WAZ-Nachtforum

Fachärzte informieren beim WAZ-Forum über den Schlaganfall

Wieder wohlauf: Peter Nowak (mit einem Hund Coco) hat sich von einem Schlaganfall im Frühjahr gut erholt. Am 28. November führt er beim WAZ-Nachtforum ein Patienteninterview.

Wieder wohlauf: Peter Nowak (mit einem Hund Coco) hat sich von einem Schlaganfall im Frühjahr gut erholt. Am 28. November führt er beim WAZ-Nachtforum ein Patienteninterview.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum.  Über Ursachen und Behandlung eines Schlaganfalls informiert am 28. November das WAZ-Nachtforum. Ein Patient berichtet: „Ich hatte großes Glück.“

Aufstehen, anziehen, das Frühstück zubereiten: Es ist ein Morgen wie immer an diesem Samstag vor Ostern. Nur „sehr, sehr müde“ habe er sich gefühlt, „als wenn ich gar nicht geschlafen hätte“, erinnert sich Peter Nowak. Das Letzte, das er wahrnimmt, ist sein vergeblicher Versuch, die Kaffeemaschine einzuschalten. Danach wird’s dunkel. Der 48-Jährige erleidet einen Schlaganfall. Warum er heute dennoch von „großem Glück“ redet, schildert der Höntroper am Donnerstag, 28. November, beim WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer.

Jährlich 270.000 Menschen in Deutschland trifft der Schlag. Damit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache und führt am häufigsten zu einer dauerhaften Invalidität. Ursache ist meistens ein durch ein Gerinnsel verschlossenes Blutgefäß des Gehirns. Pro Minute sterben 1,9 Millionen Nervenzellen ab. „Im Notfall gilt: Zeit ist Hirn. Jede Sekunde zählt“, weiß Dr. Ilka Kleffner, Oberärztin der Neurologischen Klinik im Knappschaftskrankenhaus und Leiterin der „Stroke Unit“, einer Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten.

Notarzt war in vier Minuten vor Ort

Je eher die Durchblutung wieder hergestellt ist, desto weniger Nervenzellen sterben ab. Deshalb muss das Wiedereröffnen des Blutgefäßes so schnell wie möglich erfolgen. Bei Peter Nowak gelang das. „Gott sei dank“, sagt der Elektromechaniker, war an dem Morgen seine Frau Justyna bei ihm. Sie alarmierte sofort den Notarzt, der binnen vier Minuten vor Ort war und die Notfallversorgung einleitete. „Sonst“, glaubt der Frührentner, „wäre ich heute wohl nicht mehr hier.“

So lebenswichtig Schnelligkeit ist: In den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass manchen Patienten auch noch zu einem späteren Zeitpunkt geholfen werden kann, erklärt Ilka Kleffner. „Nicht immer kommt man zur rechten Zeit ins Krankenhaus, sei es, weil der Schlaganfall im Schlaf geschieht, sei es, weil man allein zu Hause ist. Mit bestimmten bildgebenden Verfahren kann herausgefunden werden, wer auch mit Verspätung noch von Therapien wie der Thrombektomie profitieren kann.“

Neue Methode mit Metallkörbchen

Diese Behandlungsmethode stellt Dr. Sebastian Fischer, Leitender Oberarzt am Knappschaftskrankenhaus, beim WAZ-Forum vor. Dabei werden Blutgerinnsel mit einem kleinen Metallkörbchen, das über die Leistenarterie eingeführt wird, aus der Hirnarterie gezogen. „Der Erfolg ist oft direkt nach der Thrombektomie nachweisbar, wenn der Patient wieder sprechen kann bzw. die vormals gelähmte Seite wieder bewegt“, so Fischer.

Dritter Referent des Abends ist Dr. Finn Drescher. Er informiert über die Schlaganfallversorgung in Deutschland. Wo finden Patienten Hilfe? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Neuroradiologen und Stroke Units? Welche Strukturen zur Versorgung von Schlaganfällen gibt es im Ruhrgebiet? Der Assistenzarzt kennt die Antworten.

Nach OP fällt nur die Hausarbeit etwas schwerer

Finn Drescher führt zum Abschluss des WAZ-Forums auch das Patienteninterview mit Peter Nowak. Eine Woche lang wurde er nach seinem Schlaganfall im Frühjahr in Langendreer behandelt. Die Bestrahlung bei einer alten Krebserkrankung, so wird vermutet, hatte im Laufe der Jahre zur Verengung der Halsschlagader und zum Verschluss einer Hirnarterie geführt. In einer Not-OP wurde das Blutgerinnsel entfernt: gerade rechtzeitig, um gravierende Folgeschäden zu vermeiden.

„Heute geht’s mir gut“, sagt der Familienvater. Mitunter komme er daheim am Wattenscheider Hellweg „schwer in die Gänge“, sei langsamer geworden beim Kochen oder Staubsaugen. Doch gemessen am Leid vieler anderer Schlaganfall-Patienten sei er „glücklich, dass alles so ausgegangen ist“. Zwei Dinge habe er gelernt: „dass die Notruf-Kette in Bochum vom Rettungsdienst bis zur Klinik gut funktioniert“ – und dass man das Leben genießen und Gutes tun müsse. Peter Nowak setzt das in Tat um. Er unterstützt sowohl die Tierschutzorganisation Peta als auch das Hilfswerk „Save the Children“.

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