Initiative „Gerthe-West“

Initiative „Gerthe-West – so nicht!“ zieht die Massen an

Der Saal im katholischen Vereinshaus war sehr gut gefüllt. Die Initiative „Gerthe West – so nicht“ stellte sich vor.

Der Saal im katholischen Vereinshaus war sehr gut gefüllt. Die Initiative „Gerthe West – so nicht“ stellte sich vor.

Foto: Sebastian Sternemann

Gerthe.   Das katholische Vereinshaus platzt aus allen Nähten. Weitere Unterschriften gegen die Pläne zum Bau von 800 Wohnungen werden gesammelt.

Um kurz vor sieben ist alles dicht: Einlass-Stopp im katholischen Vereinshaus am Castroper Hellweg. Hier, wo sich die erst im Dezember neu gegründete Bürgerinitiative „Gerthe-West – So nicht!“ vorstellen möchte, passt keiner mehr rein. Sie wendet sich gegen das Wohnbauprojekt in Gerthe mit bis zu 800 Wohnungen. Sitzplätze gibt es schon lange nicht mehr im großen Saal der Kneipe, mittlerweile sind auch die Stehplätze am Rand voll, Besucher stehen in den Gängen – die Sicht ist schlecht.

Zweiter Raum muss her

160 Gäste dürfen hier aus Brandschutzgründen insgesamt rein. Die hat man locker erreicht. Die Initiative hat im Vorfeld rund 2000 Flyer verteilt, zusätzlich wurde in den sozialen Netzwerken die Werbetrommel gerührt. „Wir wussten, dass es voll wird – der Auflauf jetzt ist trotzdem eine kleine Überraschung“, sagt Ursula Henke, Mitbegründerin der Initiative zufrieden. Auf den Fall der Fälle war man allerdings vorbereitet: Unweit der Gaststätte haben die 30 Mitglieder der Initiative einen zweiten Raum organisiert. Hier passen nochmal rund 80 Menschen rein. Mehreren Dutzend Interessierten muss der Zutritt gänzlich verwehrt werden.

Klimatische und soziale Probleme befürchtet

An beiden Orten läuft zeitgleich dasselbe Programm. Eine Präsentation über das neue Wohnprojekt in Gerthe und die vermeintlichen Folgen für Gerthe-West. „Am meisten stört uns, dass niemand so wirklich darüber Bescheid weiß, was überhaupt geplant wird, das wollen wir ändern“, erklärt Henke. Sie und ihre Mitstreiter fürchten, dass die Pläne der Stadt infrastrukturelle (mehr Verkehr), ökologische (gefährdete Tiere), klimatische und soziale Probleme nach sich ziehen werden.

Zur Erinnerung: Die Stadt Bochum plant Wohnungen auf den ehemaligen Flächen der Westumgehung. Dort sollen mehrstöckige Häuser entstehen. „Es wirkt, als hätte die Stadt kein wirkliches Konzept. Warum macht man nicht mal etwas Innovatives? Umweltfreundliche oder Mehr-Generationen-Häuser beispielsweise“, fordert Ute Naumann. Sie ist mit ihrem Mann Carsten Krinke (der eine Online-Petition zum Stopp der Bebauungsplanung initiiert hat) vor vier Jahren nach Hiltrop gezogen.

Verlust von Grünflächen

„Vor allem, weil es Charme hat“, sagt Krinke. Die beiden haben jetzt Angst, dass dieser Charme durch Verlust von Grünflächen und „der gewachsenen Siedlungsstruktur“ kaputt geht. Doch nicht jeder Besucher teilt diese Meinung. Andreas Viedt glaubt nicht, dass die Bebauung die befürchteten Folgen nach sich zieht. „Und teilweise entsprechen die Ausführungen auch einfach nicht der Wahrheit“, erklärt der Hiltroper. Eine wirkliche Diskussion entsteht auf der Veranstaltung nicht. Das würde den Rahmen sprengen. Feedback wurde schriftlich auf vorbereiteten Bögen eingereicht. Für die Initiative ist der Abend ein Erfolg: 200 neue Unterschriften gegen die Baumaßnahmen gibt’s am Ende.

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