Ruhrtriennale

Flugzeug auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle gelandet

Das Berliner Künstlerkollektiv „Raumlabor“ entwickelte die Idee, direkt vor der Jahrhunderthalle ein echtes Flugzeug aufzustellen. Es ist begehbar, bietet viel Platz – nur fliegen kann man damit nicht mehr.

Das Berliner Künstlerkollektiv „Raumlabor“ entwickelte die Idee, direkt vor der Jahrhunderthalle ein echtes Flugzeug aufzustellen. Es ist begehbar, bietet viel Platz – nur fliegen kann man damit nicht mehr.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Eine ausrangierte Transall dient der Ruhrtriennale als neues Festivalzentrum. Im Inneren der Maschine finden Lesungen, Konzerte und Partys statt.

Willkommen an Bord: Zum Start der ersten Spielzeit unter Leitung von Intendantin Stefanie Carp ist eine ausrangierte Transall auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle gelandet – und zieht seither die Blicke der Festivalbesucher und Spaziergänger im Westpark auf sich.

Der olivgrüne Flieger, den das Berliner Künstlerkollektiv „Raumlabor“ auf einem Flugzeugfriedhof in Bayern aufgestöbert hat, ist echt. „Wir haben es gewissermaßen vor der Verschrottung gerettet“, erzählt Dramaturgin Anne Mahlow. Weil die Maschine selber nicht mehr flugtauglich ist, wurde sie in Einzelteilen nach Bochum geschafft und hier mit einem Kran aufwendig wieder aufgebaut.

Blick ins Bordprogramm

Während der Dauer des Festivals (bis 23. September) finden in dem Flugzeug beinahe täglich Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Filmnächte und Werkstätten statt. Auch eine Bar ist an Bord: Es gibt Flieger-Stullen in allen Variationen, und natürlich darf Tomatensaft nicht fehlen.

Über zwei Aufgänge gelangt man hinein. Im Inneren sieht es noch immer so aus wie in einem Transportflugzeug. Nur der Bereich vor dem abgesperrten Cockpit wurde erweitert und mit einem stabilen Zelt überdacht. Bestuhlt bietet der Flieger Platz für 100-120 Personen.

Dabei ist es eine besondere Arbeitsweise der Künstler von „Raumlabor“, möglichst wenig zu verändern. „Sie arbeiten gern mit dem, was sie vorfinden“, sagt Anne Mahlow. So versteht sich „Third Space“, wie das Festivalzentrum offiziell genannt wird, als eigene Kunstinstallation, die sich ständig verändern soll. „Im Laufe der kommenden Jahre wird mit dem Flugzeug viel passieren“, verspricht Mahlow. Was genau geplant ist und warum das Flugzeug nur einen Flügel hat: alles noch Geheimsache.

Die Gäste (also die Passagiere) sind eingeladen, das Innere der Maschine bei freiem Eintritt ganz zwanglos zu entdecken, denn sie steht beinahe täglich offen. Auf Bildschirmen können Kurzfilme angewählt werden, die nach einem Triennale-Aufruf von Nachwuchskünstlern eingesandt wurden. „Wir haben über 170 Einsendungen aus vielen Ländern bekommen, das hat uns total gefreut“, so Mahlow. Zehn ausgewählte Filme sind jetzt zu sehen, am 9. September können sie auch bei einem Filmabend ab 21 Uhr am Stück angeschaut werden.

Auch ein Blick ins Bordprogramm lohnt: Beim Lesesalon werden an jedem Sonntag um 16 Uhr die „Bitch Doktrien“ von Laurie Penny gelesen. Samstags finden ab 23 Uhr Konzerte und Performances statt (heute: Konzert mit „Wir hatten was mit Björn“). Direkt nach der Premiere von „Das Floß der Medusa“ am 31. August in der Jahrhunderthalle stellt Regisseur Kornél Mundruczó seinen Film „Underdog“ vor (23 Uhr). Der kenianische Künstler Ogutu Muraya ist am 1. September ab 23 Uhr mit einer spannenden Performance zu Gast. In diesem Sinne: guten Flug!

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