Stadtgeschichte

Historiker räumen mit Bochumer Legende des Kuhhirten auf

Das legendäre Kuhhirten-Denkmal an der Propsteikirche St. Peter und Paul in der Innenstadt.

Das legendäre Kuhhirten-Denkmal an der Propsteikirche St. Peter und Paul in der Innenstadt.

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Bochum.  Die Kortum-Gesellschaft gibt ein neues Geschichtsheft heraus – und räumt mit einer Legende auf. Wie war das eigentlich mit dem Kuhhirten?

Die „Bochumer Zeitpunkte“ sind neu erschienen. Wie immer, bietet das von der Kortum-Gesellschaft herausgegebene Heft zu Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege ebenso interessante wie fundierte Beiträge. Unter anderem wird die beliebte „Sage“ um das Denkmal des Bochumer Kuhhirten einer Neubetrachtung unterzogen.

Der „Kuhhirte“ an der Treppe zur Altstadt ist das bekannteste Bochumer Denkmal und sicher auch ein Wahrzeichen unserer Stadt. Dass der Bronze-Hirte mit seinem Hund und der Tute seit 1962 an dieser Stelle steht, werden manche wissen. Und auch, dass es bis in den Krieg hinein ein erstes, größeres Kuhhirten-Denkmal am Alten Markt an der Propstei gegeben hatte, das 1908 errichtet worden war.

Zeigt das Denkmal wirklich Heinrich Kortebusch?

Diese bekannten Geschichten zeichnet Hansi Hungerige in seinem breit angelegten und mit vielen historischen Fotos bestückten Beitrag in den „Bochumer Zeitpunkten“ nach.

Außer der unumstrittenen Entstehungsgeschichte des „Kuhhirten“ als Symbol der Wirtschaftskraft vor der Industrialisierung räumt Hungerige aber auch mit der Legende auf, die sich in all den Jahren um das Denkmal rankte. Nämlich der Idee, dass es sich bei der dargestellten Figur um jenen Diederich Heinrich Kortebusch handeln könnte, der nachgewiesenermaßen bis 1866 als Bochumer Stadthirte das Vieh der Ackerbürger auf der Vöde (heute Stadtpark) betreute.

Anlehnung an Friedrich den Großen

Es sei zu vermuten, so Hungerige in seinem Beitrag, dass bereits kurz nach der Einweihung 1908 die Bochumer „ihrem“ Denkmal einen eigenen Namen gegeben hätten. Dabei kam es zur Vermischung des Kuhhirten ausgerechnet mit Friedrich II., genannt „der Große“. An dessen in Potsdam stehendem Standbild habe man sich, dem nationalen Zeitgeist jener Jahre folgend, wohl orientiert, vermutet Hungerige. Denn der Kuhhirte stützt sich auf seinen Hüte-Stock wie der König auf seinen „Commando-Stab“. Und statt des Windhundes an der Seite des preußischen Regenten ist dem westfälischen Hirten ein kläffender Spitz beigestellt.

„,Der Alte Fritz’, ,der alte Kortebusch’, ,der alte Fritz Kortubusch’ war daher vermutlich eine naheliegende Assoziation“, stellt Heimatforscher Hansi Hungerige fest. Wer hätte das gedacht?!

Terrassenwohnhaus zählt zu den weiteren Themen

Weitere Themen in den „Bochumer Zeitpunkten“ sind die Bau- und Architekturgeschichte des Terrassenwohnhauses an der Girondelle in Querenburg, die lange währende und schließlich erfolgreich beendete Sanierung des historischen Kirchhofs in Ümmingen sowie ein Beitrag über die Frühphase der kommunalen Eisenbahnpolitik im Bochum zu Anfang des 19. Jahrhunderts.

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