Forschung

Entwicklung an der Ruhr-Uni führt zu verbesserten Hörhilfen

Gutes Hören ist wichtig. Viele Menschen profitieren von Hörgeräten.

Foto: Britta Pedersen

Gutes Hören ist wichtig. Viele Menschen profitieren von Hörgeräten. Foto: Britta Pedersen

Bochum.  Hörgeschädigte können aufhorchen. RUB-Forscher sorgen dafür, dass Störgeräusche besser unterdrückt werden können. Das hilft auch in der Kneipe.

Eine voll besetzte Kneipe. Gespräche über die Lasten der Ehe am linken Nachbartisch, Unterhaltungen über die aktuelle politische Lage am Tisch dahinter. An der Bar begrüßen sich lautstark zwei Männer, die schon einige Male das Bierglas auffüllen ließen. Aus den Boxen dröhnt Musik und ein zerschellendes Glas weckt auch diejenigen, die an der Bar kurz eingenickt sind. Sich bei dieser enormen Geräuschkulisse unterhalten zu können und gut zu hören, grenzt schon fast an ein Wunder der Natur.

Erfahrung in eigener Familie

Diese Kneipen-Szene stellt sogar Menschen, die ansonsten tadellos hören, vor eine enorme Herausforderung. Viel drastischer noch ist die Situation für Menschen mit Hörhilfen. Diese können derzeit noch nicht wichtige von unwichtigen Geräuschen trennen. Genau dieser Problematik hat sich ein Forschungsteam an der Ruhr-Uni um Professor Rainer Martin gewidmet. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt nennt sich „I can hear“ – ich kann hören.

Dazu wurden zahlreiche Probanden eingeladen. Ihnen wurden verschiedene Geräusche vorgespielt und notiert, wie gut sie diese bei welcher Einstellung verstehen.

Zu viele Störgeräusche

Der Grund, weshalb sich Professorin Dorothea Kolossa der Hörgeräte-Forschung gewidmet hat, ist eine Erfahrung in der eigenen Familie. „Meine Mutter hat auch ein Hörgerät und sie muss es so manches mal ‘rausnehmen, weil sie viel zu viele Störgeräusche hört und dadurch eigentlich nichts verstehen kann. Ich hoffe einfach, dass unsere Forschung dazu beiträgt, Menschen mit Hörhilfen ein besseres Leben zu ermöglichen.“

Das menschliche Ohr ist so komplex aufgebaut, dass es mit Hilfe der verschiedenen Partien des Ohrs, unter anderem der Ohrmuschel und der Hörschnecke, wichtige und brauchbare Hörsignale von unwichtigen, störenden Geräuschen unterscheiden kann.

Wichtiges von Unwichtigem trennen

Die Forscher nutzen Erkenntnisse von gut hörenden, menschlichen Probanden und verwenden sie für ihre eigene Forschung. „So hoffen wir auch, dass wir das menschliche Gehör noch besser verstehen. Denn da ist auch noch längst nicht alles geklärt“, sagt Dorothea Kolossa.

Insgesamt führte die Forschungsarbeit zu einem guten Ergebnis. Es konnten brauchbare Algorithmen entwickelt werden, die in der Software künftiger Hörgeräte verwendet werden könnten. Dann sollen die Geräte in der Tat fähig sein, brauchbare, wichtige Signale von den unwichtigen Signalen zu trennen.

Gespräche mit der Industrie

„Wir stehen in Gesprächen mit Vertretern aus der Industrie, um auch den Endverbraucher von der Forschung profitieren zu lassen“, sagt Dorothea Kolossa. „Zudem testen wir unsere neu entwickelten Algorithmen noch weiter, um sie noch funktionsfähiger zu gestalten.“ Damit auch Menschen, die auf ein Hörgerät angewiesen sind, in der lärmenden Kneipe gut hören.

>> Info: Wissenschaftler stellen ihre Arbeit vor

In dem von der Europäischen Union ge­för­der­ten Pro­jekt „I can hear“ ver­bes­sern For­scher an der Ruhr-Universität um Prof. Rai­ner Mar­tin die Leis­tung von Hör­ge­rä­ten und im­plan­tier­ba­re Hör­hil­fen in kom­ple­xen akus­ti­schen Um­ge­bun­gen.

Auf Youtu­be stel­len die Wis­sen­schaft­ler der Ruhr-Uni und der Uni­ver­si­tä­ten aus Leu­ven (Bel­gi­en), Sout­hamp­ton (UK), Zü­rich (Schweiz), Lyng­by (Dä­ne­mark) sowie Sie­mens und Coch­le­ar in einem Video ihre ge­mein­sa­me Ar­beit vor.

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