Friedhofskultur

In „Oase der Erinnerung“ gibt’s letzte Ruhe all inclusive

Mehr Park als Friedhof: Auf Feld 27 am Freigrafendamm unterhält die Genossenschaft der Friedhofsgärtner die „Oase der Erinnerung“. Es ist die einzige Anlage ihrer Art in Bochum und bietet Platz für über 200 Grabstätten.

Mehr Park als Friedhof: Auf Feld 27 am Freigrafendamm unterhält die Genossenschaft der Friedhofsgärtner die „Oase der Erinnerung“. Es ist die einzige Anlage ihrer Art in Bochum und bietet Platz für über 200 Grabstätten.

Foto: Gero Helm

Bochum.   Letzte Ruhe all inclusive: Die „Oase der Erinnerung“ der Friedhofsgärtner auf dem Hauptfriedhof hat sich sieben Jahre nach dem Start etabliert.

Ihr Vater starb vor drei Jahren. „Die Bestatterin machte uns damals auf die außergewöhnliche Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Hauptfriedhof aufmerksam“, erzählt Christiane Große-Bley. Schnell sei die Entscheidung für die „Oase der Erinnerung“ gefallen. Denn: „Das hier ist mehr Garten als Friedhof.“

Vor sieben Jahren hatte die Genossenschaft der Bochumer Friedhofsgärtner (24 Mitglieder) das Pilotprojekt gestartet. Die Stadt stellte der Genossenschaft ein 2500 Quadratmeter großes Gräberfeld auf dem Zentralfriedhof am Freigrafendamm kostenlos und unbefristet zur Verfügung. „Unser Ziel war es, eine neue Bestattungskultur zu etablieren und ein parkähnliches, gärtnerisch hochwertiges Umfeld voller Harmonie und Besinnung zu schaffen“, sagt Vorstand Frank Plöger und schwärmt vom „außergewöhnlichen Friedhofserlebnis“.

Engelfiguren und Ruhebänke

Die Botschaft kommt an. 150 Bestattungen wurden seit 2010 in der „Oase der Erinnerung“ vorgenommen: davon 60 Prozent Urnen-Beisetzungen (der Anteil liegt stadtweit nahe 80 Prozent). „Unsere Idee hat sich etabliert“, sagt Friedhofsgärtner Peter Franke und verweist auf die aufwändige landschaftliche Gestaltung mit Steinskulpturen und -elementen, Ruhebänken, Engelfiguren und üppiger, saisonal angepasster Bepflanzung und Vegetation. „Egal zu welcher Jahreszeit: Hier sieht es niemals trist aus. Sogar Weintrauben wachsen hier“, sagt Frank Plöger.

Bei 56 Grabstellen nehmen die Friedhofsgärtner Anleihe beim Luther-Zitat „Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Unter sieben Apfelbäumen können kreisförmig jeweils acht Urnen beigesetzt werden. Zahlreiche Kissensteine rund um die Bäume dokumentieren, wie beliebt diese Art der Bestattung inzwischen ist.

Dauerpflegevertrag gilt für 25 Jahre

Die „Oase“ hat ihren Preis. Zusätzlich zu den städtischen Friedhofsgebühren ruft die Genossenschaft 4930 Euro für ein Erd- und 4640 Euro für ein Urnenreihengrab auf (unterm Apfelbaum ist es 400 Euro günstiger). Der Dauerpflegevertrag gilt für 25 Jahre und umfasst die Gestaltung und Pflege der Grabstelle sowie den Unterhalt der gesamten Anlage. Letzte Ruhe all inclusive: „auch wenn die Angehörigen selbstverständlich die Möglichkeit haben, ihre Grabstätten individuell zu schmücken und zu bepflanzen“, betont Frank Plöger – allerdings nur so, dass sich die Gräber der beschaulichen „Oase“ anpassen. Mächtige Hecken etwa oder meterhohe Lebensbäume sind ausdrücklich unerwünscht.

Beim WAZ-Besuch zeigt sich: Die Anlagen sind top in Schuss, die Gräber liebevoll gepflegt. Auch die Ruhestätte von Christiane Große-Bleys Vater.. „Er liebte Gärten und Blumen“, sagt sie und weiß: Diese Oase hätte auch Vater gemocht.

>>>>50 Grabstellen sind noch frei

In der „Oase der Erinnerung“ sind noch knapp 50 Grabstellen frei. Zudem gibt es eine angrenzende Fläche, die in ähnlicher Weise genutzt werden soll.

Auch Anlagen auf weiteren Bochumer Friedhöfen würden sich die Gärtner wünschen.

Alle Informationen auf www.oase-der-erinnerung.de.

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