Urteil

Freispruch für Wittener Ex-Satanisten Daniel Ruda

Daniel Ruda (links) ist von dem Vorwurf der Anstiftung zum Mord freigesprochen worden. Neben ihm Verteidiger Hans reinhardt. Ruda hat sich mittlerweile einen anderen Nachnamen zugelegt.

Daniel Ruda (links) ist von dem Vorwurf der Anstiftung zum Mord freigesprochen worden. Neben ihm Verteidiger Hans reinhardt. Ruda hat sich mittlerweile einen anderen Nachnamen zugelegt.

Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum/Witten.  Der Ex-Satanist Daniel Ruda ist vor dem Schwurgericht Bochum freigesprochen worden. Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

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Der Wittener Satanistenmörder Daniel Ruda (41) ist am Donnerstagvormittag in Bochum vom Vorwurf der Anstiftung zum Mord an seiner Ex-Frau Manuela Ruda freigesprochen worden. Die Belastungszeugin (34) war für die Richter nicht glaubwürdig. „Der Eindruck, den die Zeugin hier gemacht hat, war verheerend“, sagte Richterin Petra Schönenberg-Römer.

Ruda wurde vorgeworfen, versucht zu haben, in der JVA Bochum eine damalige Brieffreundin (34) anzustiften, seine Ex-Ehefrau Manuela Ruda – Mittäterin beim Wittener Satanistenmord 2001 – zu erschlagen. Diese war damals in der forenischen Psychiatrie in Lippstadt untergebracht. Die Brieffreundin sollte sich als Pflegerin in die Anstalt einschleusen.

Das Gericht hatte aber nach mehrstündiger Vernehmung der Belastungszeugin über zwei Tage hinweg „erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit“ gehabt. Ihre „Geschichte“ sei „von vorn bis hinten nicht richtig“. „Immer wieder seien „neue Varianten aufgetaucht in der Aussage“. Sie sei „absolut beliebig“ gewesen. Die Zeugin habe „immer wieder falsche Angaben gemacht“ – und dies vorsätzlich.

„Sie haben die Ehre der Staatsanwaltschaft gerettet“

Mit dem Freispruch folgte das Schwurgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Auch sie hielt die Aussage der Zeugin für „vollends widersprüchlich“. Verteidiger Hans Reinhardt sagte der Staatsanwältin, die nicht selbst Verfasserin der Anklageschrift ist, sondern diese nur in der Hauptverhandlung vertreten hat: „Sie haben die Ehre der Staatsanwaltschaft gerettet.“

Die Zeugin, so Reinhardt, habe seinem Mandanten durch ihre falsche Aussage anderthalb Jahre Freiheit geraubt. Er sei damals schon fast in Freiheit gewesen. „Er saß mit gepackten Koffern in der JVA und wartete, dass die Türen aufgehen.“ Doch dann sei die Anzeige gekommen. Die Zeugin müsse man jetzt zur Rechenschaft ziehen.

Der angebliche Mordauftrag soll bereits im Jahr 2010 erfolgt sein, behauptete die Zeugin, die Ruda auch mehrfach in der JVA Bochum besucht hatte. Die Anzeige erstattete sie aber erst vier Jahre später, als sie in der Medien gelesen hatte, dass der wegen des Wittener Satanistenmordes von 2001 zu 15 Jahren Haft verurteilte Ruda eventuell vorzeitig auf Bewährung freikommen solle.

Verschmähte Liebe als Motiv für Falschbelastung

Als Motiv für die Falschbelastung nannte das Gericht verschmähte Liebe (Ruda hatte 2010 die Brieffreundschaft mit der Frau selbst beendet), einen Darstellungszwang der Zeugin sowie den Glauben, persönlich für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Durch ihre Anzeige 2014 hatte sie die vorzeitige Freilassung Rudas mit verhindert.

Der Angeklagte könnte jetzt – nach fast 16 Jahren hinter Gittern – bereits in wenigen Wochen auf Bewährung in die Freiheit entlassen werden, wie sein Anwalt der WAZ nach dem Urteil sagte. Das sei „realistisch“. Er ist überhaupt nur noch deshalb eingesperrt, weil eine freiwillige knapp zweijährige geschlossene Therapie nicht auf die Haftzeit angerechnet worden ist. In der JVA Bochum arbeitete Ruda viele Jahre in der Bücherei.

Ruda selbst nutzte sein „letztes Wort“ vor dem Urteil, um einen biblischen Text über Verleumdung aus dem 5. Buch Mose zu zitieren.

Belastungszeugin schon im Ermittlungsverfahren angezeigt

Reinhardt hatte die Belastungszeugin bereits im Ermittlungsverfahren wegen Verleumdung, übler Nachrede und mittelbarer Freiheitsberaubung angezeigt. Dieses Verfahren sei aber vom selben Staatsanwalt, der die Anklage gegen Ruda verfasst habe, eingestellt worden. „Ich hätte es für neutraler gehalten, wenn das jemand anderes bearbeitet hätte“, so Reinhardt.

Sein Mandant will nach der Freilassung mit seiner neuen Freundin in ein anderes Bundesland umziehen.

Die ehemaligen Eheleute Ruda habe mittlerweile andere Nachnamen angenommen.

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