Hochwasser

Hochwasser in Bochum: Die Folgen sind noch immer spürbar

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Manfred Wittmann (links) und Ralf Höfgen vom Linden-Dahlhauser Kanu-Club in Bochum-Dahlhausen schauen sich noch einmal Bilder vom Hochwasser im Sommer an. Sie stehen im Bootshaus, dass mannshoch unter Wasser stand.

Manfred Wittmann (links) und Ralf Höfgen vom Linden-Dahlhauser Kanu-Club in Bochum-Dahlhausen schauen sich noch einmal Bilder vom Hochwasser im Sommer an. Sie stehen im Bootshaus, dass mannshoch unter Wasser stand.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Dahlhausen.  Das Hochwasser vom Juli hat für die Menschen an der Ruhr in Bochum teils ungeahnte Folgen. Die Lage vor Ort ist noch immer angespannt.

Das verheerende Hochwasser Mitte Juli und seine Folgen: Bis heute leiden die Menschen an der Ruhr in Bochum darunter. Das Wasser selbst war erstaunlich schnell wieder weg, sagen die Betroffenen an der Ruhrmühle in Dahlhausen beim Besuch vor Ort, ein knappes halbes Jahr danach. Doch das, was blieb, beschäftigt sie bis heute. Viele Schäden sind noch nicht beseitigt.

Bochum: Hochwasser im Juli hat ungeahnte Folgen

Es dröhnt in den Räumen des Linden-Dahlhauser Kanu-Clubs (LDKC). Unentwegt. Vier Trockengeräte stehen seit dem 18. Juli in den Umkleiden und geben alles, rund um die Uhr. „Bis vor kurzem waren es sogar acht“, sagt Ralf Höfgen, der Vorsitzende. Erst wenn die Wände richtig trocken sind, könne man sie sanieren. Mit Spezialputz und -farbe, damit der Schaden beim nächsten Hochwasser geringer ausfällt.

Doch so etwas hatte man auch an der Ruhrmühle nicht erwartet. Dabei ist man hier nasse Füße durchaus gewohnt. Kniehoch stehe das Wasser manchmal, erzählt Höfgen, aber mannshoch, bei 1,80 Meter? „Das hatten wir hier noch nie. Ich wäre komplett unter Wasser gewesen.“

Das Wasser ist weg, der Schaden aber geblieben. Bis zu 150.000 Euro, schätzt Höfgen, koste die Sanierung von Bootshaus, Umkleiden, Technik, Außenfassade und die Neuanschaffung beschädigter Boote. Ärgerlich: Die Renovierung über das Landesprogramm „Moderne Sportstätte“ war gerade abgeschlossen. Glück im Unglück: „Darüber können wir nun Mittel auf Wiederherstellung beantragen.“

Doch das dauert und bedeutet viel Schreibkram. „Wir müssen drei Vergleichsangebote einholen, das Ganze begutachten lassen und benötigen von der Stadt eine Bescheinigung, dass unsere Sportstätte dem Allgemeinwohl dient“, umschreibt Höfgen die Auflagen.

Junge Vereinsmitglieder erkrankt: LDKC lässt Hochwasser-Schlamm untersuchen

Viel schlimmer findet er aber gesundheitliche Probleme, die im Zuge des Hochwasser bei einigen Kindern und Jugendlichen aufgetreten sind. „Die klagen alle über Magenprobleme. Gleiches hört man ja auch aus den Hochwassergebieten an Ahr und Erft“, sagt Ralf Höfgen, der den Schlamm, den das Hochwasser hinterlassen hat, nun auf Fäkalien und Chemikalien untersuchen lässt. „Damit wir wissen, wie wir unsere Räume richtig reinigen lassen müssen, um weitere Erkrankungen zu vermeiden.“ Denn der Dreck sitzt noch an vielen Stellen, vor allem im Bootshaus, wo natürlich längst wieder Betrieb herrscht. Da kommt man schnell mit in Berührung.

Doch der LDKC hat auch Positives zu vermelden. Mitten in die schlimmste Phase der jüngsten Vereinsgeschichte mit Corona und Hochwasser steigt die Mitgliederzahl. „Wir verzeichnen in den vergangenen Monaten 40 Neuanmeldungen“, freut sich der Club-Chef. „Und alle sind sehr engagiert und fragen schon ständig, wann sie denn beim Renovieren helfen können.“ Das gibt Hoffnung für einen Verein, dessen Motto lautet: „Immer nach vorne schauen.“

Das können auch die Mitglieder des benachbarten Vereins Ruhrlandbühne tun. Dabei sah es nach dem Hochwasser ganz schlimm aus. „30.000 Euro Schaden, keine Versicherung und wegen Corona keine Auftritte“, sagt Dirk Schmieder vom Musik- und Karnevalsverein. „Wir standen kurz vor der Pleite. Doch viele, viele private Spenden haben uns gerettet. Dafür möchten wir uns bei allen ganz herzlich bedanken.“

So können jetzt Heizung, Elektrik, Zapfanlage und Technik erneuert werden. „In Kürze wollen wir mit dem Verputzen und Streichen der Wände beginnen“, kündigt Schmieder an. Zumindest die Instrumente habe man vor dem Hochwasser retten können. Schmieder betont nicht nur aufgrund der Spenden, dass der Zusammenhalt an der Ruhrmühle durch die Katastrophe noch stärker geworden ist. „Das hat die Vereine untereinander noch enger zusammengeschweißt.“

Flutopfer wohnt vier Monate beim Sohn

Seinem Spitznamen Happy macht derweil Herbert Lappe alle Ehre. Er wohnt ein paar Meter weiter, neben dem Campingplatz. Ihm ist im Juli das ganze Haus abgesoffen. „Ich war zum Glück versichert, der Großteil des Schadens wurde mir bezahlt und ersetzt.“ Trotzdem mussten seine Frau Ursula und er aus dem Haus. „Vier Monate haben wir bei meinem Sohn in Wattenscheid übernachtet“, erzählt der 82-Jährige. Erst kurz vor Weihnachten konnte das Ehepaar wieder zurück zur Ruhrmühle.

Eine spektakuläre 360-Grad-Aufnahme vom Hochwasser an der Ruhrmühle finden Sie hier .

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