Politik

Grüne-Jugend-Sprecher: „Der RRX-Halt hat mich politisiert“

Der Bochumer Max Lucks am Campus der Ruhr-Universität, wo er studiert

Der Bochumer Max Lucks am Campus der Ruhr-Universität, wo er studiert

Foto: Svenja Hanusch

Bochum-Wattenscheid.   Max Lucks, Bundessprecher der Grünen Jugend aus Bochum, spricht über seine Erfahrungen im politischen Berlin. Seine Heimat ist ihm wichtig.

Der 21-jährige Max Lucks ist Bundessprecher der Jugendorganisation Grüne Jugend und wurde im Oktober beim Bundeskongress mit über 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Im Gespräch mit WAZ-Volontär Simon Gerich spricht der Jungpolitiker, der in Wattenscheid aufgewachsen ist und an der Ruhr-Universität studiert, über seinen Werdegang, seine Erfahrungen im politischen Berlin und seine Ziele.

WAZ: Herr Lucks, Sie sind seit 2017 Bundessprecher der Grünen Jugend. Wie kamen Sie zur Politik?

Max Lucks: Ich war so 13 oder 14 Jahre alt und schon länger ein politisch denkender Mensch. Damals ging es, das weiß ich noch ganz genau, um die Frage, ob der RRX, der Rhein-Ruhr-Express, in Wattenscheid hält. Die Grünen waren ganz klar dafür. So bin ich zur Grünen Jugend gekommen, hab dort ein bisschen Blut geleckt und bin dabei geblieben.

Warum die Entscheidung für die Grüne Jugend?

Die Grüne Jugend hat mir damals gezeigt, dass der RRX-Halt mehr ist als nur ein Bahnhof. Das Mobilität und Teilhabe wichtige Dinge sind. Sie hat mir das große Ganze näher gebracht und denkt die Frage von Gerechtigkeit, Freiheit und Ökologie zusammen. Auch wenn ich nicht aus einer klassisch grünen Familie komme, war ich dann schnell davon begeistert.

Der Weg zum Bundessprecher

Wie ging es nach dem Eintritt weiter und wann ist die Entscheidung gereift, dass Sie sich als Bundessprecher bewerben wollen?

Ich komme eher aus der Landes- und Kommunalpolitik und habe da in vielen wichtig klingenden Ämtern mitgearbeitet. Ich war im Kreisvorstand der Grünen in Bochum, Sprecher der Grünen Jugend Bochum und später Landessprecher der Grünen Jugend in NRW. Kurz nach der Bundestagswahl war dann für mich klar, dass ich mehr Verantwortung übernehmen möchte. Damals liefen ja die Jamaika-Sondierungen an und ich wollte nicht, dass die Grünen diese Koalition um jeden Preis machen. Zu der Zeit gewählt zu werden, war dann schon ein Sprung ins kalte Wasser, weil der politische Betrieb in Berlin eine ganz andere Welt ist.

Was sind Ihre Aufgaben als Bundessprecher der Grünen Jugend?

Meine Aufgabe besteht darin, den Verband politisch nach innen und nach außen zu vertreten. Das, was am meisten wahrgenommen wird, ist die Außenvertretung. Das geschieht viel über Soziale Medien und gegenüber der Presse, aber auch in die Partei rein. Ich sitze zum Beispiel beratend im Parteivorstand der Grünen und in den Fraktionssitzungen. Aber ein großer Teil der Arbeit ist tatsächlich auch nach innen gerichtet, also etwa wie die Verbandsentwicklung läuft, wie neue Mitglieder im Verband ankommen und wie man Leute noch stärker politisch begeistern kann.

Erfahrungen im politischen Berlin

Sie vertreten die Jugendorganisation im Parteivorstand. Wie werden Sie dort als Sprecher der Grünen Jugend wahrgenommen und wie ist der Umgang mit ihnen?

Am Anfang war es für mich aufregend, aber auch sehr komisch. Es gibt schon ein paar ungeschriebene Gesetze im politischen Berlin, etwa die Art wie man miteinander spricht oder wie man aufeinander zugeht, die mir nicht bekannt waren, als ich dort angefangen habe. Deswegen war ich am Anfang auch ein bisschen verschreckt davon, aber ich habe mich mittlerweile da rein gearbeitet, auch gegen viele Widerstände.

