War es für schwangere Frauen in Bochum früher meist mit viel Glück verbunden, eine passende und freie Hebamme zu finden, schließt diese Lücke seit 2018 die Hebammenzentrale. Sie bringt verlässlich Schwangere und Wöchnerinnen mit Hebammen zusammen. Aktuell könne jede Frau, die dort um eine Hebamme bitte, kurzfristig versorgt werden, sagt Leiterin Jennifer Kopp.

Sowohl für die Hebammen als auch für die suchenden Frauen ist das Angebot kostenfrei. Und das gilt nicht nur für Bochum: Denn die Bochumer Institution deckt seit 2020 zusätzlich Bedarfe in Gelsenkirchen und seit 2021 in Herne und im Ennepe-Ruhr-Kreis ab. Auch weitere ASB-Hebammenzentralen in der Region wurden errichtet.

Waren es in Bochum zu Beginn rund 30 freiberufliche Hebammen, die mit der Hebammenzentrale zusammenarbeiteten, sind es mittlerweile über 100 nur in Bochum. Im Gründungsjahr erhielt die Hebammenzentrale rund 506 Anfragen von Frauen aus Bochum, die eine Hebamme suchten. 2022 verzeichnete Jennifer Kopp 926 Anfragen.

Glückssache auch in Bochum: Eine Hebamme zu finden, läuft oft über Empfehlung

Die Hebammenzentrale ist eine Erfolgsstory made in Bochum. Initialzündung für die Idee der ASB-Geschäftsführerin Fiona Rode sei 2015 die Flüchtlingskrise gewesen, als schwangere Frauen nach Bochum kamen, die kaum Zugang zu den Hebammen der Stadt hatten, schildert Kopp. Denn in der Regel fanden Frauen bis dato eine Hebamme vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Deshalb wandte sich der ASB mit der Idee einer Zentrale für die Hebammensuche an die Stadt Bochum. Diese begrüßte das Vorhaben und kooperierte. Das vom ASB und Spenden finanzierte Projekt erhält von der Stadt Bochum jährlich 15.000 Euro aus dem Fond "Frühe Hilfen".

Kontakte der Hebammenzentrale werden passend und verlässlich auf Frauen abgestimmt.

Von Anfang an nutzt Hebamme Nina Heußen das Angebot. Zwar sei für sie die Arbeit auf Empfehlung noch immer eine wichtige Säule, doch etwa ein Drittel der Frauen kämen über die Hebammenzentrale zu ihr, so die 42-Jährige. "Diese Kontakte kommen verlässlich zustande. Das ist besser planbar. Und ich fand es immer schade, Frauen ablehnen zu müssen. Jetzt habe ich eine Anlaufstelle, auf die ich verweisen kann", nannte sie einige Vorteile.

Für Hebammen-Schülerin Liliane Da Silva (22) war zunächst klar, dass sie nach der Ausbildung vor allem im Kreißsaal arbeiten will. Doch der Kontakt zu freiberuflichen Hebammen und der Einblick in die Arbeit der Hebammenzentrale hat ihren Blick verändert. "Es ist ein ganz anderer Kontakt zu den Frauen und ich sehe hier, wie die Kontakte organisiert werden", sagte sie.

Hebammen-Zentrale nimmt persönlich Kontakt zu den Frauen auf

Oberstes Credo bei der Vermittlung ist für Jennifer Kopp und Kollegin Alexandra Rothe von der Hebammenzentrale der Eins-zu-Eins-Kontakt. Sie wählen die passende Hebamme nach verschiedenen Kriterien aus. Darum nehmen die Mitarbeiterinnen immer per Telefon persönlich Kontakt mit den suchenden Frauen auf.

Zum fünfjährigen Bestehen begrüßte das Team des Sozialprojekts des Arbeiter-Samariter-Bundes einige Hebammen und Oberbürgermeister Thomas Eiskirch zu einer kleinen Feierstunde in den Räumen der Hebammenzentrale an der Markstraße.

Auch für die Absolventinnen der Hebammenkunde der Hochschule für Gesundheit (HSG) sei ein solches Angebot ein guter Anreiz, in der Stadt zu bleiben und hier zu arbeiten, sagte OB Eiskirch.

Neues Angebot ab September: Baby- und Kinderkleidung gegen Spende

Ab September startet die Hebammenzentrale ein neues Angebot. In den Räumen an der Markstraße 315, 44801 Bochum werden künftig gut erhaltene Baby- und Kinderkleidung sowie etwas Spielzeug/Bücher gegen Spenden abgegeben.

Spenden gut erhaltener Kinder- und Babyartikel sind willkommen und können während der Öffnungszeiten dienstags bis donnerstags von 8.30 bis 12.30 Uhr abgegeben werden. Weitere Informationen und Kontaktdaten sind auf der Webseite zu finden: https://www.hebammenzentrale-bochum.de/