„Alle Jahre wieder“

Familienstück im Schauspielhaus Bochum sorgt für Wirbel

Kunterbunte Kostüme und ein verspielt-abstraktes Bühnenbild machen die äußere Form des Familienstücks „Alle Jahre wieder“ aus. Nicht alle Zuschauer können sich damit anfreunden. Szene mit (v.li.) Karin Moog, Mercy Dorcas Otieno, Svetlana Belesova, Konstantin Bühler, Johanna Wieking und Martin Horn.

Kunterbunte Kostüme und ein verspielt-abstraktes Bühnenbild machen die äußere Form des Familienstücks „Alle Jahre wieder“ aus. Nicht alle Zuschauer können sich damit anfreunden. Szene mit (v.li.) Karin Moog, Mercy Dorcas Otieno, Svetlana Belesova, Konstantin Bühler, Johanna Wieking und Martin Horn.

Foto: Birgit Hupfeld

Bochum.   „Alle Jahre wieder“ am Schauspielhaus musste viel Kritik einstecken. Jetzt gibt’s eine Podiumsdiskussion zum Für und Wider der Aufführung.

Das Familienstück „Alle Jahre wieder“ im Schauspielhaus hat für Wirbel gesorgt: Nicht alle Zuschauer zeigten sich begeistert über die Produktion, die so ganz anders ausgefallen ist, als die märchenhaften Weihnachtsinszenierungen der Vorjahre. „Zu abgehoben. Zu wenig kindgerecht“, sind Vorwürfe, die laut wurden.

Ideen und Erwartungen

Das Theater hat auf die kritischen Stimmen reagiert und lädt am Sonntag zu einer Podiumsdiskussion ein, bei der das Für und Wider einer auf den ersten Blick ungewöhnlichen Kinder-/Schülerproduktion unter die Lupe genommen werden soll. „Künstlerische Ideen und Überzeugungen einerseits und Erwartungen des (erwachsenen) Publikums andererseits gehen im Kinder- und Jugendtheater manchmal auseinander“, weiß Cathrin Rose, Leiterin des Jungen Schauspielhauses. Die Podiumsdiskussion möchte daher beide Sichtweisen einander annähern – nicht nur, aber auch am Beispiel von „Alle Jahre wieder“.

Nicht nur unterhalten, auch zum Nachdenken anregen

Erklärte Absicht des Schauspielhaus-Teams um Regisseurin Hannah Biedermann war es, mit dem Stück nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen. Entwickelt wurde „Alle Jahre wieder“ gemeinsam mit Bochumer Kindern. Es geht um das Hinterfragen von Familienfesten bzw. der üblichen Rituale des Feierns. Dabei richte sich der Blick nicht nur aufs christliche Weihnachtfest, sondern ebenso auf Ostern, das jüdischen Passah- und das muslimische Zuckerfest, dazu auf Geburtstage, Karnevalsfeiern und Beerdigungen: Herausfordernde Themen, denen sich das junge und das erwachsene Publikum stellen muss. Nicht jeder ist dazu bereit: „Meine sechsjährige Enkelin, mit der ich in der Vorstellung war, hat leider kein Abitur“, so eine WAZ-Leserin, die die Vorstellung in der Pause verlassen hatte.

Unterhaltung und Aufklärung

In den vergangenen Jahren waren die Kinder- und Familienstücke, die immer vor Weihnachten in den Schauspielhaus-Spielplan rückten, insofern auf „Nummer sicher“ gegangen, als dass sie populäre Stoffe wie „Die kleine Hexe“ oder „Das Sams“ zum Ausgangspunkt des Spiels machten. Unterhaltung stand im Mittelpunkt, nicht der aufklärerische Impuls.



„Alle Jahre wieder“ erreicht nicht die Vorjahres-Quoten

Welche Vor- und möglicherweise Nachteile die eine oder andere Herangehensweise an Familienstücke im Theater hat, dem möchte die Gesprächsrunde nachspüren. Dabei wird sicher auch erörtert, welche auch finanzielle Bedeutung gerade die Familienaufführungen für ein Stadttheater haben – wegen des aus den Schulen rekrutierten Publikums waren in der Vergangenheit Auslastungen an die hundert Prozent die Regel. Eine Quote, die „Alle Jahre wieder“ bislang nicht erreicht.

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