Nahverkehr

Gerangel um schnellen Takt der Straßenbahnlinie 306

Es geht um die Taktung für die Weiterfahrt der 306/316 nach Herne.

Es geht um die Taktung für die Weiterfahrt der 306/316 nach Herne.

Foto: Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   In Herne wird ein 7,5-minütiger Takt, wie Bochum ihn wünscht, nicht für nötig erachtet. CDU-Politiker bremst Bogestra-Projekt zunächst aus.

Um die Straßenbahnlinie 306/316 gibt es Irritationen. Dabei geht es um die Taktzeiten, mit denen die Bahn nach dem Umstellen des S-Bahntaktes am 15. Dezember 2019 künftig das Stadtgebiet Herne bedienen soll. Die Linie würde auf Bochumer Stadtgebiet dann im 7,5-Minuten-Takt fahren und bindet unter anderem das gut besuchte Hannibal-Einkaufcenter mit umliegenden Einrichtungen an die Bochumer City an. Die Herner Verwaltung stellt diesen dichten Takt infrage.

Pläne für eine Verschlechterung des Takts der Straßenbahnlinie 306 von 10 auf 15 Minuten auf Herner Stadtgebiet sind im vergangenen Jahr auf Protest bei Bürgern und Bezirkspolitikern gestoßen. Die Stadt Herne legt nun ein Gutachten vor, das der Bogestra-Linie in Wanne und Eickel eine sehr geringe Auslastung bescheinigt. Trotzdem wird der Wunsch nach einer Verbesserung des Takts von 10 auf 7,5 Minuten laut – und zwar von Bochumer Seite.

Umbaukosten von 1,2 Millionen Euro

Die Diskussion über die 306 ist 2017 im Zuge der Fortschreibung des Bochumer Nahverkehrsplans entflammt. Die ersten Vorschläge sahen einen 15-Minuten-Takt für die von Bochum über Eickel bis Wanne Hauptbahnhof verlaufende Linie vor. Aktueller Planungsstand: Die 306 soll auf Bochumer Stadtgebiet aufgrund der größeren Nachfrage durchgängig im 7,5-Minuten-Takt fahren. In Eickel und Wanne ist dieser Takt nur in Stoßzeiten geplant, ansonsten soll die Bahn auf Herner Gebiet nur alle 15 Minuten fahren.

Die Stadt Herne und der Herner Rat hatten 2017 gegen den Widerstand der Bezirke Wanne und Eickel für diese Verschlechterung des Angebots gestimmt. Durch ein von der Stadt Herne gefordertes Gutachten dürften sich Verwaltung und Rat nun bestätigt sehen: In 99 Prozent aller Fahrten wurden weniger als 40 Fahrgäste in der 121 Menschen fassenden Bahn (66 Sitz-, 55 Stehplätze) gezählt. Das decke sich mit früheren Erhebungen der Bogestra, so die Stadt. Im Verwaltungsrat des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr hat die Bogestra einen Förderantrag über den Ausbau der Gleisanlagen am Hannibal-Center in Bochum gestellt.

Maßnahme wurde als einzige zurückgestellt

Dies soll die Voraussetzung dafür schaffen, dass dort künftig jede zweite 306-Bahn wenden und zurück Richtung Bochum fahren kann. Weil die CDU und insbesondere der Bochumer CDU-Ratsherr Dirk Schmidt Klärungsbedarf haben, wurde diese Entscheidung als einzige von 73 Maßnahmen eines VRR-Förderkatalogs zunächst zurückgestellt.

Von der Bogestra heißt es nur, dass es derzeit eben dieses Projekt auf der Linie 306 gebe, „um den Ausbau der vorhandenen Linienführung (Gleisbereich, Signalanlagen) voranzutreiben“. Der Grund, am Hannibal-Center die Gleise so umzubauen, weil hier jede zweite Bahn nicht nach Herne weiter fährt, sondern dort wieder auf den Rückweg geht, liegt daran, dass sonst dieser Wechsel schon in Höhe der Haltestelle Hordeler Straße erfolgen müsste. Dort liegt bereits eine solche Weiche. Dann führe nur jede zweite Bahn bis zum Einkaufscenter.

Dirk Schmitt sieht keine Notwendigkeit, mehr als eine Million Euro in die Hand zu nehmen, obwohl er die Anbindung des Hannibal-Centers begrüßt. Er verweist darauf, dass eine ähnliche Weiche schon an der Haltestelle „Auf der Wenge“ am Eickeler Wochenmarkt liege. Dort könnten ja dann die Bahnen „wenden“.

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