogin und Choreographin am Jungen Schauspielhaus, ins Boot geholt. Die Annäherung von Faust und Gretchen geschieht also mehr tänzerisch als semantisch.

Gefühle und Sehnsüchte stehen im Mittelpunkt

Dabei will Jens Niemeier Platz lassen für Biografisches, wird die Teilnehmer fragen: „Was hat das mit mir zu tun?“ Es gehe ihm mehr um Gefühle und Sehnsüchte der Menschen als um eine originalgetreue Inszenierung der Vorlage. So hat etwa der Teufel einen neuen Namen: „Mephisto — das ist so sperrig. Bei uns heißt er Lu, nach Luzifer.“

Verknüpft werden das Vorspiel auf dem Theater und der Prolog im Himmel, wo Gott und Satan um Faust wetten. Beim Claudius-Theater werden daraus drei Engel, die für einen Theaterdirektor, einen Dichter und einen Schauspieler stehen. „Wie Waldorf und Statler aus der Muppet-Show schweben sie über allem und geben ihre Kommentare ab.“

Das Ensemble ist diesmal mit 19 Schauspielern größer als bei vergangenen Inszenierungen. Niemeier: „Das ist die Obergrenze. Denn zum einen ist der Saal in den Claudius-Höfen nicht sehr groß, zum anderen brauchen einige der Teilnehmer eine Betreuung.“ Deshalb bekommen sie sozialpädagogische Unterstützung. Insgesamt aber gelte: Die Darsteller unterstützen sich gegenseitig, egal, ob behindert oder nicht. „Unsere Grundidee ist, dass wir Inklusion nie thematisieren, sondern einfach machen.“

Planungssicherheit bis 2020

Noch eine gute Nachricht: Das Claudius-Theater hat Planungssicherheit bis 2020. Die Familie Lichtenberger fördert das Ensemble mit 5000 Euro pro Jahr. Für die Produktion akquiriert der Verein Kunst und Kultur in den Claudius-Höfen weitere Mittel, etwa über die Aktion Mensch. Gerd Lichtenberger, Geschäftsführer der Life-Jugendhilfe, hat schon in der Vergangenheit die Theatergruppe unterstützt. Nun hat er seine Tochter Sarah, Geschäftsführerin der Web-Individualschule GmbH, für die Idee begeistern können.

„Meine Eltern haben als erste Inszenierung ,Work-Life-Balla-Balla’ gesehen und waren derart begeistert. Besonders meine Mutter Brigitte kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.“ Diese findet, auch, nachdem sie weitere Produktionen wie Peer Gynt und „Klänge des Lebens“ gesehen hat: „Spätestens, wenn man die Leute auf der Bühne sieht, erkennt man das Alleinstellungsmerkmal des Ensembles.“

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