Nicht jeder will immer eine konstruktive Kritik der Parteijugend haben, das kann ich auch verstehen. Allerdings wird man vom politischen Alltag auch ein bisschen entzaubert.

Wie meinen Sie das?

Es ist nicht immer die wichtige Welt der Politik, die man aus dem Fernsehen kennt. Etwa wenn man in Sitzungen sitzt und sich stundenlang unterhält, ohne dann Ergebnisse zu haben. Und das alles, während da draußen die Welt nicht still steht.

Hoher zeitlicher Aufwand

Wie viel Aufwand steckt in dem Amt und wie lässt es sich mit Ihrem Studium vereinbaren?

Ich bin in der Regel montags und dienstags in Berlin und habe dort Termine. Das Wochenende geht dann meistens für den Verband drauf. Da bin ich dann irgendwo in Deutschland unterwegs. Das ist schon eine ziemliche Herausforderung für das Studium und das Privatleben. Aber es ist mir auch ziemlich wichtig, dass ich noch etwas außerhalb der Politik habe.

Ich habe gerne meinen Freundeskreis hier in Bochum und es war eine bewusste Entscheidung nicht an die Humboldt-Uni in Berlin zu wechseln. Manchmal tut es gut aus der Politik rauszukommen und mit Freunden zu sprechen, die nicht in der Partei sind oder zu sehen, wie wichtig die kleinen Dinge für die großen Begriffe sind: Meine Trinkhalle um die Ecke, zum Beispiel, ist für den sozialen Zusammenhalt eines ganzen Stadtteils wichtiger als so manches Rumgelaber der großen Koalition.

Politische und persönliche Ziele

Haben Sie politische und private Ziele für die nächste Zeit?

Manchmal denke ich mir, dass es eigentlich spannender wäre, wenn Politik ein bisschen wie die Fernsehserie House of Cards wäre, wo die Figuren einen langfristigen politischen Plan verfolgen. Das ist aber gar nicht so. Ich habe eher ein großes privates Ziel und das ist mein Studium in nächster Zeit abzuschließen. Alles weitere werde ich mir dann überlegen.

Welche politischen Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Mich treibt viel um, in einer Zeit, wo auf der ganzen Welt Rechtsradikale und Islamisten immer stärker werden. Gegen sie die Freiheit zu verteidigen, ist mir wichtig. Aber eine Sache liegt mir besonders am Herzen: Wir alle kennen hier in Bochum jemanden, der seinen Job bei Opel, bei Nokia oder anderswo verloren hat. Die Politik darf beim nächsten Strukturwandel durch die Digitalisierung nicht so versagen, wie beim Letzten. Für einen Arbeitsmarkt mit guten Löhnen, ohne Befristungen und einen starken Sozialstaat zu kämpfen, ist mir wichtig. Mich freut, dass die Grünen mit dem Vorschlag der Garantiesicherung hier in die richtige Richtung gehen.

Was ist die Grüne Jugend?

Die Grüne Jugend ist die Jugendorganisation der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Sie ist in 16 Landesverbände gegliedert und in Ortsgruppen unterteilt. Derzeit sind laut Eigenangaben rund 7100 junge Menschen Mitglieder der Grünen Jugend. Jedes Parteimitglied der Grünen zwischen 14 und 28 Jahren ist automatisch auch Mitglied der Jugendorganisation, es gibt aber auch die Möglichkeit, ohne Parteibuch bei der Grünen Jugend dabei zu sein.

Mitglieder der Jugendorganisation sitzen von der kommunalem Ebene bis in die Bundesebene in Parteigremien. Weiterhin organisiert die Grüne Jugend politische Demonstrationen und Aktionen, beteiligt sich an der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Partei, organisiert Schulungen und Bildungsarbeit. Auch im Wahlkampf engagieren sich Mitglieder für die Altpartei, wie die Grüne Jugend die Partei Die Grünen gelegentlich nennt.

Die Jugendorganisation engagiert sich gegen Studiengebühren und Rassismus und setzt sich ein für erneuerbare Energien, Gleichberechtigung der Geschlechter und eine liberale Drogenpolitik.

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